IG Metall will Opel „zu weiteren Gesprächen bewegen“

Die Bochumer Opel-Belegschaft sagt Nein zum Sanierungsplan für den angeschlagenen Autobauer.
Die Bochumer Opel-Belegschaft sagt Nein zum Sanierungsplan für den angeschlagenen Autobauer.
Foto: dapd
Was wir bereits wissen
Die Belegschaft lässt den zwischen Opel und der IG Metall ausgehandelten Sanierungsplan krachend durchfallen. Vor allem offenbar, weil es Vertrauen in den Mutterkonzern General Motors fehlt. Nun droht ihnen die Schließung des Werkes bereits im kommenden Jahr

Bochum.. Das Gefühl, das diese Männer auf ihrem Weg zur Arbeit begleitet, war in den vergangenen Jahren selten ein gutes. Am Donnerstagmittag haben sich alle unguten Ahnungen zusammengetan, den Opelanern diese Schicht gründlich zu verleiden. Die Kollegen aus der Frühschicht kommen ihnen am Werkstor entgegen, wortlos und mit ausdruckslosen, leeren Gesichtern. Sie haben schon getan, was die anderen nun vor sich haben: Abstimmen sollen sie über die Schließung jener Autoproduktion, von der sie leben, von der sie ihre Familien ernähren.

Ein Ding der Unmöglichkeit, finden viele. Der Satz: „Ich gebe doch nicht auch noch meinen Segen dazu, dass die uns dicht machen“, fällt immer wieder an diesem grauen Bochumer Werktag. Noch öfter hört man: „Die halten sich doch eh wieder nicht dran.“

Das Vertrauen in den Mutterkonzern fehlt

Es ist dieses verloren gegangene, von der US-Mutter General Motors mit unzähligen 180-Grad-Wenden verspielte Vertrauen, das den Sanierungsplan scheitern lässt. Der „Stolz“, wie es einer vor dem Werktor ausdrückt, gute Autos zu bauen, verbietet es vielen, „Ja“ zu einem Vertrag zu sagen, der die Produktion abwickelt. Gut 50 Jahre, nachdem der erste Kadett A vom Bochumer Band rollte.

Drinnen erklärt die IG Metall, worüber sie abstimmen sollen. Der Tarifvertrag sieht die Schließung der Autoproduktion Ende 2016 vor. 600 Leute sollen möglichst sofort gehen, wenn sie bis 2014 nicht weg sind, drohen Kündigungen. Dafür bietet Opel den anderen Schutz bis 2016, eine Transfergesellschaft bis 2018 und 1200 Ersatzarbeitsplätze. Das versuchen die Gewerkschafter herauszustellen, die meisten würden Zeit gewinnen und müssten die nächsten fünf Jahre nicht zum Arbeitsamt.

Ablehnung zeichnete sich früh ab

Doch schon die Nachfragen am frühen Morgen um 6 Uhr, als die Nachtschicht informiert wird, lassen erahnen, dass viele sich nicht auf diese Zusagen verlassen wollen. Sie glauben dem Management in Detroit, das Bochums Werk schon mehrfach schließen oder verkaufen wollte, kein Wort mehr. Einzelne fordern wilde Streiks.

Fehlendes Vertrauen in General Motors Bereits nach Abstimmung der Nachtschicht zeichnet sich das „Nein“ ab. Die Beschäftigten hoffen, dass in Nachverhandlungen mehr herauszuholen sei, und sei es nur an Abfindungen. Dafür fehlen womöglich aber die Druckmittel. Denn in Bochum wird ohnehin eine ganze Schicht gestrichen und Kurzarbeit vorbereitet.

Die IG Metall ist selbst nicht zufrieden ist mit ihrem Verhandlungsergebnis. Aber überzeugt davon, dass mehr nicht zu holen war. Deshalb gibt NRW-Gewerkschaftschef Knut Giesler den Leuten auch keine Empfehlung und äußert nach der Auszählung Verständnis für die Ablehnung. Die Zusagen seien der Mehrheit „zu vage“ gewesen.

Wie die IG Metall rät auch Betriebsratschef Rainer Einenkel, jeder müsse das für sich entscheiden. Allerdings gibt die 31-köpfige Mitarbeitervertretung mit ihrer geschlossenen Ablehnung schon ein unzweideutiges Beispiel vor.

Damit ist das schnelle Ende eingeläutet

Nachdem auch die Spätschicht abgestimmt hat, wird gezählt. Es kommt, wie die meisten erwartet haben: Drei von vier sagen „Nein“.

Stadtentwicklung Und nun? Bochums Betriebsrat wird die Solidarität der anderen Werke einfordern, die er in den vergangenen Wochen so vermisst hat. Dort haben sie dem Sanierungsvertrag längst zugestimmt. Dass nun am Bochumer „Nein“ der gesamte Plan scheitert und neu verhandelt wird, erschien gestern Abend jedoch unwahrscheinlich. Opel ließ den Bochumer Werkschef Gellrich erklären, es gebe keine weiteren Verhandlungen, die Produktion laufe damit Ende 2014 aus.

Dann könnte auch das Land seine „Perspektive Bochum 2022“, die es der Stadt mit der Ansiedlung von Unternehmen rund ums Rest-Werk bieten wollte, begraben. Wirtschaftsminister Garrelt Duin (SPD) will die Hoffnung aber noch nicht aufgeben. „Die Entscheidung der Opelaner ist bedauerlich, aber nachvollziehbar“, sagte er. Ein für heute geplantes Gespräch zu „Bochum 2022“ sei abgesagt. Er unterstütze aber die Bemühungen der IG Metall, Opel „zu weiteren Gesprächen zu bewegen“.