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Obama und der „Boss“ - Springsteen hilft dem Präsidenten

22.10.2012 | 17:31 Uhr
Bruce Springsteen rockt für Obama.Foto: dapd

Washington.   Für den Präsidenten setzt sich neben vielen Musikern auch ein Großteil der Hollywood-Stars ein. Romney hat vorerst nur Kid Rock und ein paar alte Haudegen wie Sylvester Stallone. Ob sich das Engagement auszahlt? Darüber gehen die Meinungen in Amerika auseinander

Wenn der „Boss“ drei Wochen vor der Wahl die Flanellhemdsärmel hochkrempelt, zur Klampfe greift und auf die „Thunder Road“ einbiegt, dann muss es arg stehen um den Präsidenten der Vereinigten Staaten. Bruce Springsteen war vor vier Jahren der lauteste und hoffnungsvollste (Musik-)Verstärker von Barack Obama. Je länger die Amtszeit des ersten Schwarzen im Weißen Haus dauert, desto mehr zog sich der 63-Jährige aus Verdruss über die schlappe Durchschlagskraft des Bush-Nachfolgers zurück, schrieb Lieder darüber und kündigte an, bei der Wahl im November nicht mehr die Begleitmusik für Obama zu intonieren. Papperlapapp. Im erbittert umkämpften Ohio meldete sich Springsteen jetzt überraschend als singender Wahlkampfhelfer zurück.

Sechs Milliarden Dollar teure Materialschlacht

Die Parteinahme auf der Zielgeraden der mit sechs Milliarden Dollar historisch teuren Materialschlacht ums Weiße Haus und den Kongress hat im gegnerischen Lager keine Freude ausgelöst. Springsteen ist der treue Eckehard der besungenen Alltagssorgen der Arbeiterklasse, verehrt wie keiner in beiden politischen Lagern. In den 80ern balgte sich Ronald Reagan mit dem demokratischen Herausforderer Walter Mondale. Beide wollten Spring-steens falsch verstandene „Patrioten“-Hymne „Born In The U.S.A.“ als Erkennungsmelodie ausborgen.

Eigentlich wollte er sich aus dem Wahlkampf heraushalten, doch jetzt mischt er wieder mit. Bruce Springsteen wirbt für die Wiederwahl von Barack Obama als US-Präsident. (Foto: ap)

Neben Springsteen hat Obama mit Jon Bon Jovi, Ry Cooder und Neil Young auch andere Wirkungsmächtige der Branche auf seiner Seite. Auch Pop-Ehepaar Jay-Z und Beyoncé Knowles sowie Stevie Wonder und Katy Perry gehören zum Klub. Sieht man vom entschieden besser Maschinenpistole als Gitarre spielenden Südstaaten-Fossil Ted Nugent ab und Hank Williams Jr., hat Mitt Romney nur die Stimme von Kid Rock sicher. Der Ex-Ehemann von Pamela Anderson nimmt mit seinem Dudelfunk-Hit „Born Free“ bei jeder Wahlkampf-Veranstaltung Romneys das Publikum am Anfang und am Ende in Geiselhaft. 

Zehn Prozent der Wähler sind beeinflussbar durch ihre Idole

Ob sich das Engagement auszahlt? Die Meinungen gehen auseinander. Der rechtspopulistische Sender Fox News hat herausgefunden, dass gut zehn Prozent der Wähler beeinflussbar seien durch die Wahlempfehlung ihrer Idole. Dabei stellte der singende Schlangenbeschwörer Alice Cooper (ein Romney-Fan) schon vor Jahren fest: „Wer sich beim Wählen nach einem Rockstar richtet, ist ein noch größerer Idiot als der Musiker selbst.“ 

Bruce Springsteen

Traditionell zieht es das Gewerbe aus nie vollständig untersuchten Gründen zu den Demokraten. Schon Frank Sinatra sang für Kennedy. Fleetwood Mac knüpfte Bill Clinton mit „Yesterday’s Gone“ den fliegenden Klangteppich nach der ersten Bush-Ära. Nur der Anti-Vietnam-Kriegs-Kandidat George McGovern hatte Pech. Obwohl 1972 Carole King, Grateful Dead, Neil Young und Simon and Garfunkel die Stimme erhoben, hörte ein wesentlicher Teil Amerikas woanders hin: Der Republikaner Richard Nixon gewann haushoch. 

