Zuhören statt Ausgrenzen

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Witten..  Einige Kerzen brennen in der Mitte des Raumes. Darum herum sitzen etwa 30 Menschen und halten inne. Es läuft besinnliche Musik. Das Bild einer gewöhnlichen Sonntagsandacht? Nein, denn an dieser Andacht nehmen Christen, Muslime und Anhänger der Bahai-Religion gleichermaßen teil.

Gebetet wird nicht. Dafür lesen die Teilnehmer Texte aus der Bibel, dem Koran, und den heiligen Schriften des Buddhismus und der Bahai-Lehre. Trotz der vielen religiösen Unterschiede erzählen alle Texte von Vielfalt und Toleranz. Bürgermeisterin Sonja Leidemann ließt einen Text zum Thema Frieden. Nach den Anschlägen in Paris bekommt dieser „Tag der Religionen“, veranstaltet von der Wittener Bahai-Gemeinde“, eine brennende Aktualität. Aber: „Nicht die unfassbaren Terroranschläge von Paris haben zu dieser Veranstaltung geführt. Der „Tag der Religionen“ ist ein von den Bahai´ in den Vereinigten Staaten initiierter Gedenktag, der seit 1950 in vielen Ländern begangen wird“, erzählt Jürgen Böller, Mitglied der Wittener Bahai-Gemeinde. Der Tag solle dazu beitragen, das Gemeinsame in den unterschiedlichen Religionen zu erkennen und das Verbindende zu gestalten und zu leben.

Er ermahne, das Anderssein zu tolerieren und schließlich über das Störende zu reden, um eine gemeinsame Lösung zu finden, so Jürgen Böller. Bereits im vergangenen Jahr fand in den Gemeinderäumen der Bahai-Gemeinde dieser Tag der Religionen statt. Das Bahaitum ist eine Weltreligion, die nach einer Einheit des Menschen in ihrer Vielfalt strebt.

Die Bahai-Anhänger suchen dabei den Dialog mit anderen Religionen. In Deutschland gibt es 120 Bahai-Gemeinden, eine davon in der Dortmunder Straße in Witten.

Gemeinsam mit der Organisation „Religions for Peace“ veranstalteten sie den diesjährigen „Tag der Religionen“. Eine offene Atmosphäre und Platz für Fragen an die anderen, so funktionierte der interreligiöse Dialog am Sonntag. Von Skepsis oder Vorurteilen war kein Spur. Nach der gemeinsamen Andacht diskutierten die Teilnehmer noch über verschiedene Auslegungen der Texte und kamen überein: Jede Religion sucht das Gute im menschlichen Miteinander und die gegenseitige Toleranz. Wozu also all der religiös begründete Terror in der Welt?

Im Anschluss an die Gesprächsrunde lud die Gemeinde noch zu Kaffee, Kuchen und Gesprächen ein - was ein Großteil der Besucher gerne annahm.

„Veranstaltungen wie diese können somit hoffentlich dazu beitragen, dass dem religiös begründeten Fundamentalismus und Terrorismus der Nährboden entzogen wird und die Welt friedlicher wird“, hofft Jürgen Böller.