Zwei Wittener kaufen den Bahnhof
16.12.2010 | 18:35 Uhr 2010-12-16T18:35:00+0100
Witten.Das Bahnhofsgebäude hat nach über 100 Jahren einen neuen Besitzer. Genauer gesagt zwei. Markus Bürger und Radomir Zecevic, die eine Werbeagentur betreiben, unterzeichneten am Donnerstag (16.12.) den Kaufvertrag.
Über den Preis wurde Stillschweigen vereinbart. Auf die Frage, ob man dafür ein Einfamilienhaus bekäme, schaut Bürger seinen Kompagnon fragend an. Interessanter dürfte ohnehin die Investitionssumme sein, die für Sanierung und Umbau des heruntergekommenen Gebäudes von 1901 fällig wird. Sie liegt laut Stadt bei 2,8 Millionen Euro.
Die beiden 37-Jährigen, die sich als „Wittener Jungs“ mit einem Hang zu historischen Gebäuden bezeichnen, wollen aus dem verlotterten Bau ein schmuckes Eingangstor für die Stadt machen und dort neue Ladenlokale ansiedeln. Denkbar wäre zum Beispiel eine Gastronomie über zwei Etagen. Sie schließen Nutzer wie Spielhallen oder Sexkinos aus. Es gehe nicht um Vermietung um jeden Preis, sagt Markus Bürger, der bereits den Zuschlag für die Villa Lohmann erhielt und das alte Rathaus in Herbede umgebaut hat. Bäckerei, Zeitschriftenhandel und Reiseagentur bleiben bestehen.
Rund ein Jahr wird für die 2011 beginnende Instandsetzung veranschlagt. Der denkmalgeschützte Bahnhof aus der Gründerzeit wird kernsaniert, Fassade inklusive. Die Dachkuppel soll ausgeleuchtet, die Halle offener gestaltet werden. Wo jetzt noch die Uhr auf einer verschmutzten weißen Wand hängt, kommt bald wieder das alte große Rundbogenfenster zum Vorschein - mit elektronischer Anzeigentafel. Durch das große Fenster am Eingang soll der Blick zur Stadtgalerie möglich werden. In der Halle will man alte Stücke wie eine große schwarze Lok ausstellen. Die Verbindung Wittens zu Eisenbahn, Stahl und Kohle soll mit Hilfe der im Bahnhof ansässigen Wittener Eisenbahnfreunde wieder sichtbar werden.
Was mit Nutzern wie dem Getränkehändler in dem Anbau wird, sei noch offen, erklären die Investoren, die keinen Zugriff auf „Eisenbahnbetriebsanlagen“ wie Bahnsteige oder Gleise haben. Diese bleiben ebenso wie der schmuddelige Tunnel, der zu den Zügen führt, im Besitz der Deutschen Bahn. Um auch ihn sanieren zu können, wurden schon einmal 50 000 Euro vom Kaufpreis abgezogen. Federführend bleibt hier allerdings die Bahn, die damit auch für den seit vielen Monaten defekten Aufzug weiter verantwortlich ist. Der soll im nächsten Jahr erneuert werden, so Ministerialrat Thomas Lennertz. Als Geschäftsführer der Bahnflächenentwicklungsgesellschaft NRW hat er die Verhandlungen geführt.
Witten sei der 75. Bahnhof, den die Bahn verkaufe. Zunächst habe sie, ausgehend von niedrigeren Investitionskosten, das Gebäude noch halten wollen, so Lennertz. Seine Gesellschaft konnte die Bahn angesichts der hohen Sanierungskosten, schließlich davon überzeugen, sich doch zu trennen - womit der Weg frei war für ein so genanntes Investorenauswahlverfahren. Das Finanzierungs- und Nutzungskonzept der beiden Wittener setzte sich schließlich im Kreise von rund fünf verbliebenen Bewerbern durch.
Die Stadt zeigt sich nach zähen zehnjährigen Gesprächen mit der Bahn erleichtert. Die neuen Besitzer seien in der Lage, historische Belange und wirtschaftliche Notwendigkeiten in Einklang zu bringen, meint Bürgermeisterin Leidemann. Stadtbaurat Bradtke. „Das ist das I-Tüpfelchen für die Innenstadtentwicklung.“
20:08
Es ist doch typisch! Dummheit und Ignoranz.
