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Zirkusleben im harten Winter

19.02.2010 | 11:01 Uhr
Zirkusleben im harten Winter

Ja, eine Heizung im Wohnwagen, das haben mittlerweile auch die Zirkusleute . Aber bei minus 15 Grad alle zwei Stunden aufstehen, weil das junge Lama nicht satt wird von der Muttermilch, das ist bei der Eiseskälte schon hart.

Der Wittener „Circus Antoni” hat in den vergangenen Monaten an vielen Stellen mit der Witterung zu kämpfen gehabt.

Als die 18-köpfige Zirkusfamilie Ende November ihr großes Winterlager am Ende der Brückstraße aufgeschlug, da konnte noch keiner damit rechnen, wie hart die nächsten Monate werden sollten. Dass das Wasser in den Schläuchen gefriert, dass die Toilettenwagen nicht funktionieren würden und dass die Heizungen durchbrummen müssen, um die Wohnwagen warm zu halten. „Die Kosten für das Gas haben sich im Vergleich zum vergangenen Winter fast verdoppelt”, berichtet David Tränkler.

Und nicht nur das: Heu und Hafer für die Tiere seien von Jahr zu Jahr teurer geworden, Holzbänke, Zelte, Bauwagen leiden unter der Kälte und verlangen nach einer Reparatur. Aber wenn es schneit, dann können diese Arbeiten nicht unter freiem Himmel erledigt werden. Lkw werden zu Arbeitsgaragen umgebaut. Die gestrichenen Bretter trocknen unter den Lkw. Das Leben in diesem Winter: eine einzige Improvisation. Nur die Tiere, die leiden nicht.

Im Gegenteil: Die Lamas, Hunde, Ziegen und Pferde bei Antoni zeigen sich mit prächtigem Winterfell. „Wir sparen vielleicht an uns, aber niemals an den Tieren”, sagt Ramona Tränkler (47). Als müsste sie das demonstrieren, steht sie nur mit einem Shirt bekleidet vor dem Stall. Es ist der erste Wintertag seit langem, der das Thermometer nicht auf unter Null drückt. Ein paar seltene Sonnenstrahlen haben sich in das Tal verirrt. Die Männer holen Futter bei den Bauern, die Straßen sind endlich eisfrei, der junge Justin übt Jonglieren. Als es so kalt war, hat er immer im Wohnwagen geübt. „Da mussten wir auf die Decke aufpassen”, sagt Ramona Tränkler. Justin kann „auch mit Messern werfen”, erzählt er, bevorzugt auf die Cousine.

Das ist Zirkusleben, alle sind in Bewegung, auch im Winter, schließlich soll die Saison im April beginnen. Je früher es losgeht, umso besser. Allein das Futter verschlingt pro Tag einen Betrag in dreistelliger Höhe. Zeit, dass die Vorstellungen beginnen. „Wir betteln nicht an der Haustür, wenn das Geld knapp ist”, sagt Ramona Tränkler. „Wir sind anständige Leute.” Ein paar Betrüger hatten diesen Trick im Namen des Zirkus probiert. Plötzlich kommt ein Tierpfleger gerannt. „Das Lama hat geworfen.” Auch das ist Zirkus im Winter: Nachwuchs. Denn Lamas, die sonst in den Anden leben, fühlen sich bei Minusgraden offensichtlich wohl.

Im Stall rennt Vater-Lama aufgeregt hin und her. Das Neugeborene liegt im Stroh, beschnuppert von seinen Verwandten. „Lamas sind Herdentiere, da kümmern sich sogar die Tanten um den Nachwuchs”, weiß David Tränkler. Es ist das dritte Kleine in diesem Winter. Das letzte Mal musste es gefüttert werden, weil die Mutter nicht genug Milch hatte. Hoffentlich klappt es diesmal, der Winter hat bestimmt noch ein paar kalte Nächte zu bieten.

Alexandra Trudslev

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