Mitt Romney tritt in Israel ins nächste Fettnäpfchen
31.07.2012 | 12:32 Uhr 2012-07-31T12:32:54+0200
Washington. Der republikanische US-Präsidentschaftskandidat Mitt Romney hat seine Auslandsreise fortgesetzt und sich den nächsten Fehltritt geleistet: Beim Auftritt in Israel nannte er Jerusalem offensiv die "Hauptstadt Israels" und brüskierte so die Palästinenser. Romney könnte den Affront kalkuliert haben.
Er wollte zuhören, Erfahrungen sammeln, Präsenz zeigen und sich nicht mit vorlauten Ansichten in den Vordergrund spielen. Gemessen an dem Bescheidenheit atmenden Anspruch, den Mitt Romneys engste Berater vor der ersten Auslandsreise des republikanischen Präsidentschaftskandidaten formulierten, ist das Ergebnis erstaunlich. Der Mann, der ab Januar 2013 die Supermacht USA führen will, hat nach übereinstimmender Ansicht nahezu aller Kommentatoren in Amerika eine „außenpolitische Bauchlandung“ hingelegt, die nur so erklärt werden kann: „Ihm fehlt das staatsmännische Format“.
In England mit unerbetenen Worten in Zweifel zu ziehen, dass London gute und sichere Olympische Spiele auf die Beine stellen kann , löste an der Themse wie am Potomac bereits über Gebühr Stirnrunzeln aus. Weil Romney seinen „unforced error“ ("unnötiger Patzer") schnell mit umso mehr Lob auszubügeln versuchte und zum Glück sowieso der Sport unerhebliche Politiker-Worte aus den Schlagzeilen verdrängte, war der Patzer bald abgehakt.
In Israel liegen die Dinge anders. Jerusalem offensiv als „Hauptstadt Israels“ zu bezeichnen (wissend, dass Israels Besetzung des arabischen Ostteils der Stadt von vielen Ländern diplomatisch nicht anerkannt wird, weshalb auch die US-Botschaft in Tel Aviv angesiedelt), ist keine Beiläufigkeit. Sie könne, heißt es beim Sender NBC, nur als Anbiederung an die Regierung Netanjahu und israelisch-stämmige Wähler in Amerika, als gezielte Provokation gegen die Palästinenser und als Breitseite gegen Präsident Obama gewertet werden, der sich hier bis zuletzt betont vorsichtig ausdrückte und die Hauptstadtfrage in die Hände von Israels und Palästinensern gelegt wissen will.
Mitt Romney lobt Israel und kritisiert die Palästinenser heftig
Laut New York Times hat Romney die Rolle Amerikas als Vermittler im Nahost-Konflikt damit unnötig „verkompliziert“. Romney ging aber noch einen Schritt weiter, der sich einreiht in eine lange Liste von „kommunikativen Fehlleistungen“ (Huffington Post) in der Innenpolitik, die seine Kampagne im Nachhinein mit großen Anstrengungen wieder einfangen musste. Obwohl er als erfahrener Geschäftsmann hätte wissen müssen, dass sowohl die Weltbank wie der Internationale Währungsfonds die miserable wirtschaftliche Situation in den Palästinensergebieten mit den vielfältigen Einschränkungen und Behinderungen durch Israel erklären, bot der Kandidat bei einem Sponsoren-Essen im King David-Hotel diese Analyse an: das ökonomische Niveaugefälle zwischen Israel und den Palästinensergebieten gehe auf „kulturelle Unterschiede“ zurück.
Um sein Argument zu unterstreichen, bei dem nach Ansicht von Zuhörern „der konstruierte Gegensatz strebsam und vital kontra apathisch und faul“ mitschwang, verwies Romney auf die großen Unterschiede beim Pro-Kopf-Jahreseinkommen. Laut Romney sei das Verhältnis 21 000 Dollar (Israel) zu 10 000 Dollar (Palästinenser-Gebiete). Falsch: Laut Weltbank ist der Unterschied mit rund 31 500 zu 1500 Dollar weitaus krasser.
Palästinenser-Unterhändler nennt Romneys Aussagen "rassistisch"
Der palästinensische Chefunterhändler Sajeb Erekat bezeichnet die Äußerungen, die nahelegten, dass die palästinensische Kultur minderwertig und weniger vital sei, als „rassistisch“. Romney mangele es Kenntnissen über die Kultur und die Geschichte der Region. Romneys Stab führte massiv Klage gegen die US-Nachrichtenagentur AP, die Romneys Ausführungen dokumentierte, die in einer pressefreien Zone fielen. Die Berichterstattung sei „grob verfälschend interpretiert“. AP wies die Vorwürfe zurück. Das Weiße Haus ging Romney für seinen Auftritt nicht direkt an. Obamas Sprecher Earnest sagte, es sei verständlich, „wenn sich jetzt einige verwundert am Kopf kratzen“. Nun sei es an Romney zu erklären, was er unter „kulturellen Unterschieden“ genau verstehe.
