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Barack Obamas zweite Chance

07.11.2012 | 06:43 Uhr
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Barack Obama wird sich eine neue Strategie überlegen müssen, um Brücken zu bauen.Foto: Reuters/Jim Bourg

Barack Obama hat die Wahl gewonnen, doch mit einigen Bauchschmerzen seitens der Wählerschaft. Er wird ich eine neue Strategie überlegen müssen, um Brücken zu bauen. Die Republikaner indes haben die Chance verpasst, sich in Richtung neuer gesellschaftlicher Mächte zu öffnen.

Das amerikanische Volk hat gesprochen. Doch es wird noch eine Weile dauern, bis man vollständig weiß, was es gesagt hat. Die Kern-Botschaft ist gleichwohl klar: Eine Hälfte des Landes (plus die entscheidenden x Prozent) will trotz einiger Bauchschmerzen mit dem Mann weitermachen, der seit vier Jahren den von seinem Vorgänger George W. Bush fast hoffnungslos in den Morast gefahren Karren langsam aber stetig wieder flottmacht.

Die Behauptung, dass in Amerika doch eine politische Chance hat, wer sich dem Auseinanderfallen von Arm und Reich entgegenstellt und dabei latent sozialdemokratische Instrumente einsetzt, ist mehr als statthaft. Aber: Die andere Hälfte, Mitt Romney war seinem Widersacher hautnah auf den Fersen, wollte das nicht. Diese Zweiteilung entspricht dem zerrütteten Klima im Land. Wie lange Amerika damit noch leben kann – großes Fragezeichen. Zumal auch der neue Kongress ist wie der alte: zweigeteilt. Die Demokraten im Senat, die Republikaner im Repräsentantenhaus. Das macht, angesichts längst verschwundener Parteidisziplin und Staatsräson, jedes Gesetz zum Zitterakt und politische Visionen jenseits des Mainstreams schier unmöglich.

Amerikanisches "Heartland" hat Flagge gezeigt für Obama

Obama wird sich eine neue Strategie überlegen müssen, um Brücken zu bauen. Er war am Ende durch Teilnahmslosigkeit Teil der Sprachlosigkeit zwischen beiden Kammern des Parlaments. Noch liegen nicht alle Fakten dieser Wahl auf dem Tisch. Aber es gibt erste Anzeichen, die vor allem die Republikaner zum Innehalten bewegen müssten. Das industrielle „Heartland“ Amerikas – Michigan, Wisconsin, Pennsylvania und Ohio – hat Flagge gezeigt für Obama.

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Die Rettung der Auto-Industrie vor drei Jahren wirkte für den Amtsinhaber offenkundig ebenso positiv nach wie sein Konzept für eine Stärkung des industriellen Standorts Amerika. Ausgerechnet der Manager-Titan und Arbeitsplatz-Beschaffer Romney, als solcher hat er sich mit Macht stilisiert, konnte hier nicht überzeugen. Warum? Weil er außer Sprechblasen nichts zu bieten hatte und den Geruch nie loswurde, letztlich ein Sachwalter der oberen Zehntausend zu sein. Bestraft wurde auch, wenn man auf einige wichtige Einzelentscheidungen schaut, eine Personalpolitik, die vielleicht die staatsfernen rechten Ränder des politischen Spektrum erheitert. Die aber in der Mitte nur Kopfschütteln auslöst.

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Die Obama-Vertraute Elizabeth Warren (Demokraten) gewinnt den wichtigen Senatssitz in Massachussetts. In Indiana verliert der Republikaner Richard Mourdock. Er hatte sich zuletzt kategorisch gegen Abtreibung ausgesprochen. Auch im Falle einer Vergewaltigung sei es Gottes Wunsch, sagte dieser Politiker-Darsteller, dass das Kind auf die Welt kommt. In Missouri wies im Senat Claire McCaskill den Republikaner Todd Akin ebenfalls in die Schranken. Auch der hatte sich bei vollem Bewusstsein zum Thema Abtreibung geäußert und behauptet, der weiblich Körper entwickele im Falle einer Vergewaltigung einen natürlichen Schutz gegen Schwangerschaften. Absurd. In beiden Niederlagen erkennen Analysten die klare Aufforderung der Wählerschaft an die Republikaner: Keine extremen Kandidaten, bitte, die uns ins Mittelalter zurückbeamen wollen.

Plädoyer zur Öffnung der Republikaner wurde ignoriert

Die wichtigsten Hebelkräfte dieser Wahl werden indes erst in den nächsten Tagen vollends klare Konturen bekommen. Es war nicht der Sturm „Sandy“, der Obama über die Ziellinie verhalf. Im Hintergrund dieser Wahl waren weitaus stärkere Winde am Werk. Die Republikaner haben die tektonischen demographischen Verschiebungen in der Bevölkerung entweder nicht verstanden – oder zu lange ignoriert. Nicht nur in Schlüsselstaaten wie etwa Colorado, Virginia und Florida haben sich Wähler mit lateinamerikanischen Wurzeln mit großer Mehrheit für Obama ausgesprochen. Die auf Ausgrenzung und Zurückweisung basierende Politik Romneys und der Rechten innerhalb der „Grand Old Party“ hat Wirkung gezeigt. Das flehende Plädoyer von Jeb Bush, Bruder des früheren Präsidenten George W., auf dem Parteitag in Tampa für eine ehrliche Öffnung und Hinwendung der Republikaner zu den neuen gesellschaftlichen Mächten (50 Millionen Latinos leben heute in Amerika, Tendenz steigend...) wurde ignoriert.

Das ist Barack Obama

Mick Huckabee, einst Präsidentschaftskandidat der „Reps“ und heute Moderator bei Fox News ereiferte sich vor laufender Kamera und warf seinen Partei „erbärmliches“ Versagen bei der Integration von Minderheiten vor. Recht hat er. Das Versagen hat sich jetzt gerächt.

Dirk Hautkapp

Kommentare
07.11.2012
08:44
Barack Obamas zweite Chance
von dumper | #1

Hut ab,endlich einmal ein Kommentar,der den Nagel auf den Kopf trifft .
Solange die beiden Kammern in den USA damit beschäftigt sind sich gegenseitig zu blockieren, ist ihr neuer/alter Präsident einfach nur ein Grüßaugust .
Er kann sich drehen und wenden wie er will ,er wird nicht eins seiner Ziele erreichen ohne diese mittelalterlichen Parlamentarier.
Ist es in Deutschland nicht mittlerweile auch so ?
Vor jeder ablaufenden Amtszeit eines Regierenden wird ihm vorgehalten das er seine Wahlversprechen nicht gehalten hat .
Aber die Kehrseite sieht so aus,das die welche ihm das vorwerfen,genau die sind , die es zu verhindern wussten .
So viel zur Demokratur !
Demokratur deshalb,weil die Wahlen zwar nach demokratischen Regeln durchgeführt werden,aber die gewählten Parlamentarier sich dann einen feuchten Keks daran halten und nach Gutsherrenart dann frei an dem Willen der Bevölkerung vorbei regieren .
Ich bin einmal bösartig ,und behaupte ,das Mitt Romney gut in die FDP passen würde.

1 Antwort
Barack Obamas zweite Chance
von Duisburger9999 | #1-1

"Ich bin einmal bösartig ,und behaupte ,das Mitt Romney gut in die FDP passen würde. "

Ich würde ihn eher in einer Kreuzung aus FPÖ und CSU verorten.

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