Da haben wir in Witten moderne Unternehmer, die natürlich Geld verdienen wollen und auch müssen. Nicht wie frühere Generationen, di alte Gebäude abrissen um seelenlose, aber größere neu zu bauen. Nein diese Generation möchte es verbinden. Das Alte, Historische zu behalten und dennoch einen gesunden Umsatz zu erzielen. Entweder sind die Kommentatoren dumm oder einfach sozialneidisch.
13:14
#14 Der Bürger hat ein Recht auf Information Sie legen doch auch nicht Ihr Gehalt offen. Oder?
Immer wird von den Anderen alles erwartet. Ich finde es gut, dass nun endlich der marode Bahnhof saniert wird. Geben wir den Investoren doch zuerst mal eine Chance. Es kann nur besser werden :-).
00:06
Wo keine Transparenz ist muß man im Ungewissen stochern. Der Bürger hat eine Recht auf Information. Unter welchen Bedingungen wurde der Bahnhof verkauft, was ist mit dem Fahrraddepot, was ist mit einer notwendigen öffentlichen Toilette, was ist mit dem DB-Servisbüro. Fließen öffentliche Subventionen in die Sanierung.
19:19
Das Konzept hört sich doch gut an. Restaurierung des Bahnhofs nach historischem Vorbild. Die Bahnreisenden werden nicht durch einen dunklen Schlauch ausgepresst wie anderswo. Wenn die beiden Wort halten ist das doch eine sehr gute Lösung.
Für Getränkehändler und Radstation finden sich in näherer Umgebung genug Räumlichkeiten.
18:34
@3 und 4
Der Bahnhof ist aber das Tor zur Stadt und sollte auch dementsprechend aussehen, dazu bin ich auch sehr gerne bereit Steuern zu zahlen. Jedenfalls lieber, als für einen Unterstand, der gegen Regen und Wind nicht schützt.
18:24
Der Kaufpreis des Bahnhofs wurde mit der DB vehandelt, hat also nichts mit der Stadt zu tun und muss deshalb nicht veröffentlicht werden. Außerdem kann der Zustand des maroden Bahnhofs durch Investitionen nur besser werden und ist damit auf jeden Fall profitabel für die Stadt.
Aber warum wird vor den Wittener Bürgern der Kaufpreis für die Villa im Stadtpark geheim gehalten, zumal es darüber im Vorfeld heftige Diskussionen gab?
16:45
Wie war das noch mit dem von Studenten der Uni Witten /Herdecke im Bahnhof betriebenen Unikat Club?
Gab es da nicht bereits merkwürdige Vorgänge mit der Kündigung der Räume?
15:58
An alle Kritiker zum Thema Bahnhof.
Es ist kein Preis bekannt, also kann es auch 1Euro sein. Weiter frage ich mich warum immer alles schlecht geredet wird, was dieser Investor macht. Er schafft Veränderungen und Vorteile für alle. Das Risiko was er eingeht, wird keiner der Kritiker tragen wollen. Die schaffen es ja noch nicht mal einen konstruktiven Vorschlag zu machen, was gemacht werden soll und woher das Geld kommt. Und zu allerletzt muss ich sagen, es wird immer schlimmer in Witten und Deutschland, wir haben gegen alles und jeden etwas auszusetzen. Dafür sind wir weit über unsere Grenzen bekannt, leider!
14:55
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11:17
Ohne hier direkt den ja in vielen Bereichen leider schon sprichwörtlichen Wittener Klüngel unterstellen zu wollen....ist die Frage von Wittenleaks absolut berechtigt. Und sollte vielleicht auch mal die Lokalredaktion zumindest zur Nachfrage anregen,warum in so kurzer Zeit markante Wittener Gebäude an ein und denselben Investor verkauft werden???? Auch wenn der Bahnhof Eigentum der DB ist.Bei so wenig vermittelter Transparenz steht sonst schnell die Frage im Raum: Wer hat denn da bitte wieder mit wem in Witten gekuschelt, um diese Verkäufe einzustielen??