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IG Metall will Opel „zu weiteren Gesprächen bewegen“

21.03.2013 | 20:12 Uhr
IG Metall will Opel „zu weiteren Gesprächen bewegen“
Die Bochumer Opel-Belegschaft sagt Nein zum Sanierungsplan für den angeschlagenen Autobauer. Foto: dapd

Bochum.   Die Belegschaft lässt den zwischen Opel und der IG Metall ausgehandelten Sanierungsplan krachend durchfallen. Vor allem offenbar, weil es Vertrauen in den Mutterkonzern General Motors fehlt. Nun droht ihnen die Schließung des Werkes bereits im kommenden Jahr

Das Gefühl, das diese Männer auf ihrem Weg zur Arbeit begleitet, war in den vergangenen Jahren selten ein gutes. Am Donnerstagmittag haben sich alle unguten Ahnungen zusammengetan, den Opelanern diese Schicht gründlich zu verleiden. Die Kollegen aus der Frühschicht kommen ihnen am Werkstor entgegen, wortlos und mit ausdruckslosen, leeren Gesichtern. Sie haben schon getan, was die anderen nun vor sich haben: Abstimmen sollen sie über die Schließung jener Autoproduktion, von der sie leben, von der sie ihre Familien ernähren.

Ein Ding der Unmöglichkeit, finden viele. Der Satz: „Ich gebe doch nicht auch noch meinen Segen dazu, dass die uns dicht machen“, fällt immer wieder an diesem grauen Bochumer Werktag. Noch öfter hört man: „Die halten sich doch eh wieder nicht dran.“

Das Vertrauen in den Mutterkonzern fehlt

Es ist dieses verloren gegangene, von der US-Mutter General Motors mit unzähligen 180-Grad-Wenden verspielte Vertrauen, das den Sanierungsplan scheitern lässt. Der „Stolz“, wie es einer vor dem Werktor ausdrückt, gute Autos zu bauen, verbietet es vielen, „Ja“ zu einem Vertrag zu sagen, der die Produktion abwickelt. Gut 50 Jahre, nachdem der erste Kadett A vom Bochumer Band rollte.

Kommentar
Hoffen auf Besonnenheit - von Thomas Wels

Es ist ein harter und risikoreicher Poker, auf den sich die Bochumer Opelaner jetzt eingelassen haben. Auf die Solidarität der anderen Werke darf der Standort nicht hoffen. Der Betriebsrat um Rainer Einenkel wird auf den neuen Opel-Chef Neumann setzen, der kein Interesse an einem großen Tohuwabohu...

Drinnen erklärt die IG Metall, worüber sie abstimmen sollen. Der Tarifvertrag sieht die Schließung der Autoproduktion Ende 2016 vor. 600 Leute sollen möglichst sofort gehen, wenn sie bis 2014 nicht weg sind, drohen Kündigungen. Dafür bietet Opel den anderen Schutz bis 2016, eine Transfergesellschaft bis 2018 und 1200 Ersatzarbeitsplätze. Das versuchen die Gewerkschafter herauszustellen, die meisten würden Zeit gewinnen und müssten die nächsten fünf Jahre nicht zum Arbeitsamt.

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Kommentare
22.03.2013
10:59
IG Metall will Opel „zu weiteren Gesprächen bewegen“
von altwissen | #37

Vieles erinnert bei OPEL an die Abwicklung des Stahlstandortes in Duisburg-Rheinhausen durch den Krupp-Vorstand. Der Abbau von sog. Überkapazitäten zählte zu dem Hauptargument, ein modernes Stahlwerk zu schließen und damit einer ganzen Region wirtschaftlich den Garaus zu machen. Nicht nur die direkt betroffenen Arbeitsplätze, sondern ein großer Teil der Zulieferbetriebe gingen den Bach herunter. Cromme, der Chef-Sanierer, machte reinen Tisch - sehenden Auges der SPD-Landesregierung samt "Landesvater Rau" und der IGM-Gewerkschaft, die das Spiel mitbetrieben und den Niedergang einer ganzen Niederrheinregion anschliessend als Strukturwandel verkaufte. Wo sind die Arbeitsplätze geblieben, die durch diesen Wandel vernichtet wurden? Das Ruhrgebiet mit Arbeitslosenzahlen um 15 %, Städten die durch fehlende Konnexität bei Zuweisung sog. Pflichtaufgaben unter Nothaushalt stehen und Politiker, die uns erzählen, das wäre alles schon recht so. Die Sozialverpflichtung des Eigentums wäre nötig!

22.03.2013
10:42
#35 Arbeitnehmer dürfen um höheren Ertrag genauso kämpfen wie Manager oder Aktionäre.
von meigustu | #36

Was treibt Sie nur um dass Sie den Arbeitern weniger Rechte zugestehen wollen als den anderen Profiteuren der Firma ?

Ist das ihr Job, haben Sie Aktien oder glauben Sie tatsächlich ohne Hinterfragung die 30 Jahre Falschpropaganda das eine gut gehende Wirtschaft Breitenwohlstand bedeutet ?

3 Antworten
@meigustu
von vaikl2 | #36-1

Wieviele Rechte haben eigentlich Ihre chinesischen "Freunde" aus den zentralkommunistischen Autowerken? Welche Autos fahren denn die dortigen Funktionäre?

IG Metall will Opel „zu weiteren Gesprächen bewegen“
von KuKu | #36-2

@vaikl2: Opel fahren die nicht, das haben Ihre zentralkapitalistischen Freunde aus den USA untersagt.