Musikalische Denkmäler

Dass Mitt Romney nicht das Gleiche gelingen dürfe, hat beim Demokraten-Parteitag Filmstar und Hobbysänger Jeff Bridges gemeinsam mit James Taylor zur „Staatsaufgabe“ hochgesungen und Springsteens Begründung für eine Verlängerung des Arbeitsvertrags zwischen Obama und dem Volk vorweggenommen: „Wir brauchen einen Präsidenten, der eine Vision hat, die alle Bürger einschließt und nicht nur wenige.“ 

Romneys Republikanern nahestehende Musiker wie der Kiss-Bassist Gene Simmons messen den Auftritten des Bosses keine Bedeutung bei. Die weiße, männliche Arbeiterklasse auf dem Land und in den Malocher-Gegenden des Mittleren Westens, der Springsteen in Liedern wie „Badlands“ musikalische Denkmäler gebaut hat, wählten traditionell republikanisch. 

Clooney und Hanks gegen Eastwood und Norris

Was man über Hollywoods erste Riege nicht sagen kann. Hier schlägt das Pendel überwältigend in Richtung Obama aus. Kaum ein großer Name, der nicht auf den Spenden-Listen der Gala-Dinner steht, die bei Eintrittspreisen von bis zu 50 000 Dollar zu Geldsammelstellen für Obamas Wahlkampf geworden sind. Die Rolle des Impressarios hat George Clooney übernommen. Tom Hanks und Morgan Freeman, leihen ihre markanten Stimmen aus für aufwendige Wahlwerbe-Spots und -Filme, in den Obamas Kampf gegen die Finanzkrise oder das Todeskommando gegen Osama bin Laden lobende Erwähnung finden. Auch Barbra Streisand, Robert Downey Jr., Salma Hayek und Jack Black sind bekennende Obamianer.

Obama gegen Romney

Für Mitt Romney halten Chuck Norris, Sylvester Stallone, Tom Selleck, James Woods und Angelina Jolies Papa, Jon Voight, die Stars & Stripes hoch. Fast allesamt alte Männer wie Clint Eastwood. Der hat unlängst auf dem Parteitag der Republikaner seltsame Witze über Obama und einen Stuhl gemacht. „Glory Days“, um mit Springsteen zu sprechen, waren das für Mitt Romney nicht.

Dirk Hautkapp



Kommentare
22.10.2012
22:53
Obama und der „Boss“ - Springsteen hilft dem Präsidenten
von TVtotal | #1

Klar Kid Rock baut immer auf das alte schon ausgelutschte....und Stallone ist froh das sei Name mal wieder in der Presse erscheint...nur reift in mir das Gefühl das die Amerikaner den Knecht des Geldes wählen werden, ob über Manipulieren Wahlautomaten oder Auszählung...
In den USA wurde 1992 eine große National Adult Literacy Survey (NALS) durchgeführt. Nach Angaben des Institute of Literacy[7] erreichten zwischen 21 und 23 Prozent der erwachsenen Bevölkerung, d.h. 44 Millionen Menschen nur das unterste Niveau (Level 1), d.h. sie können nicht genug lesen, um ein Formular auszufüllen, die Beschreibungen auf Lebensmitteln zu lesen oder einem Kind eine einfache Geschichte vorzulesen.
Ob sich daran viel geändert hat?

1 Antwort
Glauben Sie, dass es in Deutschland besser wärre?
von cui.bono | #1-1

Vermutlich sind die Probleme in Deutschland sogar größer.

Nur frage ich mich, was das mit dem Artikel zu tun hat.

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