Für Johann Lafer ist Grillen alles andere als Kasperltheater

Mögen’s heiß: Horst Lichter, Mirjam Weichselbraun, Johann Lafe
Mögen’s heiß: Horst Lichter, Mirjam Weichselbraun, Johann Lafe
Foto: Norman Kalle/ZDF
Was wir bereits wissen
Der TV-Koch gibt am Samstag bei der ZDF-Livesendung „Die große Grillshow“ den Anheizer. Was Johann Lafer vor der Kamera macht, was er selbst am liebsten grillst und wie er Frauen in der Männerdomäne Grillen empfinder, verrät er im Interview.

Halle/Westfalen.. Sommerzeit, Grillzeit. Das ZDF macht daraus „Die große Grill-Show“ (Samstag, 20.15 Uhr), die live aus dem Gerry-Weber.Stadion in Halle übertragen wird. Anheizer im eigentlichen Sinn ist TV-Koch Johann Lafer. Mit dem 56-Jährigen telefonierte Jürgen Overkott.

Was haben Sie gerade gemacht?

Ich komme gerade im Moment von einem Kochkurs, bei dem ich mit 16 Teilnehmern ein Sechs-Gänge-Menü gegrillt habe.

War die Veranstaltung das, was die Fernsehsendung sein wird: ein Kampf gegen die Uhr?

Nee, nee, nee. Wir haben morgens um neun angefangen. Wir haben alles miteinander vorbereitet, morgens. Und mittags geht’s los, einen Gang grillen, essen, einen Gang grillen, essen… Da sind wir gerade, vor zehn Minuten, fertig geworden.

„Frauen haben mehr Geduld“

Ich rate, 95 Prozent waren Männer.

Nein, nein, gar nicht. Moment, hier habe ich den Zettel. Heute waren wir neun Männer und sieben Frauen.

Fast ausgeglichen…

…das ist bei uns fast immer so.

Wenn ich die Werbung des Einzelhandels sehe, dann richtet sie sich fast nur an Männer. Was treibt denn Frauen an den Grill?

Na gut, das ist schon eine typische Männer-Domäne. Der Mann und das Feuer – das gehört ja fast seit Fred Feuerstein zusammen. Das Zwei-Kilo-Steak, das Feuer: Das ist die Welt des Mannes. Aber ich muss sagen, dass die Frauen vom Grill nicht mehr wegzudenken sind, gerade wenn es um die feineren Sachen geht, die Raffinessen. Sie haben auch mehr Geduld.

Grillen Nehmen uns die Frauen das letzte Vergnügen weg?

Na, das haben Sie gesagt. Kochen und Genuss werden immer mehr Teil der gesellschaftlichen Entwicklung, und da kann ich nur sagen: Ich freu’ mich drüber. Wir wollen mit unserer Koch-Show Interesse an dem Thema wecken. Und gerade was Grillen anbelangt, befinden wir uns in einer phänomenalen Entwicklung.

„Ich muss das Vorbild sein“

Bei der Show sind Sie der Anheizer. Was machen Sie da?

Ich habe extrem viel Verantwortung. Zum einen habe ich die Verantwortung, dass die Aufgaben machbar sind in der Zeit, die die Sendung vorgibt, nämlich 25 Minuten. Und dann habe ich den enormen Druck, dass meine Sachen besser ausschauen müssen als die der anderen. Beim Grillen kann ja immer was passieren – vor allem bei einer Live-Sendung. Aber ich muss das Vorbild sein.

Gut, das Fernsehen zeigt ja nur die Optik. Den Geschmack bringt es nicht rüber.

Das ist nur bei mir der Fall, bei den Teams nicht. Sie werden von der Jury bewertet. Sie müssen Vollgas geben. Aber ich habe auch selbst den Anspruch, dass Optik, Perfektion und Geschmack zusammenpassen. Das muss eine Einheit sein. Ich hätte selbst keinen Spaß daran, wenn es mir nicht schmeckt. Das Essen muss zunächst dem Koch schmecken und dann den Gästen. Wenn’s umgekehrt ist, wird meist nichts draus.

Können Sie gut mit Druck umgehen?

Ich liebe Live-Sendungen, was gesagt ist, ist gesagt, was weg ist, ist weg. Eine bestimme Portion Druck und ein bisschen Adrenalin braucht man schon, um sich richtig zu konzentrieren. Ich werde die Tage früh schlafen gehen und auch noch mal üben, aber ich bin mir sicher, dass die Aufgaben zu schaffen sind.

Was grillen Sie selbst am liebsten?

Ich räuchere sehr gerne. Wir haben heute eine Lachsforelle auf einem Zedernholzbrett geräuchert, mit Koriander, Salz, Dill und mit Senf bestrichen. Das hat mir außerordentlich gut geschmeckt. Dazu haben wir Avocado gegrillt, mit einer asiatischen Mayonnaise und Lachs-Tatar. Und die Kombination der Mayonnaise mit dem kalten Lachs-Tatar und der warmen Lachsforelle hat extrem lecker geschmeckt.

„Ein Drittel der Bevölkerung legt Wert darauf, noch besser zu kochen“

Welcher geistige Nährwert bleibt dem Zuschauer?

Ich sehe meine Aufgabe als Fernsehkoch darin, Zuschauer zu animieren, zuhause dieselben Dinge zu kochen. Wir haben eine Zielgruppe von etwa einem Drittel der deutschen Bevölkerung, die Wert darauf legen, noch besser zu kochen, und die bereit sind, sich um ordentliche Lebensmittel zu kümmern. Das sind unsere Fans.

Welche Reaktionen freuen Sie?

Wenn ich auf Fotos sehe, dass die Ergebnisse der Zuschauer so aussehen wie meine. Grillen ist kein Kasperltheater. Wenn ich im Garten sitze mit Freunden, und das Bier ist gut, ist das eine. Aber ohne gutes Essen ist das Ganze nur halb so gut.