Zehn Jahre Streife auf vier Pfoten

Endgültig Schicht war am Freitag für den elf Jahre alten Shadow. Der Schutzhund der Polizei Bochum geht nach zehn Jahren Verbrecherjagd auf vier Beinen in den Ruhestand. „Elf Jahre sind ein hohes Alter für einen Schutzhund“, sagt Polizeisprecher Volker Schütte. „Er hat seine Schuldigkeit getan.“

Seit September 2005 war der Rüde aus der Rasse „Hollandse Herder“ auf den Straßen von Witten, Herne und Bochum unterwegs gewesen – immer mit Hundeführerin Sandra Trippe (42). Die Hauptkommissarin zog zig mal mit ihrem tierischen Kollegen um die Häuser: Auf Streife, gerne auch nachts. Dabei hat das Duo einige Straftäter festgenommen: Einen Kupferdieb in der Jahrhunderthalle in Bochum, den Shadow in Schach hielt, obwohl der Langfinger auf ihn einprügelte. Einen unflätigen Fußballfan in Herne, der sich nicht zähmen lassen wollte. Und vor rund vier Jahren den Einbrecher am Crengel­danz in Witten, der ohne Shadow vielleicht nie aufgespürt worden wäre.

Kommt alle mal her!

Was war da passiert? In einer Waschanlage gingen am 20. August 2010 am frühen Morgen die Sirenen los. Die Polizei raste hin und fand ein aufgehebeltes Fenster, davor einen verwaisten Rucksack. Plötzlich tauchte ein Mann auf und rannte zur Waschstraße. Ein Fall für Shadow: Denn obwohl die Polizisten das Gelände gründlich abgesucht hatten, war von dem Einbrecher nach wenigen Augenblicken nichts mehr zu sehen und zu hören.

Shadow schnüffelte sich durch die Waschstraße. Und siehe da: Eine Schmutzwasserablaufrinne, die mit einem Gitter abgedeckt war, ließ den Vierbeiner nicht los. „Wuff, Wuff!“ (Frei übersetzt: Kommt alle mal her!). Als die Polizisten in der 50 Zentimeter tiefen Rinne nachschauten, fanden sie darin den Übeltäter. Er war 41 Jahre alt, kam aus Düsseldorf und stank bestialisch – was nach dem Einsatz auch für Shadow galt. Aber geschenkt, der tüchtige Polizeihund schaffte es nach dieser Heldentat sogar in die Zeitung. „Shadow entdeckt Einbrecher in Schutzwasserablaufrinne einer Waschstraße“, titelte die Presse.

Für Hundeführerin Sandra Trippe war dieser Einsatz nur einer von vielen, an die sie sich gerne erinnert. „Ich konnte und kann mich immer auf Shadow verlassen“, sagt die Polizeihauptkommissarin. Und wie wird der Ruhestand von Shadow aussehen? Natürlich verbringt er seinen neuen Lebensabschnitt weiterhin im Haus seiner Chefin, die sich ein Leben ohne ihren Schatten gar nicht mehr vorstellen kann. „Wir beide waren und sind ein eingespieltes Team“, sagt die Beamtin. Das jetzt noch größer wird.

Denn seit zwei Jahren gibt es im Hause Tippe tierischen Nachwuchs. „Tacker“ (3), ebenfalls ein „Hollandse Herder“, wird bei der Polizei Bochum die Nachfolge von Shadow antreten. Und in Zukunft sicher noch öfter bei Einsätzen auch in Witten, Herne und Bochum zu sehen sein. Dennoch: Ein Schattendasein wird Shadow im Leben von Sandra Trippe bestimmt nicht führen. „Dafür haben wir zwei viel zu lange zusammen Verbrecher gejagt.“