Das aktuelle Wetter NRW 11°C
US-Wahl

Wer mehr Stimmen bekommt, gewinnt? - 10 Irrtümer zur US-Wahl

05.11.2012 | 10:12 Uhr
Barack Obama gegen Mitt Romney - dieses Duell wird am Dienstag entschieden. Wahrscheinlich zumindest.Foto: ap

Washington.  Am Dienstag wählen die Amerikaner: Mitt Romney oder Barack Obama - einer von beiden wird sich mittelfristig durchsetzen, das gilt als sicher. Doch sonst ranken sich viele Mythen und Legenden um die Wahlen in Amerika. Wir decken die zehn größten Irrtümer auf - und erklären sie.

Etliche Mythen ranken sich um den spektakulären Präsidentschafts-Wahlkampf in Amerika, der am Dienstag zu Ende geht. Hier ein paar der immer noch weit verbreiteten Irrtümer über die Wahl bei „Uncle Sam“:

Irrtum 1: In Amerika geht alle Gewalt vom Volke aus. Die Bürger wählen ihren Präsidenten. Das Ergebnis steht am Abend des 6. November fest

Nicht wirklich. Genau genommen wählen die Amerikaner heute auf Ebene ihres jeweiligen Bundesstaates die Mitglieder des so genannten Wahlmännergremiums („electoral college“). Dieses Gremium, 538 Köpfe stark, kommt am 17. Dezember zusammen und wählt wirklich den Präsidenten. 270 Stimmen sind Voraussetzung für den Einzug ins Weiße Haus.

Präsidentschaftswahl
Obama und Romney liefern sich humorvolles Rededuell

Bei einer Wohltätigkeitsveranstaltung in Washington haben sich US-Präsident und Herausforderer Mitt Romney ein humorvolles Rededuell geliefert. Dabei nahmen sich die Präsidentschaftskandidaten vor allem selbst auf die Schippe. Gescherzt wurde über TV-Duelle, Vermögen und misslungene Hochzeitstage.

In 26 Bundesstaaten sind die Wahlmänner- und Frauen gesetzlich verpflichtet, demjenigen ihre Stimme zu geben, der die Volksabstimmung („popular vote“) am 6. November gewonnen hat. In den übrigen Bundesstaaten wird entsprechendes Abstimmungsverhalten traditionell einfach erwartet. Heißt aber: Bei einem Kopf-an-Kopf-Rennen, wie es sich heute andeutet, kann es schon reichen, wenn ein oder zwei Wahlmänner ausscheren und politisch die Seite wechseln. Der bevölkerungsreichste Bundesstaat Kalifornien bietet 55 Wahlmänner auf, Alaska nur 3.

Das Ergebnis der Wahlmännerentscheidung wird vom Kongress geprüft und in der ersten Januarwoche 2013 vom amtierenden Vizepräsidenten (Joe Biden) verkündet. Erst dann ist es amtlich. Und was wäre bei einem 269:269-Patt im „electoral college“? Dann entscheidet das Repräsentantenhaus per Abstimmung über den neuen Präsidenten. Weil dort die Republikaner die Mehrheit haben und halten werden, würde Mitt Romney Präsident. Weil der voraussichtlich weiter von den Demokraten beherrschte Senat dann über den Vizepräsidenten entscheiden würde, wäre Joe Biden Romneys (unerwünschter) Sozius. Unterhalb dieses Szenarios kann sich das Endergebnis der „popular vote“ über Wochen hinziehen, wenn bei knappen Ständen Nachzählungen auf dem Klageweg durchgesetzt werden sollten.

Irrtum 2: Präsident wird man ausschließlich, wenn man landesweit in der Volksabstimmung die meisten Stimmen bekommen hat.

Sollte logischerweise so sein. War aber bereits vier Mal -  1824, 1876, 1888 und zuletzt im Jahr 2000 – nicht der Fall. Damals sicherte sich George W. Bush exakt 271 Wahlmännerstimmen, obwohl er landesweit circa 300 000 Stimmen weniger erzielt hatte als sein demokratischer Kontrahent Al Gore.



