Das ganze Jahr ist Kultur Pur

Jens von Heyden ist Organisationschef von Kultur Pur. Das Jubiläums-Festival ist für ihn das zweite in der neuen Funktion.Foto:Steffen Schwab
Jens von Heyden ist Organisationschef von Kultur Pur. Das Jubiläums-Festival ist für ihn das zweite in der neuen Funktion.Foto:Steffen Schwab
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Hilchenbach..  Sein Wochenende auf dem Giller beschreibt Jens von Heyden entspannt: „Gucken, dass es läuft.“ Die Zelttheater stehen und sind eingerichtet, die bis zu 140 Leute starke Mannschaft, die hinter den Kulissen sieben Tage Jubiläums-Kultur Pur stemmen wird, ist instruiert. Das Bühnenhaus steht, noch einmal einen Meter höher als bisher, so dass den Tänzern von Mayumana, die am Dienstagabend Kultur Pur 25 eröffnen, siebeneinhalb Meter Luftraum über dem Bühnenboden zur Verfügung stehen. Alles am richtigen Platz? „Fertig ist erst, wenn fertig ist.“

Kultur Pur ist für Jens von Heyden alles andere als neu. Er ist auch schon 1991 dabei. „Als technischer Leiter der Bühne 1“ , sagt er, „wobei es damals nur eine Bühne gab...“ Seit 2014 ist er Organisationschef des Festivals – eine Funktion, die er von Georg Klein ebenso übernommen hat wie dessen Verwaltungspart im Kulturbüro des Kreises.

Casting nicht nur für Schauspieler

Verträge abschließen, Genehmigungen einholen, Personal gewinnen, Künstler unterbringen: Der Aufgabenkatalog ist so groß, dass das eine oder andere leicht übersehen werden könnte. Kann sein, sagt von Heyden. Aber so gravierend, dass es unvergessen peinlich wurde, war auf jeden Fall noch nichts. „Das Team hat mich sehr unterstützt.“ Beim ersten Mal. Und jetzt bestimmt auch wieder. Damit Eric Burdon nicht nur seine Socken hinter der Bühne hat. Sondern, worauf Gattin Marianne Wert legt, auch die Sauerstoffflasche. Und den Sanitäter in Rufweite. „Er ist ja auch nicht mehr der Jüngste.“

Kultur Pur ist eigentlich das ganze Jahr. Im September setzt die Recherche für das nächste Programm an, ab Januar die Organisationsplanung. Im April ist das „Casting“ — er sagt das wirklich so – für die Mitarbeiter. Im Jubiläumsjahr stehen Generationswechsel bei der Crew im Gillerbergheim an, das sich jedes Jahr zu Pfingsten in ein Künstlerhotel verwandelt. Und auch neue Ordner werden gebraucht. Denen sollte die Arbeit nicht nur Spaß machen, umschreibt Jens von Heyden das Anforderungsprofil. „Sie sollten auch eine gewisse natürliche Autorität ausstrahlen.“

Apropos: Wie wird man eigentlich Bürochef beim Kulturbüro? „Zeigen, wie schön es bei uns im Siegerland sein kann“, so beschreibt der gebürtige Siegener seine Kultur-Pur-Vision. Die schön, aber nicht hinreichend ist. Der 52-Jährige bringt langjährige Erfahrung als Inhaber eines Veranstaltungstechnik-Unternehmens mit. Und ein BWL-Studium, das ihn als Betriebswirt befähigt, kreative Menschen und ihre Phantasien auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen. Gut, es gibt noch mehr. Die Großmutter stamme aus dem Rheinland, erzählt von Heyden. Wobei die gewisse Lockerheit sich nicht allzu importiert anhören soll: „Mein Urgroßvater war der berühmte Louis Thomas.“ Das Siegener Original, von dessen legendären Sprüchen Jens von Heyden keinen einzigen abrufbereit hat: „Es sind aber ein paar richtig lustige dabei.“

Auf alle Fälle vorbereitet

Ist vielleicht auch nicht der richtige Ort dafür. Der KulturPur-Organisationsleiter trägt Verantwortung für eine Großveranstaltung, die locker 60 000 Besucher ziehen kann. Da gehört dann auch ein dickes Sicherheitskonzept für alle Eventualitäten dazu. Wie den Sturm zum Beispiel, der Pfingsten 2014 haarscharf am Giller vorbeigezogen ist. Die unbeschwerte Freude am Konzert der Simple Minds hatte Jens von Heyden dann jedenfalls nicht mehr — auch als die Evakuierung der Zelttheater dann doch nicht notwendig wurde. „Aber man hat sowieso nicht den Kopf, sich so eine Show komplett anzuschauen“, sagt von Heyden, „fünf bis zehn Minuten, dann kommt der nächste Funkruf.“

Wenn der bei der kleinen Tierschau am Sonntag nicht käme, die 1991 erster Top Act von Kultur Pur war, hätte er nichts dagegen. Wie wird denn das Wetter an Pfingsten? „Wer will das wissen?“ Fragt Jens von Heyden, rückt die Sonnenbrille zurecht und grinst in den strahlend blauen Himmel über der weißen Zelttheaterstadt.