Collin Danielsmeier

Das dürfte ein Rekord für die Ewigkeit sein: 684 Spiele für einen Verein! Den hat Collin Danielsmeier im Trikot der Roosters bzw. des Iserlohner EC aufgestellt - eine Zahl, mit der er die bisherige Bestmarke von ECD-Urgestein Dieter Brüggemann (588 Spiele) deutlich überboten hat.

„Natürlich ist das etwas Besonderes“, sagt Danielsmeier im Rückblick auf seine nun beendete Karriere, in deren Bilanz zudem noch weitere 100 DEL-Einsätze für die Frankfurt Lions und Kölner Haie sowie elf Länderspiele, verteilt auf zwei Jahre, stehen. Insgesamt kommt die „10“ damit auf 784 Profi-Einsätze, davon 17 Serien für den IEC, zuletzt zwölf Jahre am Stück. Und angesichts zahlreicher Verletzungen hätten es sogar noch mehr Spiele sein können. „Aber nicht nur diese Zahlen sind etwas Besonderes, sondern auch das, was man damit verbindet.“ Iserlohn beispielsweise besitzt für ihn einen enormen Wohlfühlfaktor. Eine gute Atmosphäre könne durchaus wertvoller sein als 5000 oder 10 000 Euro mehr in der Geldbörse. Söldnermentalität – für Danielsmeier ist das ein Fremdwort.

Das ist in einer Szene, in der die Preise inzwischen „explodieren“, nicht die Regel. Aber Collin Danielsmeier passt in manchen Dingen ohnehin nicht in gängige Schablonen. Ein Beispiel: Während viele Menschen ausgesprochen aktiv in den sozialen Netzwerken unterwegs sind, hält er sich zurück. Facebook? Für ihn kein Thema. Jene Welt, die tausendfache Freundschaften vorgaukelt, ist nicht seine. Er sucht lieber das direkte Gespräch mit jenen, die er wirklich schätzt. In der Eishockeyszene sind dies etwa Kai Hospelt oder Ex-Rooster Michael Wolf. Aber er sei generell mit vielen Mitspielern zurecht gekommen, doch Kontakte halten sich in Grenzen. „Meine meisten Freundschaften bestehen seit der Schulzeit. Und das ist ein Luxus, den ich genieße.“ Ein Luxus, der auch aus seiner Vereinstreue und Bodenständigkeit resultiert.

Ob er schon eine Bilanz gezogen hat? „Ich weiß gar nicht, ob ich das machen werde.“ Er sei relativ selbstkritisch, aber so viel ist ihm schon klar: „Ich bin total zufrieden. Es hätte wesentlich schlechter laufen können. Ich kann alles vertreten, was ich gemacht habe und muss nicht in den Boden versinken.“ Als Highlight zählt er den Gewinn der Deutschen Meisterschaft mit den Kölner Haien 2002, sein erstes Länderspiel und die erstmalige Play-off-Teilnahme mit den Roosters 2008 auf. „Das war eine richtig coole Mannschaft, da lief es erstmals richtig rund.“

Natürlich gab es auch Enttäuschungen und Rückschläge. Durch Verletzungen beispielsweise, die sich in den letzten Serien häuften. Besonders schlimm waren ein Armbruch und diverse komplizierte Handgelenksverletzungen. „Das ist auch der Spielweise geschuldet. Aber ich wollte nicht vorsichtiger werden, denn dann wäre ich nicht mehr ich gewesen.“ Immer wieder musste er sich also heran arbeiten. „Aber man gewöhnt sich an diese Mechanismen. Doch es macht natürlich mürbe.“

Auch in der abgelaufenen Serie warfen ihn Blessuren zurück, so dass er in der heißen Saisonphase den Anschluss verloren hatte und zum Zuschauen verurteilt war. „Natürlich hätte ich gerne gespielt. Aber ich konnte das akzeptieren. Ich habe mich trotzdem wohl gefühlt und hatte auch das Play-off-Feeling.“ Es sei schade, an Ingolstadt so knapp gescheitert zu sein. „Dann hätte ich uns im Finale gesehen.“

Sein erstes Karriereende bereut Danielsmeier nicht, sein bemerkenswerte Comeback in der Saison 2011/12 ebenso wenig. „Ich habe gerne geholfen, auch wenn ich mich nicht als Retter in der Not verstanden habe.“ Dass er sofort besser war, als jene, die die Vorbereitung bestritten hatten, war bemerkenswert. In diesem Zusammenhang bricht er eine Lanze für den zu jener Zeit aktiven Trainer Doug Mason, der bei vielen – behutsam formuliert – sehr überschaubare Sympathiewerte genießt. Er habe sich nicht mit jedem Trainer auf einer Wellenlänge befunden. „Aber ich mache das, was der Coach will. Das war sicherlich nicht immer richtig. Doch mit Doug bin ich sehr gut klar gekommen, und für den haben auch alle gespielt. Vielleicht war sein System zu kompliziert, vielleicht konnten die Spieler nicht mehr instinktiv spielen“, mutmaßt er über das Scheitern des Holland-Kanadiers, der den Stürmer erfolgreich zum Abwehrspieler umfunktioniert hatte.

