Zu wenig Bauland: Politik warnt vor falschen Schlüssen
13.05.2011 | 15:34 Uhr 2011-05-13T15:34:00+0200
Witten.Der Stadt fehlen unbebaute Grundstücke, die sie als Bauland ausweisen könnte.
Die Schlüsse, die die Verwaltung daraus zieht, dass deshalb nämlich mehr Menschen Witten den Rücken kehren, die mochte der Stadtentwicklungsausschuss nicht teilen. Ein negatives Wanderungsverhalten aus der zu geringen Neuausweisung von Wohnbauland herzuleiten, sei eine kühne Schlussfolgerung, erklärte Simone Tillmann für das Bürgerforum. Hier müssten andere wichtige Faktoren wie Arbeitsplätze berücksichtigt werden. „Es ist eine Illusion zu glauben, dass wir nur genug neue Häuser bauen müssen, um die Bevölkerungszahlen zu erhöhren.“ Tillmann beobachtet eine rückläufige Nachfrage nach Neubauten. Sowohl am Kleff als auch im Trienendorf gebe es Probleme mit dem Verkauf. „Die Leute kaufen lieber aus dem Bestand und bauen um.“
Das bestätigte Anja Reinken vom Amt für Bodenwirtschaft: „Man kauft sich ein altes Einfamilienhaus für 300 000 Euro und steckt noch mal 100 000 hinein“ - Geld, für das man auch hätte neu bauen können, wenn es denn die Grundstücke gäbe. Die Leute fragten danach, doch es gebe diesen Markt nicht wirklich.
2010 standen laut Stadt nur vier Hektar „Nettowohnbauland“ zur Verfügung. Dies sei völlig unzureichend, um die Nachfrage nach unterschiedlichen Wohnformen zu bedienen. Was nicht auf ein grundsätzliches Flächendefizit zurückgehe. Witten habe 61,4 Hektar Bruttobauland in Reserve. Häufig fehle aber die städtebauliche Erschließung.
„Wir brauchen Zuwanderung und deshalb mehr Bauland, damit wir den Standard halten können“, forderte Klaus Wiegand für die SPD. Man könne aus dem Wohnbaulandbericht 2010 aber nicht den Schluss ziehen, dass die falsche Politik betrieben worden sei, so Wiegand.
Die Stadt müsse die Möglichkeit haben, neue Flächen in kleinerer Form zu besiedeln und jungen Familien die Möglichkeit geben, neu zu bauen, meinte Ingmar Wichert von den Grünen. Man habe sehr maßvoll Wohnbauland in den Flächennutzungsplan hineingeschrieben, sagte Arnulf Rybicki für die CDU. Mit Blick auf den Bericht warnte er aber davor, aus einem relativ kurzen Zeitraum einen langfristigen Trend herzuleiten.
18:24
Friede Freude Eierkuchen, liebe Vorschreiber. Ihr habt BEIDE sicherlich RECHT.
Viel spaßiger hingegen finde ich ja die Annahme der Stadtverwaltung, dass bei fehlendem Bauland Bürger der Stadt den Rücken kehren. Ja, hat da irgendwas die Gehirnströme behindert?
Menschen ziehen DORTHIN, wo es Arbeit, von der man leben kann gibt. Das ist das A und das O - von Hausbau ist da erstmal GAR NICHT die Rede. Das kommt eventuell ganz viel später - wenn man denn von seiner Hände oder auch Hirn Arbeit soviel beiseite gelegt hat, dass man es wagen kann, ohne komplett pleite zu gehen und sein bisheriges Lebenswerk davonschwimmen sieht.
Das, was unsere Stadtverwaltung also (scheinbar) im Kopf hat, ist die sauber situierte und satt verdienende Vierziger-Generation, die sich hier seßhaft machen möchte. (Aber warum sollte grad DIE das wirklich wollen?) Leute, die sich grad eben mit ihrer Hände oder Hirn Arbeit über Wasser halten können, scheinen hingegen in den Augen der Stadtverwaltung Witten gar nicht berücksichtigenswürdig zu sein.
DAS ist das eigentlich ARME an einer derartigen Stadtplanung !!!!!
16:57
woher soll den das neue Bauland dann kommen?
die letzten Wälder in Witten roden oder Land- und Ackerflächen zu Bauland erklären, als indirekt die Großgrundbesitzer und Landwirte enteignen?
vielleicht sollte man mal über den gezielten Rückbau nachdenlen und die ein oder andere Siedlung aus der Wirtschaftswunderzeit und/oder Nachkrieszeit abreißen.
Auch bei einem Haus kann die klassische Lebenszykluskurve angenommen werden, an dessen Ende die Entsorgung steht
16:36
Baulöwen brauchen Futter das ist schon klar. In einer schrumpfenden Stadt auf Teufel komm raus neu zu bauen ist aber Unsinn. Nur noch ganz wenige Jahre und dann wird vielen ihr Traumhaus aus den 1950er oder 1960er zur Last.
Natürlich ist es billiger einen Altbau zu sanieren als gleich neu zu kaufen. Einen Umbau kann man in Eigenleistung stemmen, man kann sogar während der Umbauphase schon drin wohnen, bei einem Neubau ist das schwieriger, insbesondere, wenn die Verwaltung nur mit Bauträger kann, bzw. den Architekten mehr oder weniger vorschreibt. Das mag Baulöwen und die ärgern die von Baulöwen profitieren.
Nur kann es ein verantwortlicher Rat wirklich wollen, das in heute gut funktionierenden Vierteln die Häuser leer stehen, weil irgendwo jwdeh ein Baulöwe einen Schnitt machen will. Ein Neubau weit draußen zieht außerdem etliche kommunale Subventionierungen nach sich. Zufahrtstrassen, Schulbusse u.a. Und in den alten Vierteln muss von immer weniger Einwohnern die Infrastruktur getragen werden.
Unsere Verwaltung muss mit sehr viel Augenmaß Lückenschlüsse aber auch Rückbauten betreiben. Und dabei darauf vor allem darauf achten, das die Sucht nach dem schnelle Euro nicht dazu führt, das der Charme einer Siedlung verloren geht.
Eins der ersten Projekte das in diesem Sinne betrieben werden sollte ist das Lutherparkcarre. Teilen der Randbebauung des Lutherparks droht in naher Zukunft der Leerstand. Hauptverkehrsstrassen sind als Wohnlage unattraktiv. Hier könnte kluge Planung aus einem Sorgenkind ein attraktives urbanes Wohnviertel machen. Einfach indem konsequent die Wohnrichtung auf die Parkseite verlegt wird. Die dortigen Hinterhöfe müssen da natürlich neu gedacht werden. Zur Strasse hin könnten Büros oder die Fuktionsräume der Wohnungen liegen. Bei ganz guter Abstimmung können sich sogar mehrere Häuser Aufzüge und andere Technik teilen. Der Bedarf dürfte da sein. Prenzlauer Berg, Kreuzviertel oder Rüttenscheid belegt das viele, jung wie alt, in die Stadt wollen. Wenn es dabei dann noch so grün ist wie es ein Lutherparkviertel sein kann, wäre es perfekt. Die Planungskosten dafür könnten durch den Verkauf von Grundstücken gedeckt werden, deren Neubebauung den Verkehrslärm abschirmt und den Park zu einer innerstädtischen Oase der Ruhe macht. Vielleicht bleibt sogar noch was für die Stadtkasse übrig.