Zu viele Kinder von Armut betroffen

Regelmäßig wird die Armut von Kindern in Stadt und Land beklagt. Der DGB in der Region Ruhr Mark hat eine aktuelle Übersicht über die Entwicklungen in den Städten und Kreisen erarbeitet. Dabei verweist er speziell auf die Datenlage im Ennepe-Ruhr-Kreis. Für DGB-Geschäftsführer Jochen Marquardt eine große Herausforderung, die aktiv bekämpft werden muss.

Im EN-Kreis leben 6517 Kinder in Hartz-IV-Verhältnissen. Dies sind 16,8 Prozent aller im Kreis lebenden Kinder unter 15 Jahren, bzw. fast jedes sechste Kind. Damit ist die Hartz-IV-Armut unter Kindern fast doppelt so stark verbreitet wie bei Erwachsenen. Dort ist „nur“ jeder Zehnte auf Hartz IV angewiesen.

Die Armutsforschung zeige deutlich, dass gerade bei Kindern von Armut betroffene Lebensphasen deren berufliche und persönliche Chancen im gesamten Leben nachhaltig schädigen. Im EN-Kreis sind 49,8% der erwerbsfähigen Hartz-IV-Bezieher vier Jahre oder länger im Hilfebezug. Bei den Sieben- bis 14-Jährigen sind es sogar 56,1%.

Deshalb fordert der DGB ein Programm gegen Kinder- und Familienarmut. Der Bund sollte die Hälfte seiner Mehreinnahmen infolge der Einführung des Mindestlohns für diesen Zweck aufwenden. Mit regionalen Netzwerken, auch im Kreis, sollte es dann unter Einschluss von Kommune, Sozialpartner, Wohlfahrtspflege und Vereinen umgesetzt werden. Ziel ist, dass kein Kind in einer Familie aufwächst, in der beide Eltern dauerhaft arbeitslos sind oder an einer Fördermaßnahme teilnehmen. Bei Alleinerziehenden sollte eine sozialversicherte Teilzeitarbeit Ziel sein. „Hartz IV darf nicht zum ‚Lebensstil’ oder gar vererbt werden, sondern sollte zu dem werden, was ursprünglich politisch intendiert war: Hilfestellungen aus einer Hand zur Überwindung einer vorübergehenden Notlage“, so Marquardt.