@KuKu | #36-2
von vaikl2 | #36-3

Das mit der weltweiten Vermarktungs-Sperre für bestimmte Opel-Produkte ist genauso ein Märchen wie die angeblichen "Verzichte" der Opelaner.

Dass GM-Manager aber ebensolche Versager sein können und sich trotzdem so mächtig wie chinesische Parteifunktionäre gegenüber ihren Sklaven fühlen, will ich nicht bestreiten.

22.03.2013
10:05
IG Metall will Opel „zu weiteren Gesprächen bewegen“
von Ergonomy | #35

Wir leben in Deutschland, ein ausgehandelter Sanierungsplan ist bindend, ich werde das Gefühl nicht los hier wird nur versucht die Abfindungen in die Höhe zu schrauben.

1 Antwort
IG Metall will Opel „zu weiteren Gesprächen bewegen“
von vaikl2 | #35-1

Das war auch genau das, was man als erste Aussage eines Beschäftigten gestern beim WDR zu Hören und Sehen bekam: "Keine Ahnung, was die uns angeboten ham, woll, ich will nur wissen, wie hoch unsere Abfindung wird".....

22.03.2013
09:43
Danke...
von vaikl2 | #34

...dafür, dass nun eine ganze Region zwischen Bochum und dem Dortmunder Westen zwei Jahre früher verödet, weil ein egomaner BR-Chef und abfindungsgeile Beschäftigte sich gegenseitig im Märchenerzählen und in ihrer Betonköpfigkeit übertrumpfen wollen.

Ich glaube, das war auch der Grund, weshalb ich schon vor 20 Jahren der Marke Opel abgeschworen hatte. "Wir bauen immer die besten Autos der Welt", überteuerte Produkte und "Service" aus einer Zeit, als Kunden noch lästige Bittsteller waren, die den eigenen Freizeitanspruch bedrohten, passen halt nicht mehr in die Welt.

22.03.2013
09:22
#32 Ganz richtig - nur wenn der Druck erhöhrt wird
von meigustu | #33

hat dieses Ergebnis Sinn gemacht. Es muss für GM billiger werden, die alten Zusagen einzuhalten statt diese zu brechen..

Wer zu B nicht den Mut hat, hätte bei A besser die Lemminglösung gewählt.

22.03.2013
09:00
Opelaner trauen Chefs nicht - Schließung droht bereits 2014
von Kadett1960 | #32

Alle die heute noch jubeln haben sich doch einen Bärendienst erwiesen und werden schon bald aufwachen und wieder anfangen zu heulen wenn man realisiert hat was man mit der Abstimmung angerichtet hat. Man hat doch der Geschäftsleitung mit diesem Ergebnis in die Karten gespielt, die können den Sack endlich zumachen. Schade für die 24% der Opelaner die die Situation realistisch eingeschätzt hat und für die Annahme des Tarifvertrags stimmte. Bei einer Wahlbeteiligung von gerade mal 69% hat sich auch nur die Hälfte der Belegschaft gegen den Tarifvertrag ausgesprochen
Wie soll es denn nun weitergehen?
Wilder Streik?
Werksbesetzung?
Was soll denn noch verhandelt werden, und mit wem ?

22.03.2013
08:55
Opelaner trauen Chefs nicht - Schließung droht bereits 2014
von tom009 | #31

S2016

WOWWWWWWWWWWWWWWWWWWW

welch genialer kommentar.

nur hat dieser einen haken.

wo seit eigendlich ihr nicht gewerkschafter?????
was gedenkt ihr gegen arbeitsplatzabbau bzw werkschließungen zu unternehmen????

ihr mault bloß immer rum
aber selber was zu unternehmen seit ihr anscheinend nicht in der lage.

also würde ich an eurer stelle nicht so großmaulig sein sondern packt euch mal selber an die nase und organisiert mal selber "widerstand"

aber dazu seit ihr maulhelden entweder zu feige oder zu blöde.
nee stattdessen wird lieber auf die bösen bösen gewerkschaften geschimpft

wie gesagt
wo seit ihr nichtgewerkschafter??????
wo sind eure proteste??????

hebt eure ärsche endlich mal hoch und unternehmt was.

zeigt es den gewerkschaften das IHR es besser könnt.

22.03.2013
08:48
Opel-Arbeiter blamieren die Gewerkschaft.
von Frau_H_aus_Bochum | #30

Großen Respekt vor der Entscheidung!
Damit blamieren die Bochumer Opel-Arbeiter die Gewerkschaft.

Es ist wie im Krimi, im Wald, wo der Bösewicht mit vorgehaltener Waffe sein Opfer auffordert, sein eigenes Grab zu schaufeln. Die meisten Opfer machen dies, damit sie noch 30 Minuten länger leben können. Die Opelaner sagen NEIN. Schaufel doch selbst!

Respekt. Mal sehen wie die Geschiche weitergeht und wieviel Solidarität sie weiterhin erfahren.

http://www.bochumschau.de/opel-solidaritaetsfest-bochum-2013.htm

22.03.2013
08:44
Opelaner trauen Chefs nicht -
von ferdi23 | #29

und das ist auch richtig so. Schließlich haben sie mehrfach auf Lohnteile verzichtet gegen das - inzwischen gebrochene - Versrprechen, dass Bochun erhalten bleiben wird. Geldgiereigen Betrügern kann man nur die klare Kante zeigen.

22.03.2013
08:18
Opelaner trauen Chefs nicht - Schließung droht bereits 2014
von KuKu | #28

Man sollte vorsichtig sein mit dem Kauf von GM Autos. Eine Firma, die so mit ihren Arbeitnehmern umgeht, ihre Kunden auch nicht anders behandeln.

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