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Katastrophe

19 Tote und 342 Verletzte bei Loveparade

24.07.2010 | 18:10 Uhr
19 Tote und 342 Verletzte bei Loveparade
Massenpanik in der Unterführung an der Karl-Lehr-Straße. Foto: Peter Malzbender

Duisburg.19 Tote und hunderte Verletzte: Diese Opferzahlen nach der Massenpanik bei der Loveparade hat der Krisenstab in Duisburg in der Nacht bekanntgegeben. Oberbürgermeister Sauerland: „Es ist eine der größten Tragödien unserer Stadt“.

 Bei der Loveparade in Duisburg sind am Samstagnachmittag bei einer Massenpanik 16 Menschen  getötet worden, drei weitere starben im Krankenhaus. Zu der Katastrophe war es am Eingangstunnel vor dem Loveparade-Gelände am ehemaligen Güterbahnhof gekommen. Die Veranstaltung selbst ging ohne weitere große Zwischenfälle zu Ende. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) forderte eine genaue Untersuchung der Vorfälle. Die Staatsanwaltschaft überprüft, ob sie gegen die Veranstalter wegen fahrlässiger Tötung ermitteln wird. Nach der Räumung wurde der Tunnel für die Spurensicherung und die Untersuchungen der Kriminalpolizei gesperrt. 342 Menschen wurden verletzt, zahlreiche von ihnen schwer. Insgesamt waren rund 5000 Polizisten und Rettungskräfte im Einsatz. Nach ersten Schätzungen waren rund 1,4 Millionen Besucher bei der Loveparade

Die Massenpanik wurde nach Angaben des Duisburger Ordnungsdezernenten Wolfgang Rabe offenbar durch Besucher ausgelöst, die Sicherheitszäune überstiegen, um zum Veranstaltungsgelände zu kommen. Einige stürzten dabei von einer Treppe. Dadurch sei wohl eine „Kettenreaktion“ ausgelöst worden. In dem Tunnel ging es für viele weder vor noch zurück und es gab keine Ausweichmöglichkeiten.

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Die Ursache für die Katastrophe sieht Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland nicht im Sicherheitskonzept oder im Handeln der Ordnungskräfte vor Ort. 15 Menschen seien offenbar gegen 17.15 Uhr am Tunnel über die Absperrung eine Mauer hoch geklettert und aus vermutlich acht bis neun Metern Höhe abgestürzt. Darauf deuteten die Berichte der Notärzte von Rückenmarksverletzungen hin: „Alle Sicherheitsvorkehrungen, die notwendig waren, sind von den Ordnungskräften eingeleitet worden. Es ist dafür gesorgt worden, dass nur die Größenordnungen in den Tunnel geleitet wurden, die der Tunnel verkraftet“, erklärte Sauerland auf einer eilig anberaumten Pressekonferenz (Video zur Pressekonferenz). „Aber soweit wir das Szenario kennen, sind die Toten entstanden, weil man Sicherheitsvorkehrungen überklettert hat und dann abgestürzt ist.“

Ein Stadtsprecher wies den Vorwurf zurück, das Gelände sei für die Veranstaltung zu klein gewesen. Es sei ausreichend Platz für die Besucher gewesen, betonte er. Neben dem Haupteingang sei noch ein Nebeneingang geöffnet worden, als der Andrang zu groß wurde.

„Wir hatten alle Angst“

Foto: Peter Malzbender

Augenzeugen der Massenpanik berichten von schrecklichen Szenen. „Es waren Tausende Menschen im Tunnel. Viel zu viele auf jeden Fall. Die Leute sind reihenweise umgefallen. Und die Polizei hat von beiden Seiten immer mehr Leute in den Tunnel geschickt“, erzähl Loveparade-Besucher Mario sichtlich schockiert von den Ereignissen. „Wer umgefallen ist, wurde direkt niedergetrampelt“, ergänzt sein Begleiter Stefan: „Wir hatten alle Angst.“ Die Sanitäter seien zuerst auch nicht zu den Opfern durchgekommen. „Dann ist ein Rettungswagen durch die Menge gefahren, aber dadurch wurden alle noch mehr zusammengedrängt. Alle waren total hysterisch“, erinnert sich Augenzeugin Rebecca. Eine Freundin habe noch versucht, Opfer aufzuhelfen, die auf den Boden gefallen waren.

