Zulieferer Galladé droht mit Insolvenz
14.10.2009 | 15:22 Uhr 2009-10-14T15:22:00+0200
Witten. Dramatisch zugespitzt hat sich die Situation beim Automobilzulieferer Galladé. Wenn die Belegschaft die Arbeit am Mittwoch, 14. Oktober, bis 13 Uhr nicht wieder aufnehme, werde man Insolvenz anmelden, soll der italienische Generalbevollmächtigte dem Betriebsrat mitgeteilt haben.
Der Automobilzulieferer Galladé aus Witten werde Insolvenz anmelden, wenn die Belegschaft die Arbeit bis 13 Uhr nicht wieder aufnehme. Das soll der italienische Generalbevollmächtigte dem Betriebsrat am Mittwoch, 14. Oktober, um 12 Uhr mitgeteilt haben.
Als Betriebsratsvorsitzender Frank Ellerkamp zwei Stunden später die Drohung mit der Insolvenz vorm Werkstor wiederholt, herrscht grimmiges Schweigen unter den 250 Beschäftigten. Stumm blicken sie zu dem Belegschaftsvertreter, der eine anderthalbseitge Erklärung vorliest. Die Hauptaussage: Es wird erst dann wieder gearbeitet, wenn Geld fließt. Seit Donnerstag haben die Beschäftigten die Produktion stillgelegt.
Löhne sollen sofort gezahlt werden
Ellerkamp fordert die Geschäftsleitung auf, die ausstehenden Löhne und Gehälter sofort zu zahlen. Für September fehlen noch 90 Prozent. Vielen der 250 Mitarbeiter in Witten steht das Wasser bis zum Hals. „Der Dispo ist bis zum Anschlag ausgereizt. Jetzt darf ich bei meiner Sparkasse wieder strammstehen”, sagt einer, der seit über 25 Jahren bei Galladé ist. Die meisten sind dem Hevener Betrieb seit langem treu. Die letzten sieben Jahre, meint der Mann, hätten ihn mehr Kraft gekostet als die 20 zuvor. Seit Monaten fließen Löhne nur in Raten, in einem Monat sollen sie sogar neunmal gestückelt worden sein.
Für September waren vier Zahlungen vereinbart worden, jede Woche 25 Prozent. Doch auch diese Zusage sei gebrochen worden, sagt der Betriebsratsvorsitzende. Immer wieder wurden Auszahlungstermine genannt – und laut Belegschaft dann doch nicht eingehalten. Wie Hohn klingt es deshalb in den Ohren der Beschäftigten, wenn es nun heißt, die ausstehenden Löhne lägen in Italien bereit, seien aber nicht überwiesen worden, weil nicht gearbeitet werde. „Wir wollen nichts geschenkt haben, sondern nur das, was uns für die geleistete Arbeit zusteht”, sagt ein Mann und zieht an seiner Zigarette. Manche können ihre Miete nicht mehr zahlen, einigen wurde bereits der Strom abgedreht, andere kündigen Lebensversicherungen, um an Bares zu kommen.
Mindestens 1000 Menschen betroffen
Frank Ellerkamp spricht vor dem Werkstor von mindestens 1000 Menschen – Familien inklusive –, die von dieser Unternehmenspolitik betroffen seien. Die aktuelle Situation sei nur zum Teil der Wirtschaftskrise geschuldet. Ellerkamp: „Wir haben eine Galladé-Krise.” Kunden und Lieferanten bittet er, trotzdem den Glauben an das Unternehmen nicht zu verlieren. Und er appelliert an die Geduld jener, die von Beschäftigten noch Geld zu bekommen haben.
Ob wirklich schon Insolvenz angemeldet wurde, blieb unklar. Die Firma war zu keiner Stellungnahme bereit. Beim Amtsgericht Bochum war davon nichts bekannt.
19:21
Für das persönliche Risiko des Entscheiders hat die Marktwirtschaft das passende Produkt entwickelt. Es nennt sich Haftpflichtversicherung, gibts auch fürs Berufsleben. Für dafür höhenmäßig nicht abgedeckte Schäden haftet eh der Staat, entweder in Form von Rettungspaketen oder der Sozialhilfe.
07:53
Danke für ein wenig Background, den unsere liebe Redaktion offensichtlich nicht zusammen bekommt.
Aber auch wenn die Gründe wie oft im Grössenwahn einzelner liegen, wird das Verhalten der jetzigen Besitzer nicht besser.
Hat der Laden ein Chance und ist man fair, gibt den Mitarbeitern handfeste Sicherheiten. Wer aber den Mitarbeitern ehrenamtliche Arbeit abpressen will, der macht sich natürlich verdächtig, nicht wirklich als Unternehmer tätig sein zu wollen.
