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Schule und Bildung

Zwischen Schulbank und OP-Tisch

03.08.2010 | 18:05 Uhr
Zwischen Schulbank und OP-Tisch
Lisa Frohn (18) Marvin Schäfer (17) freuen sich auf ihr Praktikum im Marienhospital. Foto : Walter Fischer

Witten.Vor dem Marienhospital herrscht Schulhofatmosphäre. Die neuen Jahrespraktikanten hocken auf den Stufen, unterhalten sich und vergleichen ihre Namensschilder. Mit ihnen erhalten sie ab sofort Zutritt zu den verschiedenen Stationen im Krankenhaus.

Seit Montag sind die Ferien für die fünfzehn sozial veranlagten Schülerinnen und Schüler vom Berufskolleg Witten endgültig vorbei. In den zwei Einführungstagen stehen unter anderem die Vitalzeichenkontrolle, also das gegenseitige Messen von Blutdruck und Temperatur, sowie das obligatorische Verinnerlichen der Brandschutzmaßnahmen auf dem Programm. „Sie können kaum erwarten, dass es endlich richtig losgeht“, weiß die stellvertretende Pflegedienstleiterin Walburga Niermann, die bereits seit einem Viertel Jahrhundert junge Auszubildende durch ihr Praxisjahr begleitet. Den gesamten August über arbeiten die Sechzehn- bis Achtzehnjährigen im Marienhospital, danach verbringen sie jeweils drei Tage der Woche in engem Kontakt mit Ärzten Patienten im Krankenhaus und zwei Tage auf der Schulbank. Von sechs Uhr morgens bis acht Uhr abends können die Praktikanten zu einer Arbeitsschicht eingesetzt werden, die etwa siebeneinhalb Stunden dauert.

Am Ende der zweijährigen Schulausbildung im Bereich Gesundheitswesen steht das Fachabitur. Nadja Belaeva (17) hat schon einen Plan für die Zeit danach: „Zuerst mache ich mein Vollabitur zu Ende und dann möchte ich eine Ausbildung zur Diätassistentin absolvieren“. Ganz so sicher wie die zielstrebige junge Frau sind sich einige ihrer Mitschüler noch nicht. Aber eines weiß Lisa Frohn (18) mit Sicherheit: „Ich finde es sehr schön, mit Menschen zusammenzuarbeiten. Da kann ich mir nicht vorstellen, dass ich jemals im Büro sitzen werde“. Damit spricht sie wohl ihrem gesamten Jahrgang aus der Seele. „Alle fünfzehn Praktikanten werden später mal in sozialen Berufen arbeiten, etwa die Hälfte sehen wir wahrscheinlich bei uns im Krankenhaus wieder“, bestätigt Walburga Niermann.

Marvin Schäfer ist einer von nur drei Jungen unter zwölf Mädchen. Das stört ihn aber nicht im Geringsten. Er weiß, dass es sich bei den meisten Pflegeberufen um eine Frauendomäne handelt und genießt seinen fast schon exotischen Status. „Mir war schon immer klar, dass ich irgendwann mal in der Krankenpflege beschäftigt sein möchte. Meine Mutter arbeitet im Krankenhaus und ich fand das schon als kleiner Junge faszinierend“, sagt Marvin, der nach dem Fachabitur noch studieren will. „Drei Jungs sind schon viel“, sagt die Ausbildungsleiterin, „letztes Jahr hatten wir keinen einzigen männlichen Teilnehmer“. Für Männer sei es oft wichtiger, viel Geld zu verdienen.

Christopher Chavoshezadeh (17), der schon ein Praktikum im St.-Josef-Hospital absolviert hat, macht sich über das Geld keine Gedanken. Er möchte Menschen helfen und dafür sorgen, dass ihnen die Zeit im Krankenhaus nicht zu lang wird.

Carolina Zimmermann

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