Dazu sagte Innenminister Ralf Jäger: „Der Veranstalter hatte genug Ordnungskräfte vor Ort. Wir werden in den nächsten Tagen die Ursachen untersuchen müssen, aber Vorrang hat nun die Versorgung der Verletzten und die Betreuung der Angehörigen.“ Um die Besucher „sicher nach Hause zu bringen“, so Jäger, seien aus ganz NRW weitere Einsatzkräfte herangezogen worden.

Foto: Peter Malzbender

Auf dem Gelände lief die Loveparade bis in den späten Abend weiter. Laut Stadtverwaltung entschloss sich der Krisenstab, die Loveparade nicht abzubrechen, um eine noch größere Panik zu vermeiden. Es wurden jedoch keine Besucher mehr auf das Areal gelassen und die Notausgänge des Geländes geöffnet. 150 Busse wurden geordert, die die Besucher nach Hause bringen sollten. Die Polizei richtete eine Notrufnummer unter 0203-94000 ein. Die Nachricht von der Massenpanik verbreitet sich wie ein Lauffeuer unter den Besuchern. Verzweifelt versuchen Jugendliche am Hauptbahnhof, ihre Freunde zu erreichen. Eltern wollen sich vergewissern, dass ihre Kinder nicht unter den Toten sind. Aber das Handy-Netz ist zeitweise zusammengebrochen.

Zugverkehr musste immer wieder unterbrochen werden

Der Zugverkehr am Duisburger Hauptbahnhof war am Abend wieder angelaufen, musste aber immer wieder unterbrochen werden, weil Menschen auf den Gleisen unterwegs sind. Nach der Massenpanik auf dem Veranstaltungsgelände strömten zehntausende Besucher zum Hauptbahnhof. Um die Menschenmenge vor dem Hauptbahnhof kontrollieren zu können, waren am frühen Abend bereits Wellenbrecher aufgestellt worden. Zudem wurden Buslinien bereit gestellt, um die Besucher an ihr Fahrtziel bringen zu können.

Fritz Pleitgen, Geschäftsführer des Kulturhauptstadt-Projektbüros Ruhr.2010, hatte die Loveparade am Nachmittag verlassen - undzeigt sich extrem : „Alle waren fröhlich, alles war unter Kontrolle. Zuhause habe ich das Fernsehen angemacht und von den Toten gehört. Ich bin einfach tief betroffen. Furchtbar, wenn ich an die Angehörigen der Opfer denke. Ich habe ja selbst Kinder.“ Die Loveparde sei zwar auch unter dem „Label Kulturhauptstadt
“ gelaufen, Ruhr.2010 habe aber keinen Einfluss auf die Organisation gehabt. Pleitgen: „Wenn kommende Woche das Still-Leben auf der A 40 wäre, würde ich die Veranstaltung absagen.“

DerWesten

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Kommentare
17.11.2010
10:48
Blockierter Kommentar.
von Planlose Kinder | #227

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

08.08.2010
21:10
19 Tote und 342 Verletzte bei Loveparade
von wolfgang klein | #226

Sieh auf zu den Sternen.
Gib Acht auf die Gasse.
-Wilhelm Raabe-

www.loveparade2010doku.wordpress.com

25.07.2010
17:43
18 Tote und 80 Verletzte bei Loveparade
von Jules | #225

Findet ihr es nicht ein bisschen unfair, so kurz nach der Tragödie die Schuld auf jeden und alles abzuwälzen?! Diese Vermutungen und Unterstellungen. Die Ermittlungen habe gerade erst begonnen und heißt es nicht, jeder ist solange unschuldig, bis ihm das Gegenteil bewiesen wurde?! Und das in einer Pressekonferenz, die nur ein paar Stunden nach der Tragödie einberufen wurde noch keine klaren Fakten genannt werden können und nichts gesagt wird, was nicht bewiesen ist oder noch in Frage steht, sollte jedem klar sein!
Ich war selber auf der Love Parade und es ist wirklich traurig und ich bin auch erschüttert über das, was vorgefallen ist. Ich fühle mit den vielen Opfern und deren Familien, aber dennoch sollte man seine Vorurteile zurückhalten und nur nach Fakten gehen und die stehen zu diesem Zeitpunkt einfach noch nicht fest. Der Rest ist Spekulation, die niemandem etwas bringt und am wenigsten den Opfern und ihren Angehörigen!

