Schneesturm trifft auch die syrischen Flüchtlinge im Libanon

November 2014: Im Kinderschutzzentrum von Kfarnabrak wird warme Winterkleidung verteilt.
November 2014: Im Kinderschutzzentrum von Kfarnabrak wird warme Winterkleidung verteilt.
Foto: Jakob Studnar
Was wir bereits wissen
Das Zentrum der Kindernothilfe im Libanon ist eingeschneit . Viele Familien können nicht einmal heizen. Das Geld ist knapp und Geschäfte sind unerreichbar geworden.

Kfarnabrak.. Der verheerende Wintersturm „Zaina“ hat auch die syrischen Flüchtlinge in den libanesischen Bergen eingeschneit. Im Distrikt Chouf, südöstlich der Hauptstadt Beirut, sind Hunderte Familien seit Tagen von der Versorgung mit Lebensmitteln und Heizöl abgeschnitten; Mitarbeiter der Kindernothilfe versuchen verzweifelt, sie mit dem Nötigsten zu versorgen.

„Es gibt kaum Strom, und viele Generatoren sind ohne Diesel einfach ausgefallen“, sagt Rana Dahouk, Koordinatorin der Flüchtlingshilfe vor Ort, die die WAZ mit ihrer Weihnachts-Spendenaktion unterstützt.

Bis zu eineinhalb Meter Schnee hat „Zaina“ gebracht, Temperaturen von minus zehn Grad: Die Straßen im Mount Lebanon sind gesperrt, alle Schulen geschlossen, nicht weit entfernt, in den Flüchtlingslagern des Bekaa-Tals, starben Menschen an der Kälte. „Es ist viel schlimmer, als wir erwartet haben“, klagt Rana Dahouk.

Spendenkonto Dabei hatte die Kindernothilfe vorgesorgt: Im November nahmen Mitarbeiter die Maße aller 150 syrischen Kinder, die im Schutzzentrum „Al Mahaba“ in Kfarnabrak betreut werden, weil die öffentlichen libanesischen Schulen sie nicht mehr aufnehmen können. Jedes Kind bekam eine Jacke, eine Hose, ein Paar Schuhe. Doch oft ist das „alles, was die Kinder nun haben“, so Dahouk, vor allem bräuchten sie Wärme.

Flucht aus feuchtem Kellerloch

Das aber ist ein Problem: Viele syrische Familien wohnen ohnehin unter unwürdigen Bedingungen, in zugigen, unfertigen Verschlägen. Die Familie des kleinen Fahdi, den die WAZ im Libanon besuchte, musste ihr feuchtes Kellerloch in diesen Tagen verlassen, Verwandte rückten zusammen.

Geheizt ist indes auch bei ihnen nicht: Wer sich überhaupt Kraftstoff für einen Ofen leisten kann, kommt wegen der Straßenverhältnisse derzeit nicht dran. Allenfalls Geländewagen können die Dörfer erreichen, ein Mitarbeiter der Hilfsorganisation übernahm nötige Fahrten mit seinem Privatwagen.

Aber auch er kann nicht überall hin vordringen, und oft weiß er nicht, wie er helfen soll: Die Flüchtlingshilfe der Vereinten Nationen hat in diesem Jahr Geldkarten verteilt, damit die Leute sich selbst kaufen konnten, was sie für den Winter brauchten.

Doch viele investierten die Mittel in die ausstehende Miete – nun, so Rana Dahouk, haben viele das Geld nicht mehr, um Brot oder Kraftstoff zu kaufen. „Ein Vater von drei Kindern hat keine Unterstützung bekommen, Arbeit gibt es auch keine mehr. Nun hat er Schulden beim Bäcker und beim Lebensmittelhändler. Er kann kein Geld aufbringen, um zu heizen.“