Das aktuelle Wetter NRW 11°C
US-Wahl

So wird der Präsident der USA gewählt

06.11.2012 | 14:01 Uhr
Funktionen
Um Präsident der Vereinigten Staaten zu werden, muss man in möglichst vielen bevölkerungsreichen Bundesstaaten gewinnen.

Essen.  Um Präsident der Vereinigten Staaten zu werden, muss man in möglichst vielen bevölkerungsreichen Bundesstaates gewinnen. Denn ins Weiße Haus zieht nicht immer ein, wer die Mehrheit der Stimmen gewonnen hat. Nur wer die Mehrheit in einem Bundesstaat erringt, wird auch von dessen Wahlmännern gewählt.

Wie wird der Präsident der USA gewählt? Das ist für Europäer schwer zu erklären und zu verstehen. Denn ins Weiße Haus zieht nicht immer, ein, wer die Mehrheit der Stimmen gewonnen hat. Die Demokraten Andrew Jackson (1824), Samuel Tilden (1876) und Al Gore (2000) verloren die Präsidentschaftswahlen , obwohl sie mehr Stimmen als ihre Gegenkandidaten gewonnen hatten.

Das hat mit dem indirekten Wahlsystem der USA zu tun. Denn um Präsident der Vereinigten Staaten zu werden, muss man in möglichst vielen bevölkerungsreichen Bundesstaaten gewinnen. Nur wer die Mehrheit in einem Bundesstaat erringt, wird auch von dessen Wahlmännern gewählt. Im Jahr 2000 gewann der Republikaner George W. Bush junior die Wahl, obwohl er 500.000 Stimmen weniger als sein Gegner Gore errungen hatte, aber mit 271:266 Stimmen im Wahlmännerkollegium die Nase vorne hatte. Möglich machte das ein höchst fragwürdiger Vorsprung von 537 Stimmen in Florida, nachdem das Oberste Gericht eine Nachzählung der dortigen Stimmen gestoppt hatte.

Abraham Lincoln wurde ausschließlich mit Stimmen aus den Nordstaaten ins Amt gewählt

1824 wurde John Quincy Adams nicht von der Mehrheit der Wähler, sondern von der Mehrheit des Repräsentantenhauses zum Präsidenten gewählt, weil keiner der damals vier Kandidaten im Wahlmännerkollegium eine Mehrheit auf sich vereinigen konnte. Und 1876 wurde der Republikaner Rutheford B. Hayes nicht durch die Wählermehrheit, sondern von einer Kommission aus Vertretern des Kongresses und des Obersten Gerichtshofes zum Präsidenten gekürt, nachdem in drei Bundesstaaten keine eindeutigen Mehrheiten festgestellt werden konnten und sich Demokraten und Republikaner gegenseitig der Wahlfälschung bezichtigten.

Video
Obama hat es geschafft und die Wiederwahl zum US-Präsidenten erneut gewonnen. Was halten die Bürger im Ruhrgebiet von dem Wahlergebnis? Wir haben nachgefragt.

Der erste republikanische Präsident der USA, Abraham Lincoln, wurde 1860 ausschließlich mit Stimmen aus den Nordstaaten ins Amt gewählt, weil man in den Südstaaten seine Forderung nach einer Sklavenbefreiung strikt ablehnte. Lincoln siegte, obwohl er nur eine relative Mehrheit erringen konnte, weil sich die Demokraten gespaltet hatten und mit zwei Kandidaten antraten.

Einstimmig wurde George Washington gewählt

Eindeutig, weil einstimmig wurde dagegen der erste US-Präsident George Washington ins Amt gewählt. 1789 war das. Damals erhielt er alle Stimmen der 69 Wahlmänner, die damals aus zehn Bundesstaaten kamen. Auch bei seiner Wiederwahl im Jahr 1792 gab es nur drei Enthaltungen, weil der ehemalige Oberbefehlshaber der amerikanischen Truppen und Vorsitzende des Verfassungskonvent vielen Mitbürgern als die Idealbesetzung für ein Amt galt, das seinen Inhaber zum Staatsoberhaupt, Regierungschef und Oberbefehlshaber macht.

Das Ideal eine Präsidenten sehen auch heute noch viele Amerikaner in dem Demokraten Franklin D. Roosevelt, der als einziger Präsident der USA gleich viermal (1932,1936,1940 und 1944) ins Weiße Haus gewählt wurde, weil er die USA erst aus der Weltwirtschaftskrise und dann in den Zweiten Weltkrieg führte. Erst unter seinem Nachfolger Harry S. Truman wurde 1951 in der US-Verfassung eine Bestimmung verankert, wonach ein Präsident nur einmal wiedergewählt und so maximal acht Jahre amtieren kann.

Nur Gerald Ford als Einziger ohne Wahl ins Weiße Haus

Nur drei Jahre (1974 bis 1977) war der Republikaner Gerald Ford Präsident der USA. Er war der einzige, der bisher 44 US-Präsidenten, der ohne Wahl ins Weiße Haus einzog, weil 1974 als Vizepräsident auf den über Watergate gestürzten Richard Nixon folgte und 1976 dem Demokraten Jimmy Carter unterlag, weil er seinem Vorgänger Nixon eine Generalamnestie für die im Amt begangenen Vergehen gewährt hatte. Ironie der Geschichte. Ausgerechnet im Wahlkampf 1972, in dem der republikanische Amtsinhaber mit über 60 Prozent der Stimmen wiedergewählt wurde, verstrickte sich Nixon in einen Skandal, über den er zwei Jahre später stürzen sollte, weil er das Wahlhauptquartier seines demokratischen Herausforderers, George McGovern, das Watergate-Hotel, durchsuchen ließ.

Das ist Barack Obama
Das ist Mitt Romney

Mehr Erfolg, als sein ausgespähter und unterlegener Parteifreund McGovern  hatte der Demokrat Grover Cleveland. Ihm gelang nach se iner Abwahl (1888) als bisher einzigem Ex-Präsidenten mit seiner erneuten Wahl 1892 ein Comeback ins Weiße Haus.

Thomas Emons

Kommentare
Aus dem Ressort
Ärger übers Sparpaket - Obamas Fehlstart in zweite Amtszeit
USA
Der US-Präsident verärgert die Republikaner beim Sparpaket. Obama will die Steuern für Reiche erhöhen und bei Sozialausgaben sparen. Die Republikaner...
Obama vom Einsatz seiner Wahlkampfhelfer zu Tränen gerührt
US-Präsident
Mit einem emotionalen Auftritt hat sich der neue, alte US-Präsident Barack Obama am Mittwoch bei seinen Wahlkampfhelfern in Chicago bedankt. Ein...
Obamas Töchter - Behütet und beobachet durch die Pubertät
Obama
Damit Sasha und Malia nicht abheben, führt Mama Michelle ein strenges Regiment. Ihre Handy- und Computernutzung wird begrenzt, Tagesberichte sind...
Warum der weiße Mann in den USA an Macht verliert
US-Wahl
Die Wähler mit Wurzeln in Lateinamerika haben mit überwältigender Mehrheit für Obama gestimmt. Damit haben sie der republikanischen Partei die...
Obama muss nach Wahl-Sieg den Versöhner geben
US-Wahl
Barack Obama reichte den Republikanern schon in der Stunde seines Sieges die Hand. Doch der geschlagene Gegner erwartet mehr als Gesten: echtes...
Fotos und Videos
Knutschende Obamas
Bildgalerie
US-Präsident
Die Köpfe des Jahres
Bildgalerie
Jahresrückblick