Malmsheimer zog beim ZFR-Auftakt vom Leder
20.08.2010 | 17:25 Uhr 2010-08-20T17:25:00+0200
BochumWitten.Das Wetter war prima, entsprechend war die Stimmung: Alles war gut bei der Pre Opening Party des Zeltfestivals Ruhr am – bis Kabarettist Jochen Malmsheimer kam und sein polarisierendes Grußwort hielt.
Als das ZFR 2010 am 19. August mit einer Pre Opening Party eingeläutet wurde, da konnte man von einem kulturellen Klassentreffen reden: Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz, Sparkassen-Vorstand Karl Jochem Kretschmer, Stadtwerke-Chef Dietmar Spohn, Privatbrauer Hugo Fiege, Kulturdezernet Michael Townsend, Ruhr 2010-Geschäftführer Oliver Scheytt – kaum zu glauben, was sich da alles an Prominenz versammelt hatte. 500 „Geladene“ sollen es gewesen sein.
Tradition im Ruhrgebietssommer
bietet ein buntes Programm, z.B. am Samstag Jochen Malmsheimer im Stadtwerkezelt oder Jamie Faulkner auf der Piazza Bühne. Abgerundet wird das Startwochenende am Sonntag durch die Pop-Rock-Helden „Element of Crime“ und die Streetartistenshow Urbanatix. Alle Infos im Internet unter www.zeltfestival-ruhr.de
„Das Zeltfestival ist auf dem besten Weg, sich zu einer Traditionsveranstaltung des Ruhrgebietssommers zu entwickeln“, bemerkte OB Scholz, und schwärmte in ihrem Grußwort von einer „zauberhaften Zeltstadt“, ja von einem „Fixstern der Kultur“. Das hörten alle gerne, weil es sich ja auch gut anhört. Nur der Gastredner des Abends, Kabarettist Jochen Malmsheimer, mochte nicht mitspielen. Statt einige verbindliche Worte unverbindlich aneinanderzureihen, zog er ordentlich vom Leder. Alles bekam sein Fett weg. Zum Cross Border Deal: „Vielleicht hätte man die Verwaltung verkaufen und die Scheiße behalten sollen!“; zum Konzerthaus: „Die Stadt .. verkündet … vollmundig, um nicht zu sagen: großmäulig, die Notwendigkeit zur Installation eines vollkommen unnützen Konzerthauses …, ohne einen Bedarf dafür zu haben“; zum literarischen Geschehen: „Die Bochumer Literatur beschränkt sich auf die Jobsiade und den Jahreskatalog von Reifen Tanski“.
Was darf Satire?
Was die Suada sollte, war nicht jedem sofort klar. Es war ein bisschen so, als überließe man einem Freund die eigene Wohnung, und wenn man aus dem Urlaub zurück kommt, ist sie total verwüstet. Was darf Satire? Oder war’s gar keine?
Wie auch immer, Jochen Malmsheimer hatte den relaxten Abend schwer gerockt. Die Oberbürgermeisterin beschwerte sich bei den Veranstaltern, diese distanzierten sich sogleich von ihrem Gast; in seinem „polarisierenden Vortrag“ habe Malmsheimer „für sich selbst gesprochen“.
10:42
Ich waqr mehr als erfreut, als ich den peinlichen Kommentar unserer OBin hörte, zeigt dies doch, ie gut Malmsheimer getroffen hat.
Leider war diese Rede nur ein Strohfeuer und wird bis zur nächsten Wahl in Vergesseneheit geraten.
Und dies weiß die Verwaltungsobrigkeit... siewird den Weg unbeirrt weiter gehen...
12:11
Starker Tobak, mutig und konsequent.
16:40
Allen Unkenrufen zum Trotz kann man die Rede auch hier nachlesen ... und zwar vollständig.
Ich würde nicht soweit gehen, jeden Satz von Jochen zu unterschreiben. Es gibt da einige Dinge, zu denen habe ich eine andere Einstellung. Aber als solche war die Brandrede Klasse. Einige Monstranzen müssen einfach mal von ihrem hohen Sockel gestoßen werden. Aber bei dem unsouveränen Verhalten derer gegenüber der Kritik ist da wenig Hoffnung. Welch kindischer Versuch, sich beim Veranstalter zu beschweren. Und die Formulierungen zum Kanalgeschäft hätte ich sofort unterschrieben.
