Wer mehr Stimmen bekommt, gewinnt? - 10 Irrtümer zur US-Wahl
06.11.2012 | 08:40 Uhr 2012-11-06T08:40:00+0100
Washington. Am Dienstag wählen die Amerikaner: Mitt Romney oder Barack Obama - einer von beiden wird sich mittelfristig durchsetzen, das gilt als sicher. Doch sonst ranken sich viele Mythen und Legenden um die Wahlen in Amerika. Wir decken die zehn größten Irrtümer auf - und erklären sie.
Etliche Mythen ranken sich um den spektakulären Präsidentschafts-Wahlkampf in Amerika, der am Dienstag zu Ende geht. Hier ein paar der immer noch weit verbreiteten Irrtümer über die Wahl bei „Uncle Sam“:
Irrtum 1: In Amerika geht alle Gewalt vom Volke aus. Die Bürger wählen ihren Präsidenten. Das Ergebnis steht am Abend des 6. November fest
Nicht wirklich. Genau genommen wählen die Amerikaner heute auf Ebene ihres jeweiligen Bundesstaates die Mitglieder des so genannten Wahlmännergremiums („electoral college“). Dieses Gremium, 538 Köpfe stark, kommt am 17. Dezember zusammen und wählt wirklich den Präsidenten. 270 Stimmen sind Voraussetzung für den Einzug ins Weiße Haus.
Bei einer Wohltätigkeitsveranstaltung in Washington haben sich US-Präsident und Herausforderer Mitt Romney ein humorvolles Rededuell geliefert. Dabei nahmen sich die Präsidentschaftskandidaten vor allem selbst auf die Schippe. Gescherzt wurde über TV-Duelle, Vermögen und misslungene Hochzeitstage.
In 26 Bundesstaaten sind die Wahlmänner- und Frauen gesetzlich verpflichtet, demjenigen ihre Stimme zu geben, der die Volksabstimmung („popular vote“) am 6. November gewonnen hat. In den übrigen Bundesstaaten wird entsprechendes Abstimmungsverhalten traditionell einfach erwartet. Heißt aber: Bei einem Kopf-an-Kopf-Rennen, wie es sich heute andeutet, kann es schon reichen, wenn ein oder zwei Wahlmänner ausscheren und politisch die Seite wechseln. Der bevölkerungsreichste Bundesstaat Kalifornien bietet 55 Wahlmänner auf, Alaska nur 3.
Das Ergebnis der Wahlmännerentscheidung wird vom Kongress geprüft und in der ersten Januarwoche 2013 vom amtierenden Vizepräsidenten (Joe Biden) verkündet. Erst dann ist es amtlich. Und was wäre bei einem 269:269-Patt im „electoral college“? Dann entscheidet das Repräsentantenhaus per Abstimmung über den neuen Präsidenten. Weil dort die Republikaner die Mehrheit haben und halten werden, würde Mitt Romney Präsident. Weil der voraussichtlich weiter von den Demokraten beherrschte Senat dann über den Vizepräsidenten entscheiden würde, wäre Joe Biden Romneys (unerwünschter) Sozius. Unterhalb dieses Szenarios kann sich das Endergebnis der „popular vote“ über Wochen hinziehen, wenn bei knappen Ständen Nachzählungen auf dem Klageweg durchgesetzt werden sollten.
Irrtum 2: Präsident wird man ausschließlich, wenn man landesweit in der Volksabstimmung die meisten Stimmen bekommen hat.
Sollte logischerweise so sein. War aber bereits vier Mal - 1824, 1876, 1888 und zuletzt im Jahr 2000 – nicht der Fall. Damals sicherte sich George W. Bush exakt 271 Wahlmännerstimmen, obwohl er landesweit circa 300 000 Stimmen weniger erzielt hatte als sein demokratischer Kontrahent Al Gore.
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20:53
Solche 10-Irrtümer-Beiträge haben immer ihre etwas seichteren Punkte.
Bei den Territorien hätten man vielleicht den Sonderstatus der Hauptstadt erwähnen können, die Abstimmung im Repäsentantenhaus im Falle eines Patts ist etwas irreführend verkürzt beschrieben und die Winner-Takes-All-Ausnahme in Maine und Nebraska hätte man noch beschreiben können ...
14:18
Eigentlich ist es Jacke wie Hose wer es von den beiden wird...
11:46
Ihre Kritik an den "Zehn" Irrtümern ist ja berechtigt.
Aber inwiefern ist das Wissen über die verschiedenen Zeitzonen der USA ein Kriterium für Wahlmündigkeit in Deutschland?
Sollen wir jeden potentiellen Wähler erst zu Günter Jauch schicken, ehe er seine Stimme abgeben darf?
10:58
Einige Punkte recht anschaulich erklaert, andere "Irrtuemer" wiederum sind wohl nur aufgefuehrt, weil man sich wohl an diesen ueberfluessigen "Die zehn..." bei Bild orientieren wollte (wie man in den letzten Monaten beobachten konnte, scheint man sich hier recht oft ein Beispiel an diesem Blatt zu nehmen).
Bei Menschen, die noch nicht darueber Bescheid wissen, dass die USA (aufgrund ihrer Groeße) in verschiedene Zeitzonen aufgeteilt sind, muesste man sich eher die Frage stellen, ob sie selbst reif genug sind hierzulande zur Wahl zur gehen...