Nicht ganz so einfach war die Zusammenarbeit mit Greg Poss. Dass dieser ihn in seiner Eigenschaft als Bundestrainer einen Tag vor einer Eishockey-WM aus dem Kader strich, sitzt bei Danielsmeier noch immer tief. Poss war auch sein erster Coach auf dem Weg ins Profigeschäft, als 17-Jähriger stieß der Stürmer zum IEC-Kader. „Da ging es deutlich rauer zu als im Nachwuchs. Dieses erste Jahr war wirklich sehr hart.“ Da reiften Zweifel, ob er den Weg des Eishockey-Profis überhaupt noch einschlagen wollte. „Ich habe in Gedanken aber schon hundert Mal aufgehört.“

Derartige Bedenken besaß der gebürtige Dortmunder in ganz jungen Jahren nicht. Während andere seiner Schulkollegen Feuerwehrmann oder Ähnliches werden wollten, war für Klein-Collin schon in der Grundschule klar: „Ich werde Eishockeyprofi!“ In Dortmund unternahm er seine ersten Schritte, spielte dort bis zu den Knaben, ging dann ein Jahr nach Düsseldorf und wechselte schließlich nach Iserlohn ins Schülerteam von Trainer Ralf Hoja. „Ich habe auch ein Jahr höherklassig in Berghofen Fußball gespielt und etwas Tennis. Doch dafür war zu jenem Zeitpunkt meine mentale Stärke nicht ausreichend, da war schnell der Ofen aus.“ Somit blieb er also dem Eishockey treu und näherte sich durch diverse Umzüge geografisch immer mehr der Waldstadt. „Die Anfahrt zu Eissporthalle wurde in Zehn-Minuten-Schritten kürzer.“

Nun lebt der 34-Jährige schon seit längerem in Iserlohn, will auch hier bleiben und möchte sich für den Verein engagieren. Denn Danielsmeier, der für einen Versicherungs- und Finanzdienstleiter im Segment Ärzte beruflich aktiv ist, identifiziert sich stark mit dem Klub und möchte dazu beitragen, dass sich der „Wir-Gedanke“ verstärkt.

Deshalb hat er für das Amt des 2. Vorsitzenden der Young Roosters kandidiert und mit großer Leidenschaft und sehr eloquent die Mitglieder mit fast hundertprozentiger Mehrheit überzeugt von einem Konzept, das von einer Roosters-Leidenschaft und einer „Wir-leben-Eishockey“-Mentalität geleitet sein soll – ein Modell, das neben viel blau-weißem Herzblut auch reichlich Arbeit und sehr viel Stehvermögen erfordert. Seine Philosophie: „Die Talente sollen so schnell wie möglich erkannt und gefördert werden. Ich möchte den Kindern die Möglichkeit geben, so gut zu sein, dass sie mit vierzehn, fünfzehn Jahren frei entscheiden können, ob sie ihren Weg weiter gehen wollen.“

Seinen beiden Söhnen Cole und Kingston hat er bereits eine ganz private „Entwicklungshilfe“ gegeben. Denn im Hause Danielsmeier ist eine 20 Quadratmeter große Kunsteisfläche installiert. „Das macht Spaß und hat einen Effekt.“

Während seine Kids also über eine zweite „Eisfläche“ verfügen, stellt der Bau einer „echten“ zweiten Fläche ein höchst ambitioniertes Ziel dar. „Sie ist extrem wichtig.Wenn uns das gelingt, ist Iserlohn ein Wahnsinnstandort.“ Bis dahin müsse man aus dem begrenzt zur Verfügung stehenden Eis eben maximale Qualität herausholen.

Im Juni will Danielsmeier seinen Trainer-B-Schein machen, gemeinsam mit seinem langjährigen Weggefährten Christian Hommel, der als Nachwuchskoordinator im Klub aktiv ist. Eine Trainertätigkeit im Nachwuchs kann er sich sehr gut vorstellen, auch ein Engagent als Co-Trainer oder Cheftrainer, wenngleich er sich mit einem Vagabundendasein, das zwangsläufig einen Trainer erwartet, weniger anfreunden kann. „Ich möchte meinen Lebensmittelpunkt eigentlich nicht verschieben. Ich bin einfach gerne hier. Und das ist keine Floskel.“

Das könnte dich auch interessieren