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This Is It - die Heroisierung des King of Pop

23.06.2010 | 15:35 Uhr
This Is It - die Heroisierung des King of Pop

Berlin. Statt Bühnen-Show für Michael Jackson ein Proben-Film für die Nachlassverwalter: „This Is It” ist der wohl schamloseste und wirkungsvollste Griff an die Emotionen von Millionen.

Man könnte es sich einfach machen nach diesen 112 Minuten voll süßlicher Weihe, seltsamem Zauber und tiefer Leidenschaft von und mit dem totesten Peter Pan der Popmusik. Man könnte die unbarmherzige Logik der Musikindustrie sezieren, in der Verblichene immer schon mehr wert waren als Lebendige, und voraussagen, dass die Liga der posthumen Umsatzträger einen neuen Weltmeister bekommt. Man könnte es kriminell nennen, wie die Drahtzieher dieses abgefeimten Geschäftes das Bild eines vor Lebenstüchtigkeit sprühenden Künstlers weichzeichnen, der in Wahrheit als ein an Körper und Geist erkranktes, medikamentenverseuchtes Häufchen Elend endete.

Wie eine Dampfwalze

Michael Jackson in "This Is It". © Sony Pictures

„This is it”, das gefilmte So-hätte-es-werden-können eines Comebacks, dem sich Gevatter Tod in den Weg stellte, ist der wohl schamloseste und wirkungsvollste Griff an die Emotionen von Millionen, den die Popgeschichte je gesehen hat. Wer Jackson immer schon verehrt hat, der wird mit offen stehendem Mund und feuchten Augen staunen und mitsummen und später Trost suchen am heimischen CD-Schacht zwischen „Billy Jean” und „Thriller”. Wem das Männlein mit den Spinnenbeinen gleichgültig war, der wird dem phantastischsten Tänzer aller Zeiten, neben Nurejew und Astaire, drei Kilo Respekt zollen. Vorausgesetzt, man glaubt, was man sieht. Sehen soll.

Neuartige 3-D-Zombies

„This is it”, was man je nach Lust und Laune mit „Das war's dann” oder „Das ist es” übersetzen mag, ist ein einziger manipulativ zusammengeschnittener Tätigkeitsnachweis. Regisseur Kenny Ortega hat die in menschenleeren Groß-Arenen Kaliforniens aufgenommenen Bilder der Proben für Jacksons ehedem geplanten 50-Konzert-Marathon in London so montiert, dass nur ein Schluss möglich ist: Die sündhaft teure Rückkehr des „King of Pop” wäre das audiovisuelle Erweckungserlebnis des Jahrzehnts geworden. Jeder Edelstein in seinem Schatzkästchen, ob „Man In The Mirror”, „I'll Be There”, „Black Or White” oder das immer noch hinreißende „Beat It”, wurde so lange gewienert, bis ein, zwei Karat mehr zum Vorschein kamen. „Smooth Criminal” basteln die Spezialeffektemacher etwa in den Kultfilm „Gilda” ein, mit Jackson an der Seite von Rita Hayworth und Humphrey Bogart. Für „Thriller” wurden eigens neuartige 3-D-Zombies nachgeboren. Dass Jackson mal wie ein verhuschter Guru, mal wie ein herrisch-kreativer Despot agierte, dessen Gedanken zu lesen Mindestanforderung ist, gehört zu den interessantesten Hervorbringungen.

Von Pathos erschlagen

Info
This is it

Deutscher Kinostart: 28. Oktober 2009

Regie: Kenny Ortega

Ein Konzertfilm mit Michael Jackson und anderen.

Insgesamt aber erweist sich Ortega nicht als Meister im Bewältigen zelluloider Materialberge. Immer dann, wenn ein klitzekleines Stückchen echter Intimität auf der Bühne spürbar wird, wenn der detailversessene Jackson seine ihm ergebenen Jünger mit atemverschlagenden Bewegungen, kurzen A-capella-Intros und „Liebe” in seinen musikalischen Kosmos befehligt, erschlägt der Regisseur uns mit Kamerafahrten voller Pathos. Und einer Heroisierung, die deshalb so verstört, weil in ihr die dunkle Seite der Macht, Stichwort: Medikamentensucht, bis auf merkwürdige Pflaster auf den Fingerspitzen des Meisters komplett ausgeblendet wird.

Nach gezielter Verknappung der Ware sehen die Hüter der Verwertungsketten die üblichen Erzeugnisse des Heldenkults vor: DVD mit Pipapo. Am Ende wird Michael Jackson als die lukrativste Ausfallbürgschaft in die Musikgeschichte eingehen. Nach dem Tod ist vor dem Reibach. Das war's dann. War's das?

