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NRW-Landtagswahl

Wenn die 'Kleinen' die Landtagswahl gewinnen – Simulation mit dem "Wahl-O-Mat"

13.05.2012 | 15:43 Uhr
Wenn die 'Kleinen' die Landtagswahl gewinnen – Simulation mit dem "Wahl-O-Mat"
Heiner Christinck aus dem niederrheinischen Voerde setzt sich für die Familienpartei ein, deren Ergebnis bei Wahlen sich in der Regel unter "Sonstige" findet. Doch wenn es um die Programm-Inhalte geht, müssten sich Kleinparteien eigentlich nicht hinter den 'Großen' verstecken. Foto: Dirk Bauer/WAZ FotoPool

Essen.   Der nächste NRW-Ministerpräsident kommt von der ÖDP und bildet eine Koalition mit der Tierschutz und der Familienpartei. Das klingt für Sie unmöglich? Wer im „Wahl-O-Mat“ seine inhaltlichen Präferenzen mit den Parteien ungefiltert durchspielt, kann auf solche Konstellationen stoßen.

ARD-Wahlmoderator Jörg Schönenborn ist sprachlos. Sekundenlang ist sein Gesicht im Bild; er schüttelt den Kopf, blickt verwirrt in die Kamera und wechselnd auf die vor ihm liegenden Studio-Monitore. Dann stammelt er schließlich einen Satz, in dem er mehrfach die Worte „unglaublich“, „nicht möglich“, „eine Sensation“ verwendet. Andere Szene. Am Tisch mit den Spitzenkandidaten im improvisierten Studio im Landtagsfoyer sehen Millionen Fernsehzuschauer blankes Entsetzen: Hannelore Kraft müht sich, die Fassung zu bewahren, Norbert Röttgen reibt sich entgeistert die Augen, Piraten-Spitzenkandidat Joachim Paul twittert was die Finger hergeben; im Hintergrund atemlose Stille, als die nächste Hochrechnung eingeblendet wird: Die ÖDP ist der große Sieger der NRW-Landtagswahl. Zweitstärkste Fraktion: die Tierschutzpartei. Ebenfalls mit einem zweistelligen Ergebnis in den Landtag gerückt ist die Familienpartei.

Die NRW-Landtagswahl an diesem Sonntag – sie könnte in einer Überraschung enden. Wenn man sich bei seiner Wahlentscheidung alleine danach richten würde, was die Programm-Inhalte der Parteien aussagen. Dabei kann der Online-Parteiencheck „Wahl-O-Mat“ helfen, der die wichtigsten Thesen der Parteien auflistet. Er lädt Nutzer dazu ein herauszufinden, welcher der Parteien man denn inhaltlich nahe steht. Das Ergebnis könnte überraschend sein, wenn man tatsächlich alle zur Wahl stehenden Parteien und Gruppierungen vergleicht - also auch die, denen die meisten bei der Wahl wohl keine Chance zusprechen würden. Parteien wie ÖDP, Tierschutz- oder Familienpartei.

Verschenkte Stimmen oder Chance auf frischen Wind

Das von Politikwissenschaftlern unter dem Dach der Bundeszentrale für politische Bildung erarbeitet Parteiprogrammvergleichs-Portal will keine Wahlentscheidungen vorgeben. Man kann damit abklopfen, welche der eigenen Ansichten denen der Parteien entsprechen. Die Macher empfehlen, das Ergebnis „als Startpunkt“ zu nehmen, „um sich noch besser über die zur Wahl stehenden Parteien zu informieren“.

Und da gibt es an diesem Sonntag eben mehr als die Etablierten und die Newcomer mit dem windgefüllten Segel. 17 Parteien und Wählervereinigungen buhlen um den Einzug in den NRW-Landtag, darunter die Mehrheit aus dem Ergebnisbereich „0,x“. Freie Wähler, BIG, AUF - sie teilt das gleiche Schicksal: Eine Stimme für die Winzlinge des Wahlzettels wird meist als verschenkte Stimme empfunden. Wenn man sich überhaupt etwas unter diesen Gruppierungen vorstellen kann.

Beim Wahl-O-Mat die "Schere im Kopf" ausschalten

Offenbar haben auch diese Parteien Programme – und sie könnten Inhalte vertreten, die einem die gefühlte politische 'Grundpräferenz' aus den Angeln hebt. Ohne dass man der Internet-Maschine Wahl-O-Mat bewusst extreme Positionen vorgibt.

Stichwort Wahl-O-Mat: Der Knackpunkt wartet am Ende, wenn alle 38 Grundpositionen aus den Wahlprogrammen abgeklopft sind. Dann muss man die Parteien auswählen, die man untereinander verglichen haben will. Höchstens acht Kandidaten lässt das Programm zu. Wer wird da nicht bei den Parteien ein Häkchen setzen, deren Nähe - oder Distanz - man selbst für vermuten würde?

Es ist interessant, diesen Schritt mehrmals durchzuexerzieren, um am Ende die Parteien aufzulisten, bei denen tatsächlich die längsten orangefarbenen Balken - also die meisten inhaltlichen Übereinstimmungen - angezeigt werden. Die eigene 'gefühlte' Parteien-Präferenz könnte das Wahl-O-Mat-Ergebnis verfälschen. Wer sich dann vorstellt, zu wählen, was beim Positions-Check herausgekommen ist, könnte am Sonntag eine TV-Sternstunde heraufbeschwören. Oder hat einfach nur durchgespielt, was in der Praxis sonst undenkbar scheint.

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Dagobert Ernst

Kommentare
13.05.2012
16:49
Wenn die Kleinen die Landtagswahl gewinnen – Simulation mit dem
von wohlzufrieden | #1

War da nicht schon einmal eine ziemlich kleine Partei als Sieger hervor gegangen, weil die großen versagt haben? Es wiederholt sich alles wieder...
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Wenn die 'Kleinen' die Landtagswahl gewinnen – Simulation mit dem "Wahl-O-Mat"
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2012-05-13 15:43
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