Kommentare
06.11.2012
20:53
10 Irrtümer zur US-Wahl
von 1980yann | #4

Solche 10-Irrtümer-Beiträge haben immer ihre etwas seichteren Punkte.
Bei den Territorien hätten man vielleicht den Sonderstatus der Hauptstadt erwähnen können, die Abstimmung im Repäsentantenhaus im Falle eines Patts ist etwas irreführend verkürzt beschrieben und die Winner-Takes-All-Ausnahme in Maine und Nebraska hätte man noch beschreiben können ...

06.11.2012
14:18
Wer mehr Stimmen bekommt, gewinnt? - 10 Irrtümer zur US-Wahl
von WaddeHaddeDuddeDa | #3

Eigentlich ist es Jacke wie Hose wer es von den beiden wird...

06.11.2012
11:46
Erpunktkapunkt | #1
von peerkeinstueck | #2

Ihre Kritik an den "Zehn" Irrtümern ist ja berechtigt.

Aber inwiefern ist das Wissen über die verschiedenen Zeitzonen der USA ein Kriterium für Wahlmündigkeit in Deutschland?
Sollen wir jeden potentiellen Wähler erst zu Günter Jauch schicken, ehe er seine Stimme abgeben darf?

06.11.2012
10:58
Wer mehr Stimmen bekommt, gewinnt? - 10 Irrtümer zur US-Wahl
von Erpunktkapunkt | #1

Einige Punkte recht anschaulich erklaert, andere "Irrtuemer" wiederum sind wohl nur aufgefuehrt, weil man sich wohl an diesen ueberfluessigen "Die zehn..." bei Bild orientieren wollte (wie man in den letzten Monaten beobachten konnte, scheint man sich hier recht oft ein Beispiel an diesem Blatt zu nehmen).

Bei Menschen, die noch nicht darueber Bescheid wissen, dass die USA (aufgrund ihrer Groeße) in verschiedene Zeitzonen aufgeteilt sind, muesste man sich eher die Frage stellen, ob sie selbst reif genug sind hierzulande zur Wahl zur gehen...

Aus dem Ressort
Ärger übers Sparpaket - Obamas Fehlstart in zweite Amtszeit
USA
Der US-Präsident verärgert die Republikaner beim Sparpaket. Obama will die Steuern für Reiche erhöhen und bei Sozialausgaben sparen. Die Republikaner lehnen dies strikt ab. Dabei drängt die Zeit, bis Silvester muss ein Kompromiss gefunden werden - sonst drohen automatisch flächendeckende Kürzungen.
Obama vom Einsatz seiner Wahlkampfhelfer zu Tränen gerührt
US-Präsident
Mit einem emotionalen Auftritt hat sich der neue, alte US-Präsident Barack Obama am Mittwoch bei seinen Wahlkampfhelfern in Chicago bedankt. Ein Video, das sein Team veröffentlichte, zeigt einen gerührten Obama, der sich Tränen aus dem Gesicht wischt. "Ich bin sehr stolz auf euch alle", sagt er.
Obamas Töchter - Behütet und beobachet durch die Pubertät
Obama
Damit Sasha und Malia nicht abheben, führt Mama Michelle ein strenges Regiment. Ihre Handy- und Computernutzung wird begrenzt, Tagesberichte sind Pflicht. Doch US-Medien rätseln, wie lange die pubertierenden Mädchen das noch mitmachen. Und Papa Obama fürchtet die Zeit, in der sie nicht mehr da sind.
Warum der weiße Mann in den USA an Macht verliert
US-Wahl
Die Wähler mit Wurzeln in Lateinamerika haben mit überwältigender Mehrheit für Obama gestimmt. Damit haben sie der republikanischen Partei die Versäumnisse in der Einwanderungspolitik aufgezeigt. Deren traditionelle Wählergruppe schrumpft. Bis 2050 wird sich die Gruppe der Zuwanderer verdoppeln.
Obama muss nach Wahl-Sieg den Versöhner geben
US-Wahl
Barack Obama reichte den Republikanern schon in der Stunde seines Sieges die Hand. Doch der geschlagene Gegner erwartet mehr als Gesten: echtes Entgegenkommen. Für Obama werden die nächsten vier Jahre ein echter Test seiner Führungs- und Vermittlungsfähigkeit.
Fotos und Videos
Knutschende Obamas
Bildgalerie
US-Präsident
Die Köpfe des Jahres
Bildgalerie
Jahresrückblick