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Musik machen wie die Stars im IdeenSounds-Studio

16.08.2012 | 21:23 Uhr
Musik machen wie die Stars im IdeenSounds-Studio
Vincent Sorg (li.) produziert unter anderem „Die Toten Hosen“, am Donnerstag und noch mal am 22. August auch Nachwuchskünstler Jan Röttger.Foto: Sebastian Konopka/WAZ Fotopool

Essen.   Der Musiker Jan Röttgen und der Produzent der „Toten Hosen“, Vincent Sorg, lassen sich bei der Arbeit beobachten im IdeenPark. Die Zuschauer im Studio sind fasziniert – und dürfen auch selbst ans Schlagzeug. Ein Besuch im IdeenSounds-Studio.

Zwei Männer, eine Gitarre und ein Mischpult. Sie zeigen uns heute, wie Musik entsteht. Die Sorte Musik, die man aus dem Radio kennt: perfekt produzierte Songs. Der so überaus jung wirkende Herr mit dem Zopf und den Crocs-Schlappen ist tatsächlich der 38-jährige, überaus erfahrene Produzent Vincent Sorg, dem „Die Toten Hosen“, „In Extremo“ und die „H-Blockx“ vertrauen.

Der Langzeitstudent mit den Kulleraugen und dem Sieben-Tage-Bart ist Jan Röttger (28) aus Wuppertal, der an seinem ersten Album werkelt und den Mut hat, einen Song unfertig der Öffentlichkeit auszusetzen.

Faszinierende Kurven

Das Konzert und das Studio
Das Konzert und das Studio

Das IdeenSounds-Studio des IdeenParks kann man in Halle 2 der Essener Messe besuchen. Bis zum 23.8. von 10 bis 18 Uhr wird hier „Der Weh zum eigenen Song“ erklärt.

Höhepunkt des Projekts ist das heutige Konzert mit vielen beteiligten Nachwuchskünstlern. Jacob Brass, Elif Demirezer, Benj­Rose und Crutch werden ihre entstandenen Songs ab 19 Uhr live in der IdeenPark-Arena präsentieren. Unterstützt werden Sie von Unheilig, Tim Bendzko, Jupiter Jones und Ivy Quainoo. Karten sind allerdings nur noch auf der Messe selbst zu gewinnen.

Alle Infos zum Ideenpark:
www.waz.de/ideenpark

Im Laufe des Donnerstags kommen hunderte Besucher in das „IdeenSounds“-Studio im Essener „Ideenpark“. Jeden Tag bis zum Ende der Messe ist eine andere Nachwuchsband hier zu Gast. Und trifft auf faszinierte Zuschauer wie Luisa Groß (16), die schon mal selbst was aufgenommen hat und ihrer Mutter erklärt, was die Kurven auf dem Bildschirm bedeuten. Cubase heißt das Programm, mit dem erstaunliche Dinge geschehen. „Studio-magic is happening“, scherzt Vincent. „Ich versuche die Rolle der Technik möglichst gering zu halten. Sie muss funktionieren.“

Vincent kann den Wall aus Zuschauern in seinem Rücken gut ignorieren. „Bands bringen auch immer Freunde mit.“ Jan aber sitzt in seinem Glaskasten und „muss die Hosen runterlassen“. Ein Marilyn-Monroe-Tattoo hat er auf dem Unterarm. Eine Skizze, so wie sein Song „I’m going to die like Marilyn Monroe“. Was immer das heißen mag, das Tattoo war eher da.

„Der Kerl hat eine tolle Stimme“

Aber dann: diese Stimme. Soulig. Bluesig. Jeder hier versteht, dass ein Rohdiamant geschliffen wird. „Der Kerl hat eine tolle Stimme“, finden auch Stefan Wacker (18) und Felix Mölders (17) aus Xanten. Der eine will selbst Tontechniker werden. Der andere spielt in einer Band. Sie staunen: „Wie schnell und locker das hier läuft!“

ThyssenKrupp Ideenpark 2012

Genau das ist das Schwierigste. „Die Kommunikation. Man muss wissen, wo man hin will“, sagt Vincent. Auf die Klangvision kommt es an. Aber wie bringt man die mit Worten rüber? „Man behilft sich mit blumigen Vergleichen“, sagt Vincent. „Wie man einen Wein beschreibt. Blumiges Bukett und so.“

Die Toten Hosen sind im Studio ganz friedlich

 „Bin ich eigentlich nervig?“, fragt Jan, der grad einen Gesangspart verrissen hat. „Überhaupt nicht. Du hast mir noch keine Prügel angedroht.“ „Macht Campino sowas?“ „Nein, der doch nicht.“ „Breiti also?“ „Nein, der ist auch total friedlich. Die Hosen machen sowas nicht ...“

Auch das muss Kommunikation: Lockerheit schaffen. Normalerweise trifft man sich ein Wochenende mit den Künstlern, bevor es überhaupt an die Arbeit geht, erklärt Vincent. Um ihre Vision zu verstehen, Wegentscheidungen zu treffen. Im IdeenPark muss es natürlich gleich losgehen, jeden Tag aufs Neue. „Das war jetzt gut“, sagt Vincent. „Für Jazz reicht’s.“

Hits lassen sich kaum planen

„Nach der zweiten Strophe sackt der Song ab“, sagt Vincent. Die Struktur wiederholt sich. Also wird daran gearbeitet. „Mach mal eine kurze Pause nach der Strophe – die einzelnen Teile des Liedes sind nicht so leicht zu identifizieren.“ Und dann das Tempo: „Du bist automatisch bei 86 gelandet“, sagt der Produzent. „86 Beats pro Minute – ein anerkanntes Hittempo.“

Hits lassen sich natürlich kaum planen – nur über Ausschlusskriterien. „Zu harte Gitarren, zu harter Gesang, zu schnell, zu langsam. Das deutsche Radio bewegt sich in einer bequemen Mitte.“

Die Charts-Alchemie

Und die Charts-Alchemie ist sogar für Profis nur noch schwer zu durchschauen. „Die Kriterien ändern sich, und momentan fließen vor allem Verkaufswerte ein.“ Je teurer ein Album, desto stärker wird es gewichtet. Was auch der wahre Grund ist für Sondereditionen, bei denen noch ein T-Shirt mit ins Paket gepackt wird.

Was wird also zum Hit? „Am Ende geht’s darum: Packt es einen?“

Das Ergebnis - ein toller Song

Jan kann Gitarre, Bass, Gesang. Aber: „Ich kann gar nicht Schlagzeig spielen. Kann das hier einer?“

Sven Rotthänder kann. 13 Jahre alt, zufällig im Publikum, traut sich einfach. Sitzt plötzlich im Glaskasten und bekommt von Vincent Anweisungen wie: „Soll ein bisschen hip-hoppig werden. Du musst die Hi-Hat ganz steif anspielen.“

Macht Sven souverän. Mit etwas „Studio-Magic“ greift sich Vincent den besten Part, packt ihn in die Dauerschleife, fertig ist der Beat.

Das Ergebnis ist ein toller Song. Nicht fertig produziert, dazu reicht die Zeit nicht. Wird wohl zunächst als Demo verwendet, ist also leider nicht zu hören. Es sei denn, man besucht ein Konzert von Jan Röttger.

Thomas Mader

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