Demokratische Wahl-Analysten erklärten die Motive Romneys mit der Anwesenheit des Milliardärs Sheldon Adelson in Israel. Der Casino-Mogul hatte öffentlich erklärt, er werde 100 Millionen Dollar seines Privatvermögens investieren, um Romney am 6. November zum Sieg zu verhelfen und Obama aus dem Amt zu verdrängen.
P.S. Romneys Gebaren hat offensichtlich auch nicht ganz den Geschmack der Gastgeber getroffen. Israels Verteidigungsminister Ehud Barak beeilte sich nach dem Abflug des US-Politikers in Richtung Polen zu sagen. „Diese Regierung tut mehr für unsere Sicherheit, als mir aus der Vergangenheit in Erinnerung ist.“ Barak meinte die Regierung Obama.
15:11
Israelisch-stämmige Wähler? Romney geht es bestimmt nicht um die "0,01%" israelisch-stämmige Wähler in den USA. Ihm geht es womöglich nicht mal um die 2% jüdischen Amerikaner, die ohnehin traditionell –und allen Anbiederungsversuchen der Republikaner zum trotz– zu 70% Demokraten wählen.
Man darf nicht vergessen, dass es in den USA eine mächtige und finanzkräftige jüdische Lobby und eine Israel-Lobby gibt, –das ist nicht antisemitisch, es ist eine allgemein anerkannte Tatsache. Und genau um diese Lobby – wenn überhaupt – wird es Romney gehen.
12:52
Obama ist nur ein lächerlicher Clown, Romney ist dagegen ein gemeingefährlicher Narr, ähnlich einigen der paranoiden "Führer" im nahen Osten oder einigen Afrikanischen Staaten. Und ein Spiegelbild seiner Gefährlichkeit sitzt in Moskau.
11:30
Bemerkenswert und doch erwartungsgemäß, aus der BRD in dieser Hinsicht nichts, wohl aber etwas aus Peking zu Romneys Aussagen zu hören und sie von dort als
„kriegstreibend“
gewertet zu bekommen.
„China says Romney comments calling Jerusalem capital of Israel could incite war in Middle East“
http://www.haaretz.com/news/u-s-elections-2012/china-says-romney-comments-calling-jerusalem-capital-of-israel-could-incite-war-in-middle-east-1.454954
Auch in den USA scheint man darauf gekommen sein, dass Romneys Aussagen nicht zum Schein angestrebter Verhandlungen über den Status von Jerusalem passen.
„White House says status of Jerusalem to be decided by Israeli-Palestinian negotiations“
http://news.xinhuanet.com/english/world/2012-07/31/c_131749116.htm
11:19
Die Klagemauer steht in Ostjerusalem und war über Jahrhunderte hinweg , obwohl für Reisende fast stets erreichbar, kein angestrebtes Ziel religiöser oder touristischer Sehnsüchte, auch nicht für Menschen jüdischer Religion oder Abstammung.
Das aber wird auch ein Obama nicht aussprechen, den Romney auszustechen trachtete, und man wird sich auch in der BRD weiterhin bemühen, diese Tatsachen vergessen machen zu wollen.
Im DLF wurde gestern ein Feature, dem man auch den Titel Wohnraum- und Stadtplanung als Teil israelischer Annexions- und Vertreibungspolitik in Jerusalem hätte geben können, gesendet.
Es trug den Titel „Heilige Erde, Küche, Diele, Bad“ und den Untertitel
„Der Jerusalemer Wohnungsmarkt und die internationale Politik“
zum Hören oder dazu gewünschtem Runterladen
http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2012/07/31/dlf_20120731_1915_d05ae1c8.mp3
zur Webseite:
http://www.dradio.de/dlf/sendungen/dasfeature/1789056/
07:57
Der Mann ist schon vor der Wahl peinlicher als George W.
Hoffentlich siegt bei den Amerikanern beim nächsten mal der Verstand. Obama hat zwar auch abgewirtschaftet aber ist gegen diesen Herausforderer immer noch eine "Lichtgestalt".
00:04
Naja wer weiß - vielleicht haben ja gewisse fädenziehende Hintermänner es einfacher ihre Ideen durchzusetzen, je dümmer der Präsident ist...
22:06
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17:52
Habe ich etwas verpasst? Wenn nicht Jerusalem, welche Stadt ist denn dann die Hauptstadt des Staates Israel?
hier sind mindestens 60 Jahre verpasst worden,
aber es gibt ja "Internet" zum Nachholen.
17:40
Und die Militärmacht Israel muss natürlich vor Kritk geschützt werden...
17:17
Da ist für die Amerikaner offenbar wieder ein Schorsch im Busch...mit unheimlich großen Füßen für Fettnäpfchen und Vollgas im Rückwärts-Gang bis hinten gegen.
Allerdings hat das nicht viel zu bedeuten, weil in Amerika die Politik traditionell von den Hintermännern im Weißen Haus und Interessengruppen gemacht wird. Das hat der Herr Obama auch lernen müssen. Dieser hier würde es allerdings wohl nicht einmal bemerken.