Wie der Spaß mit dem Notruf in Lünen fast ein Leben kostete

Walter (81) und Ursula (82) Napierala aus Lünen können ihre ganz persönliche Notruf-Geschichte erzählen: Denn als sie im September 1999 die 112 wählen, steht ein paar Minuten später nicht nur der angeforderte Notarzt vor der Tür, sondern auch Polizei und Feuerwehr.
Walter (81) und Ursula (82) Napierala aus Lünen können ihre ganz persönliche Notruf-Geschichte erzählen: Denn als sie im September 1999 die 112 wählen, steht ein paar Minuten später nicht nur der angeforderte Notarzt vor der Tür, sondern auch Polizei und Feuerwehr.
Foto: Vanessa Trinkwald
Was wir bereits wissen
Ursula Napierala aus Lünen hat am eigenen Leib erfahren müssen, wie es ist, wenn andere Menschen nur aus Spaß den Notruf 112 wählen, während sie einen Herzinfarkt erleidet.

Lünen.. Der Spaß anderer Leute, wie Walter Napierala heute sagt, wurde für seine Frau Ursula im September 1999 zum bitteren Ernst. Damals wurden in Lünen fast zur selben Zeit vier Herzinfarkte gemeldet. Drei davon am Tobiaspark, einer in der Straße "Am Knie". Doch nur im letzten Fall handelte es sich um einen echten Notruf.

Das Ehepaar Napierala aus Lünen kann seine ganz persönliche Notruf-Geschichte erzählen. Doch die Erinnerung daran "ärgert mich noch heute", sagt Walter Napierala. An einem Tag Ende September ruft er die "112". Seine Frau Ursula erleidet nur wenige Wochen nach dem ersten ihren zweiten Herzinfarkt. "Wir kommen sofort", habe die Stimme am anderen Ende der Leitung gesagt.

Notarzt war im Tobiaspark

"Ein paar Minuten später hatte ich sie alle vor der Tür stehen", sagt der heute 81-Jährige. Feuerwehr, Krankenwagen, Polizei - "in der Reihenfolge". Ein Großaufgebot an Rettungs- und Hilfskräften, die losgeschickt wurden, weil kein Notarzt zur Stelle war. Die waren am Tobiaspark im Einsatz. Dort, wo es gar nicht nötig gewesen wäre. "Falscher Alarm", sagt Napierala. Das habe er später erfahren. "Da hat sich jemand einen Spaß erlaubt." Doch für Ursula Napierala ist es zu diesem Zeitpunkt längst kein Spaß mehr. Die damals 67-Jährige hat einen Herzhinterwandinfarkt.

Der Notarzt, der an dem Tag im September viel früher hätte da sein können, landet, wie Napierala berichtet, mit dem Hubschrauber auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Victoria. Mit dem Polizeiwagen wird er abgeholt und zum Haus des Ehepaares gebracht. Die enge Straße wird abgesperrt. Der Rentner lacht zwischendurch, als er erzählt, wie die Nachbarn neugierig ihre Köpfe aus dem Fenster gestreckt hätten. Seine Frau auch, als sie erzählt, dass sie sich an all das gar nicht erinnern an. Sie habe ja erst mal an den Tropf gemusst. Auf der Trage habe man sie abtransportiert. "Können Sie sich vorstellen, was hier los war? Und was das ganze gekostet haben muss?"

"Das ist eine Schweinerei"

Man kann es sich vorstellen. Schwer vorzustellen ist allerdings, die "112" nur aus Spaß zu wählen. "Das ist eine Schweinerei", sagt Walter Napierala. Es gehe ihm vor allem darum, den Notruf ernstzunehmen. Denn auch wenn die beiden trotz der Fehlalarme nur wenige Minuten auf die Rettung hatten warten müssen - sie hätten über das Leben seiner Frau entscheiden können. Drei Minuten für Zwölf wäre es gewesen, habe der Notarzt damals zu ihnen gesagt.