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Kultur und Schabernack

03.06.2007 | 14:30 Uhr

EXTRASCHICHT 2007. Nicht nur für Nachtbummler: 150 000 bescherten dem Event-Marathon einen Besucherrekord.

AN RHEIN UND RUHR.

Das war ganz schön bunt. Zum siebten Mal gab's am Wochenende die ExtraSchicht, Kultur-Freaks und Nachtbummler konnten an mehr als 40 Spielorten zwischen Duisburg und Dortmund Musik, Tanz, Theater und allerlei Schabernack erleben. 150 000 machten sich auf die selbstgebastelte Tour durch die Nacht. Rekord-Besuch. Die NRZ schaute hier und dort mal vorbei.

Aquarius, Mülheim. Marion (54) und Angelika (51) sind schon ewig Freundinnen. Jetzt sind sie gemeinsam nach Mülheim und in ihre Jugend gereist: "Die 70er Jahre, das war unsere Zeit. Wir waren jung und frei." Und die 70er Jahre gibt's "volles Programm" im Wasser-Museum. Falscher Hase und Käsewürfel an der Theke, überall großgemusterte Stoffe und Gardinen in Grell-Orange, dazu ein Flokati und ein braun gestreiftes Stoffsofa machen hier den Retro-Look perfekt.

Während die Damen um Friseurmeisterin Petra Meyer aus Hünxe aus plattem Haar Locken machen und Zöpfe flechten, spielen die Jungs von "Witcha" die Musik zum Film: "All you need is love". Die Älteren wippen weisegreise mit dem Haupt im Takt, ein Mann beschwert sich, dass er nicht rauchen darf ("Datt hätt's früher nicht gegeben"), und Sebastian (15) verlässt umgehend den Kellerpartyraum. "Die Musik ist abschreckend. So fremd. Aber jetzt muss ich hier auf meine Mutter warten. Die ist da noch drin und ganz begeistert."

Zollverein, Essen. Hier sind Umweltschutz und Industriekultur für einen Abend miteinander verflochten. Im Schatten des Förderturms strampeln Besucher auf einem Ergometer, um Wasser in einem Wasserkocher zu erwärmen. Überall wandern mannsgroße CO2-Moleküle umher: "Baut mehr Autobahnen!", "Verbraucht mehr Benzin!", fordern sie. Eine Aktion der Umweltmesse Ecotec, die an diesem Wochenende Zollverein beherrscht. Zur Musik der "Flowerpornoes" gibt's asiatische Bio-Reispfanne, Folienkartoffeln mit Schafskäse oder französische Crepes.

Dortmunder Hafen. Zum ers-ten Mal ist der Hafen bei der ExtraSchicht dabei, entsprechend heftig ist der Andrang. Nichts für Leute, die Menschenmassen scheuen. Tausende sind auf den Beinen. Schlangenstehen schon zwei Stunden vor dem mit Spannung erwarteten Abschluss-Feuerwerk auf der Brücke vor dem Alten Dortmunder Hafenamt. Alle wollen ab Mitternacht einen möglichst guten Überblick über das Wasser-Spektakel "Ilotopie" haben. Die, die auf der Brücke keinen Platz mehr ergattern können, drängen sich am Kneipenstrand des Solendo. Bayerische Biergarten-Atmosphäre mit Sand unter den Füßen und manch' "kampfbereitem" Zeitgenossen, der den Biertisch für Familie und Freunde, "die gerade mal um die Ecke" sind, gegen Fremde verteidigt. Keine Chance auf einen Sitzplatz.

Wir stehen uns die Beine in den Bauch und nach Mitternacht hinter hochgewachsenen Herren auf den Zehen, um mitzubekommen, wie das Wassertheater "Ilotopie" den Dortmunder Hafen verzaubert. Autos mit Campingwagen im Schlepptau, die scheinbar über das Wasser schweben, brennende Nachen, eine barocke Dame, die auf einem drei Meter hohen Wasserrad im roten Barockkleid hockt, während ein Mann sich unter ihr wie ein Hamster im Laufrad abstrampelt. Hafenkunst aus Südfrankreich. Die Künstlertruppe hat eine "Parade der Unmöglichkeiten" angekündigt und bietet wirklich einen ungewohnten Augenschmaus.

Nordsternpark Gelsenkirchen. Das Amphitheater direkt am Kanal hat einen großen Charme. Sitzen wie die Griechen, einer Sopranistin in die Höhe folgen, dann wieder Pop-Musik, Wasserskiläufer machen die Welle. Und im Hintergund die Zeche im wechselnden Licht. Entspannung.

Innenhafen, Duisburg. Hier erklärt Kunsthistoriker Jörg Mascherrek noch nachts um elf die Architektur der "Five Boats", er schwärmt von der Atmosphäre am Wasser, von Norman Fosters Ideen und dem, was die Duisburger draus machen. Zu den Klängen von "Star Wars" schießt um Mitternacht ein buntes Feuerwerk in den Nachthimmel. Nicht nur hier. Ruhrab, emscherrauf. Der Abend ist lau, die Menschen bleiben noch. Auf ein Bier. (kat/jub/mam/NRZ)

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