Zerstört nach 180 Jahren

Witten..  Eigentlich haut dieses Haus doch nichts um: 180 Jahre alt ist das „Königliche Schleusenwärterhaus“, gebaut 1835. Durch die Möhne-Katastrophe 1943 wurde die Schleuse zerstört, das Haus hielt dem Hochwasser stand. Aber es verfiel: Erst 2004 verkaufte das Land NRW das stark sanierungsbedürftige Gebäude an die Qualifizierungsgesellschaft Wabe. Den Wiederaufbau begleitete Alfred Frielinghaus, inzwischen längst Rentner, der nun, zwei Tage nach dem Brand in der Nacht zum Samstag, fassungslos vor der Ruine steht.

Die Mitarbeiter der Wabe hatten früh das Potenzial des historischen Gebäudes erkannt: „Es hat eben Lagegunst“, sagt Geschäftsführer Thomas Strauch. In den weiten Ruhrwiesen hält sich die Abendsonne sehr lang. Der Blick auf die Burgruine Hardenstein, das Rauschen der nahen Schleusenanlage, das Sehen-und-Gesehen-werden am Rande des Leinpfads ziehen Besucher an. Über tausend waren es zuletzt an Schönwettertagen. Das Lokal direkt am Ruhrtalradweg als Selbstbedienungsbiergarten zu führen, erwies sich zudem als Glücksgriff.

Auswärtige, vor allem aber die die Wittener lieben ihr Schleusenwärterhaus. Dort wohnte einst der Schleusenwärter (immer war dies ein Wittener), der für die Aufsicht und Bedienung der 1776 errichteten Schleuse zuständig war. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz: Mit seinem Krüppelwalmdach und den grünen Fensterläden wurde es im klassizistisch geprägten Baustil – typisch für die preußische öffentliche Hand – gebaut. Die aktuelle Schleuse ist erst 30 Jahre alt – und im Prinzip nur für das Ausflugsschiff MS Schwalbe in Betrieb.

Als heutigen „Schleusenwärter“ kann man Alfred Frielinghaus sehen. Der 68 Jahre alte einstige Handwerker kümmert sich als „Ruhrranger“ um Radstrecke oder Haustechnik. Alle zwei Tage schaute er in den letzten Monaten im Schleusenwärterhaus nach dem Rechten, heizte kurz durch, damit die Leitungen nicht einfrieren. „Und Anfang Januar habe ich angefangen, es fit fürs Frühjahr zu machen“, sagt er. „Ich war gerade am streichen.“ Eine so lange Winterpause macht das Haupthaus der Ruhrtal-Gastronomie erstmalig. Dafür lässt die Wabe das Alte Zollhaus an der Lakebrücke offen – das Haus ist witterungsunabhängiger.

Frielinghaus hat das Schleusenwärterhaus in den letzten neun Jahren begleitet. „Das herzurichten war eine Heidenarbeit. Die Eichenbalken haben wir ausgetauscht, die waren durchgefault. Es gibt neue Fenster, eine neue Decke, eine neue Küche“, erinnert er sich. Frielinghaus wird hier als „Minijobber“ bezahlt, ist aber ständig rund um das Gebäude zu finden. „Ich hoffe nur, dass die Bauunterlagen erhalten geblieben sind. Und vielleicht kann man ja die Küche noch weiternutzen.“ Was wird denn aus ihm, ohne sein „Baby“?

Nun, das „Alte Zollhaus“ an der nahen Lakebrücke kann sich in diesem Jahr über einen neuen Hausmeister freuen.