Schramm hätte wohl gesagt: Malmsheimer, Sie machen mir Ehre!
14:18
@ Fan von Malmsheimer: Danke, besser kann mans nicht auf den Punkt bringen!
Und nochmal: daß man JMs Rede in anderen Blättern suchen musste, da die WAZ nicht die Eier hatte den zu veröffentlichen gibt schwer zu denken...
14:07
UND JETZT KOMMEN NOCH MINDESTENS 12 MILLIONEN € DAZU!
12:21
Bitte haltet den Vortrag von Malmsheimer wenigstens bis zur nächsten Kommunalwahl für die Wähler in Erinnerung!
06:54
Mit ihrer Beschwerde hat die unsägliche Ottilie nur gezeigt, welch abstruses Selbstverständnis sie von Denmokratie und geborgter Macht hat. Dieses Verhalten ist zwar einer S o z i a l d e m o k r a t i n nicht würdig; aber es zeigt, wie groß der Realitätsverlust dieser zu Großmannssucht neigenden provinz-Politikerin tatsächlich ist.
Genauso wie der Kommentar. Boebers-Süßmann sollte mal bei Tucholsky nachschlagen, um zu erfahren, wie bitter Ironie und scharf Satire sein kann und wohl auch muß. Malmsheimer ist einer der wenigen wirklichen Nachwuchs-Kabarettisten, die mit höchster Wortakrobatik die Menschen mitnimmt in die Welt des realen Wahnsinns. Nicht mehr undnicht weniger hat er getan. Denn die Vorlage zu dieser köstlichen Eulenspiegelei ala Malsmheimer hat schließlich die nun beleidigte Ottilie höchst selbst geliefert. Sie müßte sich eigentlich bei sich selbst beklagen, doch diese Einsicht fehlt der Dame. Wie eben auch dem WAZ-Redakteur, dem noch mit auf seinen journalistischen Weg gegeben sein sollte, dass Qualitätsjournalismus wohl anders funktioniert, als einer durchgeknallten Oberbürgermeisterin die Stange zu halten. Will sagen: Wenn nur noch redaktionelle Praktikantenstadl Artikel wie den oben stehenden zur Leserschaft transportieren, dann bedarf es wahrlich sehr vieler Malmsheimer, um wieder zu erfahren, was wirklich los ist in Stadt und Land...
22:39
Eine tolle Rede. Exzellent platziert. Wie kann jemand auf die Idee kommen, diese Grußworte als Satire zu bezeichnen? Jeder einzelne Satz bezeichnet die Realität. Zu meinem Bedauern, ja, zu meinem Entsetzen wird auch ein solch klares Wort an keiner Stelle zum Nachdenken anregen, auch wenn es so dringend notwendig wäre. Bochum ist einfach nur noch peinlich. Bochum - Kulturhauptstadt 2010? Lächerlich! Man kann sich darin flüchten, diese Rede als Satire zu bezeichnen, die Realität zu ignorieren. Als Wattenscheider habe ich glücklicherweise noch eine andere Ausrede, in dem ich behaupte, nichts damit zu tun zu haben. Aber, mal ernsthaft: Der Schwachsinn in Bochum muss doch mal ein Ende haben. Quo Vadis, Frau Dr. Scholz?
21:16
Es handelte sich nicht um eine Suada, auch wenn es geheimnisvoll klingt, sondern um eine Brandrede!
Da ich aber nicht den Oberlehrer machen möchte, bedaure ich nur, nicht dabei gewesen zu sein, obwohl ich als Anwohner des Kemnader Sees durch den Lärm dieses Festivals erheblich belästigt werde.
Tja, gekränkte Eitelkeit der Promis kann anscheinend sehr weh tun!
Gute Kabarettisten werfen nun mal nicht mit Wattebäuschen.....
15:04
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