Das Wirtschaft ohne persönliches Risiko der Entscheider nicht funktioniert, zeigen alle Staatswirtschaften in Vergangenheit und Gegenwart aber mittlerweile auch das Schicksal namhafter Konzerne. Man denke nur an Frau Schickendanz, die wie der Werktätige in der DDR ihr Führungsteam nie hinterfragte. Heute besitzt der ehemalige Staatsrats- äh Vorstandsvorsitzende von Karstadt alle Immobilien und die ursprüngliche Eigentümerin jammert, das sie wegen des bescheidenen Einkommen ihres Mannes darben muss.
22:56
So leid es mir um die Firma und ihre Arbeiter tut, aber im Moment sieht es so aus, als ob eine Insolvenz die einzige Chance ist, um überhaupt einen Teil der Arbeitsplätze zu retten.
Denn irgendetwas läuft bei Galladé gewaltig schief. Wo der Fehler liegt, ist für außenstehende nicht auszumachen.
Enteweder ist die Firmenführung nicht in der Lage, ihre Produkte zu einem vernünftigen Preis zu vermarkten oder kann auf Druck der Automobilindustrie keine kostendeckenden Preise erzielen oder es wird von wem oder wohin auch immer Geld aus der Firma gezogen, daß eigentlich im Betrie bleiben müsste.
Da kann leider nur ein Insolvenz-Verfahren Klarheit schaffen.
Selbst wenn die Firma über den Jordan geht, lieber ein Ende mir Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.
So jedenfalls ist die Situation für die Mitarbeiter nicht mehr tragbar. Auch sollten sich die Verantwortlichen mal über den Begriff „Verantwortung“ Gedanken machen. Die besteht nicht nur in der Verantwortung der Geldgeber gegenüber, sondern auch gegenüber den Mitarbeitern.
Und ohne Mitarbeiter kann man nun mal kein Geld verdienen. Bei einer besserer Wirtschaftslage wäre bei Galladé wahrscheinlich scho lange Schluß, weil die Arbeiter sich schon lange eine andere Stelle besorgt hätten.
Nur mit Zeitarbeitern oder Leuten, die anderswo keine Stelle mehr bekommen, kann man keine hochwertige Produktion fahren.
22:12
Freunde Freunde Ihr labbert hier und habt keine Ahnung.
So, Gallade meinte, irgendwann man muss nach Amerika (USA Saiginaw nahe Detroit), dies ist aber
vollkommen gescheitert.Daraufhin hat die Firma mit Hilfe von Pro. Dr. Pfisterer eine Landesbürgschaft erhalten, aber nur wenn dier Berieb in Amerika eingestellt wird, was dann wohl auch geschehen ist.
Jedoch die daraus entstanden Verpflichtungen drücken wahrscheinlich bis heute auf dem Laden.
Ohne Italiener oder Herrn Pfisterer würde esy Gallade schon lange nicht mehr geben.
Nun auf die Italiener einzuschlagen obwohl es wohl eher an der vollkommen unüberlegten Übersseeaktion des Herrn Gallade lag, emfinde ich als sehr fragwürdig.
Vielleich hätte der Firmengründer nicht so früh versterben dürfen.
18:41
Im konkreten Fall als auch im Allgemeinen ist es sicherlich nicht sinnvoll, einen Firmengruppe eine Insolvenz eines Teilwerks leicht zu machen.
Wie gesagt als Leser wünsche ich mir da eine Zeitung, die nicht nur den einen Standort betrachtet, sondern handfest das gesamte Geflecht aus produzierenden Firmen und nicht produzierenden Gesellschaften durchleuchtet.
Wir müssen unser Wirtschaftsrecht endlich auf Globalisierung einstellen. Und das muss vor allem bedeuten, das eine Firmengruppe nicht einen Teilbetrieb rechtlich so gestalten kann das er insolvent gerechnet werden kann.
Mindestens alle kommunalen Abgaben, Personal-, und Steuerverpflichtungen müssen vertragsgemäß bedient werden solange die hinter solchen Betrieben stehende Gruppe auch nur einen Cent besitzt.
Wie gesagt ich kenne den konkreten Fall nicht, aber allein mit diesem Management ala Berlusconi setzt sich die Firma von vorne herein ins Unrecht.
Entweder ist der Laden pleite, dann höre ich auf zu produzieren oder er ist es nicht, dann zahle ich die Löhne. Oder es ist eine vorrübergehende Schwäche, dann verpfände handfeste Sachwerte und Patente für die Zeit an die Belegschaft.
Aber ein Deppenunternehmer, der nur produzieren kann, wenn die Menschen umsonst arbeiten, den muss man nicht aus Italien holen.
15:53
Wie ich sagte: Licht aus, abschließen, alle mögliche (soziale) Unterstützung den Beschäftigten - aber keine weiteren Steuergelder rein. Es führt zu nichts, da kann man mir erzählen, was man will.
Wer mich für neoliberal hält, lese mein 2. Posting bei dem gestern hier veröffentlichten Artikel zum gleichen Thema.