Zu Besuch in der Oberstraße

Jutta Kaiser(54), rechts und Wirt Sebastian Schreiber (32).
Jutta Kaiser(54), rechts und Wirt Sebastian Schreiber (32).
Foto: WAZ
Was wir bereits wissen
Lädchen und Wohnhäuser befinden sich an einer der ältesten Straßen Wittens. Die Anwohner schätzen vor allem die Lage zwischen Ruhr- und Ardeystraße

Witten..  Die Oberstraße verbindet den Kern der City mit dem Rand der Innenstadt. Obwohl sie von vielen somit nur als Durchgang verwendet wird, pulsiert an der traditionsreichen Straße das Leben: Kleine Lädchen, ein Café, Schulen und Sporthallen und nicht zuletzt die beliebte Kneipe „Maschinchen Buntes“ am Ende der 646 Meter langen Straße prägen das Leben in der Stadt. Die Oberstraße wurde 1838 übrigens als erste Straße im Stadtgebiet gepflastert. Heute erinnern daran in der 30er-Zone höchstens noch die gepflasterten Abschnitte zur Verkehrsberuhigung. Bis vor wenigen Jahren stand im unteren Teil der Straße auch noch eins der letzten wirklich alten Gebäude der Ruhrstadt – 2009 fiel das Fachwerkhaus den Baggern zum Opfer.

Leichte Steigung

Alle zwei Wochen, wenn ich in die Stadt zum Einkaufen gehe, laufe ich durch die Oberstraße zur Bahnhofstraße – und das schon seit zehn Jahren! Das ist dann quasi mein Wochenendspaziergang. Auf dem Rückweg mit den schweren Tüten bin ich dann einen Schritt langsamer als auf dem Hinweg. Schließlich hat die Straße eine leichte Steigung. Doch egal, wie schwer meine Taschen sind: Ich laufe immer nach Hause zur Ardeystraße – Bus oder Taxi kommen nicht in Frage.“
Helga Brück, 66

Seit 2008 wohne ich in der Oberstraße und fühle mich wohl: Es ist eine sehr zentrale Lage, man kommt eigentlich immer überall ohne Auto hin. Und – man glaubt es kaum – hinten heraus schaue ich direkt ins Grüne. In der Oberstraße gibt es auch eine gute Nachbarschaft.

Kaum Verkehr in der Nacht

Einziger Wermutstropfen: Die Berufskollegs-Schüler, die hier durch die 30er-Zone heizen und die Parkplätze belegen. Zum Glück haben wir einen festen Stellplatz, denn die Parksituation ist schlimm. Ansonsten ist es hier meist ruhig, in der Nacht herrscht kaum Verkehr – nur in den Ferien, da sitzen die Jugendlichen auf den Mäuerchen und trinken ein Paar Bier.“
Ralf Senkowski, 48

Mit meinen Freundinnen gehe ich jeden Samstag in Sebo’s Café an der Oberstraße zum Frühstücken. Wir kommen hier seit fast fünf Jahren hin – seit anderthalb Jahren betreibt der neue Besitzer Sebastian Schreiber das Café, und seitdem ist es hier eigentlich immer voll. Die Atmosphäre hier ist locker, das Publikum stark durchmischt und das Essen schmeckt einfach gut: Frischer Kuchen, Frühstück oder der Mittagstisch.“
Jutta Kaiser, 54

Morgens zum Markt

Die Oberstraße gefällt mir richtig gut: Ich bin hier im Quartier aufgewachsen und lebe noch immer hier – genauso wie meine beiden Töchter. Man ist sehr schnell im Stadtpark oder am Hammerteich und genauso flott in der City. Mit meinem Hacke-Porsche gehe ich morgens zum Markt und kaufe zum Beispiel Kartoffeln oder Zwiebeln ein. Denn der einzige Nachteil hier ist der Netto-Laden – der ist sehr schlecht zu erreichen. Unter der Woche am Morgen herrscht leider immer Verkehrschaos: Da wird hier Schritt-Tempo gefahren. Heutzutage kommt einfach niemand mehr zu Fuß in die Schule – ich bin dann regelmäßig froh, dass ich keinen Wagen brauche.“
Petra Berk, 56