Von Wikileaks, Verrat und Verrätern
01.12.2010 | 17:47 Uhr 2010-12-01T17:47:00+0100
Essen.Weltweit Irritationen hat Wikileaks’ Geheimnisverrat ausgelöst. Wem kann man noch trauen? Zorn, doch auch Beifall wird jetzt den Verbreitern der fatalen Indiskretionen entgegen gebracht. Nicht ohne Grund: Bei Verrat und Verrätern verwischen sich die Grenzen von Böse und Gut bis zur Unkenntlichkeit.
Eigentlich wäre Bradley Manning - der US-Gefreite, der die Lageberichte zum Irakkrieg an WikiLeaks weitergegeben hat - mit der ihm drohenden 50-jährigen Haft für den Dokumentenverrat noch gut bedient. Jedenfalls im Vergleich zu seinesgleichen im Mittelalter. Sie wurden gevierteilt oder ertränkt. Man ist halt milder geworden in der Welt.
Erhalten blieb ihr jedoch die Heuchelei, mit der sie mit Verrat und Verrätern umzugehen pflegt. Denn ob strahlender Held oder elender Schuft: Das wird höchst subjektiv gesehen und meist von denjenigen definiert, die die Mehrheit im Lande haben, die sich als Gutmenschen wähnen oder von denen, die an der Macht sind. War der Bauer, der den Rebellen Che Guevara seinen Häschern preisgab, Held oder Schuft? Es ist eine Frage der Perspektive. Aber in trefflicher Weise hat das Volk seine eigene Scheinheiligkeit selbst beschrieben, als es Cäsars „Ich liebe den Verrat, aber ich hasse Verräter“ zur „Volksweisheit“ erhob. (Dass Cäsar durch die Hand eines Verräters starb, zeigt: Geschichte hat einen hintergründigen Humor).
30 Silberlinge, harte Dollars
Der Verrat hat tausend Gesichter. Begrifflich kommt er als Treuebruch und Seitenwechsel daher, als Illoyalität, In-den-Rücken-Fallen und als Übermitteln geheimster Informationen an den Feind. Das Motiv kann schnöde Gier nach Geld sein, so wie Judas 30 Silberlinge für den Verrat Jesu Christi erhielt und wie moderne Verräter harte Dollar und eine neue Identität erhalten für den Verrat an Volk und Nation. Auch will der Verräter vielleicht Rache für eine seelische Verletzung üben, die er einst erlitt. Oder er wird von Ideologie- oder Machtgelüsten gesteuert – es gibt kein generelles Motiv.
Wie moralisch hoch befrachtet der Begriff Verrat ist, belegt etwa die Frage: Ist der Tyrannenmord legitim, ist er verwerflich? Im Fall Stauffenberg hat dies diese Republik entschieden. Der Hitler-Attentäter ist hoch geehrt.
Und wie wäre der Verrat zu bewerten, der unter Folter entsteht? Die Inquisitoren verstanden sich bestens darauf; und auch die Despoten, die heute ihr Volk malträtieren. Andererseits: Wie schwer wiegt Verrat, der im Liebesrausch in den Armen einer Mata Hari (deutsch-französische Doppelagentin im Weltkrieg I) geschah oder im Bett der Christine Keeler (britisches Callgirl)? Über deren möglicherweise Geheimnis-beladenes Techtelmechtel hat der britische Heeresminister Profumo in den 1960er-Jahren seinen Hut nehmen müssen.
Die Macht der Illoyalität
Illoyalitäten haben den Lauf der Geschichte beeinflusst. Als sich ein Insider des Weißen Hauses gegenüber Reportern der Washington Post über trübe Machenschaften Richard Nixons ausließ, war es um dessen Präsidentschaft geschehen. Wie sähe unsere Republik aus, hätte sich der CDU-Abgeordnete Julius Steiner beim Misstrauensvotum seiner Partei im April 1972 gegen den SPD-Kanzler Willy Brandt nicht enthalten? Dafür hat er 50 000 DM von der Stasi kassiert. Sonst wäre Rainer Barzel (CDU) Kanzler geworden.
Wer, wenn nicht die Deutschen hätte Grund, über Verräter und Verrat zu reflektieren – ungezählt sind die Opfer, die durch denunzierende Blockwarte vor den NS-Blutrichtern standen. Ein Hausmeister gab die Widerständler Geschwister Scholl der Gestapo in die Hände; auch Anne Franks Versteck wurde verraten, sie starb im KZ. Und: Hätte sich der SED-Apparat ohne die Millionen Augen und Ohren der Stasi und ihrer Helfershelfer 40 Jahre gehalten? Vera Lengsfeld, Bürgerrechtlerin, wurde vom eigenen Ehemann bespitzelt: ein Fall als Symbol für die DDR-Perfidie.
Ein kluger Mensch, der Hoffmann von Fallersleben, der uns hinterließ: „Der größte Lump im ganzen Land, das ist und bleibt der Denunziant. “
17:14
Unsere christliche Gesellschaft hat Fundament und Tradition. Sich daran zu erinnern und sich dazu zu bekennen, ist auch heute noch erlaubt.
Rolf Potthoff
http://www.presseportal.de/pm/55903/1708298/westdeutsche_allgemeine_zeitung
WAZ: Die Seltersbude und die Heimat. Kommentar von Rolf Potthoff
http://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2010-11/18540894-waz-die-seltersbude-und-die-heimat-kommentar-von-rolf-potthoff-007.htm
Scheint mehrere Artikel dieses Formats zu geben.
Und eine persönliche Anmerkung noch, Herr Potthoff.
...so wie Judas 30 Silberlinge für den Verrat Jesu Christi erhielt ...
Korrekt wäre:
so wie Judas 30 Silberlinge für den Verrat Jesu Christi erhalten haben soll!
15:52
Limboniveau unterhalb der Grasnarbe. Chapeau Herr Potthof. Das hatte ich in meinem Kommentar unter #2 schon erwähnt, aber der wurde einfach zensiert. Nun steh ich mit dieser Meinung nicht alleine Herr Potthoff und wer so austeilt wie Sie ( und sei es weil Reitz es verlangt) muss auch die Antworten der Leser aushalten können.
14:44
Das ist das Limboniveau von DerWesten! Und das werfen sie Sarra... vor. Wie war das mit dem chinesichen Sprichwort:
Wenn Du mit einem Finger auf jemanden zeigst, dann zeigen 3 Finger auf Dich!
14:14
Habe - auch auf derwesten.de - selten so einen völlig sinnfreien Artikel gelesen. Ein derartiges ahnungsloses Durcheinanderrühren von historischen Gestalten ist einfach nur geeignet Brechreiz hervorzurufen.
06:40
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18:19
Was ist das denn?
Einmal alles in einen Topf und kräftig umgerührt und fertig ist der Artikel?
Judas und wikileaks, Stasi und Stauffenberg, Brutus und Profumo,......
Was will uns der Autor eigentlich sagen?
Und warum tut er es nicht? :-)