25.07.2010
17:27
18 Tote und 40 Schwerstverletzte bei Loveparade
von CaptainWillard | #224

# 187 von anders.

zu 2.

Genau das ist der Punkt. Wieso gab es keine Einsatzkräfte innerhalb des Tunnels?

Erstens hätte die Lage vor Ort besser eingeschätzt werden können (aber das ist ja nicht gewollt, Beamte werden fürs Gehorchen, nicht fürs Denken und Handeln alimentiert)

Zweitens lassen sich mittels Vor-Ort-Kräften durch beherzten Eingriff panikentwickelnde Situationen sehr schnell neutralisieren.

Drittens wäre der Raum innerhalb des Tunnels - dem Nadelöhr - durch abgestellte Einsatzfahrzeuge sehr viel kleiner geworden. Danach wäre auch das Risiko reduziert worden.

Viertens ist ein Ordnungsdezernent, der erzählt, Panik wäre ausgebrochen, weil ein paar von einer Treppe oder einem Gerüst gestürzt, noch niemals auf einem Rockkonzert (beispielsweise Rock am Ring) gewesen oder hat sich nur annähernd schlau gemacht über Großveranstaltungen und somit a b s o l u t inkompetent für diesen Job.

Fünftens, was der Rabe(nvater) auf der PK von sich gegeben hat:

Kein politisches Geschick.
Keine Kommunikationsfähigkeit.

So was soll Dezernent sein?

Degradieren zum Knöllchenverteiler. Besoldungsstufe und Anspruch an die Tätigkeit würden ausnahmsweise mal passen.

25.07.2010
17:27
18 Tote und 40 Schwerstverletzte bei Loveparade
von derhamburger | #223

liebe kommentatoren,
im lezten jahr waren etliche artikel über die loveparade in der waz.
es gab genug vorbehalte seitens einiger kommentatoren.
aber die beschimpfungen derselben schaut euch mal im archiv an.
dann vergleicht sie mal mit den kommentaren von heute.

25.07.2010
17:25
18 Tote und 40 Schwerstverletzte bei Loveparade
von anders | #222

Ich hoffe bei der geplanten Demo auf viele Teilnehmer am kommenden Samstag vor dem Rathaus in Duisburg!

25.07.2010
17:24
18 Tote und 40 Schwerstverletzte bei Loveparade
von supalooser | #221

Herr Sauerland, Beweisen Sie Größe (nicht Volumen) und treten Sie sofort zurück. Vielen hier im Umfeld des Geländes war vorher klar, dass das nicht funktioniert mit den angekündigten Massen. Leider haben die Fachleute versagt, oder wurden Sie überstimmt??

Mein Beileid an alle, die jetzt davon Betroffen sind.

25.07.2010
17:19
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von Besucher81 | #220

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25.07.2010
17:17
18 Tote und 40 Schwerstverletzte bei Loveparade
von DerEssenerJunge | #219

Mein Beileid den Angehörigen der Opfer ! Früher war ich stinkig auf die Stadt Bochum , weil die LP dort abgesagt wurde . Heute kann ich nur sagen , es war besser so oder auch Weitsichtiger. Nur ein Zugang zu dem alten Gelände des Güterbahnhofs, dass kann doch garnicht gut gehen ! Bei der Menschenmenge und den Platzverhältnissen in und um den Tunnel herum kann das ja nur zu Panik führen !!! Eine glatte Fehlplanung , wo anscheinend nicht an solche extreme Reaktionen gedacht wurde. Nur jetzt alles überstürzen mit den Schuldigen bringt auch nichts. Es waren / sind mehrere Schuldige !!!

25.07.2010
17:16
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von Besucher81 | #218

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