Dirk Hautkapp

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Kommentare
03.11.2009
19:55
Blockierter Kommentar.
von rene.bogdanski | #13

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

02.11.2009
17:06
Michael Jackson: Das wars dann - wars das?
von viapisana | #12

...oh Mann. Die Tapes an den Fingern sind ein Gimmick beim Tanzen, ähnlich dem Glitzerhandschuh. Das könnte man als Autor aber wissen. - Der Film ist eindrücklich und mitreißend, es wäre schade gewesen, die engagierten Vorbereitungen aller einfach ins Nichts laufen zu lassen. So bekommt man wenigstens einen Eindruck. Hochglanzpoliert? Ihr seid doch nur sauer, dass man kein Wrack zu sehen bekommt, sondern einen, der es durchaus noch drauf hat.
2 BAD !!!! :-))))

31.10.2009
23:40
Michael Jackson: Das wars dann - wars das?
von Nadya | #11

Dieser Artikel ist absolut unsachlich vom Autor verfasst.
Der Film zeigt einen positiven MJ, der viel lacht & sehr respektvoll mit seiner Crew umgeht, man ist MJ sehr nah, weil er seine religiöse, emotionale,spirituelle & respektvolle Art vom Leben & seiner Musik sehr zum Ausdruck bringt.
. . . .gone to soon . . . .King of Pop

29.10.2009
22:21
Michael Jackson: Das wars dann - wars das?
von Luftblase | #10

Wow - was für ein Artikel - auf jeden Fall einer den die Welt nicht braucht.

29.10.2009
21:47
Michael Jackson: Das wars dann - wars das?
von franzjos | #9

Michael hat viele Menschen mit seiner Musik begeistert, er selber wurde leider trotz seiner vielen großen Erfolge offenbar nicht so richtig glücklich.
Das wars dann. Wars das?
Der Nachsatz „Wars das?“ lässt das Ende offen.
Good Bye, King of Pop

29.10.2009
20:04
Michael Jackson: Das wars dann - wars das?
von MKVertreter | #8

@yuni - als Fan glaubt man vielleicht seinen Künstler zu kenne. Aber man kennt ihn nicht. Menschen, die körperlich und psychisch gesund sind, geraten in keine Drogenabhängigkeit (egal ob Alkohol, harte Drogen oder Tabletten).
Der Film ist tatsächlich ein reiner Fan-Film. Ich stimme dem Verfasser des Artikels zu, denn ich habe den Film auch gesehen. Mir ist das alles zu glatt gebügelt - zu sehr auf Hochglanz getrimmt. Aber den Fans wird es gefallen.

29.10.2009
17:34
Michael Jackson: Das wars dann - wars das?
von Nova | #7

Hoffe, das war´s dann auch wieder. Das Radioprogramm ist es mittlerweile - Gott Sei Dank (!!) - auch wieder Leid, M. Jacksons Musik abzududeln. Alltag kehrt ein und M. Jackson ist eigentlich wieder vergessen. Bis auf die Presse, die über den jetzt angelaufenen Film wieder berichten muss - obwohl sie es - wie man den Artikeln immer wieder entnehmen kann - auch Leid sind, über Jackson schreiben zu müssen.
Da ist Licht am Ende des Tunnels:
This WAS It!

29.10.2009
14:17
Michael Jackson: Das wars dann - wars das?
von voltago | #6

Das wars dann - wars das.
Kann man sich darauf verlassen? Schön wärs.
Ich hatte immer schon befürchtet, daß seine Musik eine Renaissance erfährt, wenn er mal den Löffel abgibt, und ich gäbe viel dafür, wenn nun mal endlich wieder Ruhe in den Medien einkehren würde, und man nicht auf x-beliebigen Sendern damit rechnen muß, wieder zugedudelt zu werden.
Ich mein, ich möchte mich ja gerne aus diesen Schmonzes ausklinken, wenn man mich nur lassen würde, und eben nicht so hartnäckig wie aufdringliche Fahrstuhl- und Kaufhauslala, in Radio und Fernsehen Jackson mäßig zwangsbeschallt.
Gruß

29.10.2009
10:34
Michael Jackson: Das wars dann - wars das?
von Pet | #5

Schaut euch die letzten 40 Jahre in Michaels leben an.Ich rede vom LEBEN !
Wieviel kann ein Mensch und seine Seele ertragen,frag ich mich immer und immer wieder.
Und Ihr macht Euch noch lustig über Euer Werk.Er war ein Engel auf unserer Welt und die PRESSE hat in klein bekommen.
Berichtet über Sachen wo Ihr Ahnung davon habt .
Auf solche Berichte können wir verzichten.Danke!!
Das ist meine Meinung OHNE SORRY

29.10.2009
09:43
Michael Jackson: Das wars dann - wars das?
von Jennylein | #4

Ich stimme yuni vollkommen zu.....am Ende darf sich nur jemand ein Urteil erlauben,der ihm nahstand. Ich meine wir sind doch auch sauer, wenn jemand über uns urteilt, obwohl er uns nicht kennt....Wie muss es dann bloß dem armen Michael ergangen sein???Es gab Mio die das taten und nicht nur eine einzige Person.....Ich würde daran kaputt gehen.....
Biiiiiitte lasst ihn doch wenigstens nach seinem Tod in Ruhe!!!!

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