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Zarte Töne zu bissigen Zeilen

14.02.2016 | 18:06 Uhr
Zarte Töne zu bissigen Zeilen
Basta: Die Kölner erzeugten im Saalbau verschiedenste Rhythmen nur mit Hilfe ihrer Stimmen. Fotos:Jörg Schimmel

Witten.   Die A-cappella-Band „Basta“ versucht sich schon mal an schwarzem Humor. Tiefgründig war das nicht immer. Im Saalbau gab’s dennoch kräftigen Applaus.

„Basta“ zu Gast im „Venedig des Ruhrgebiets“: Die A-cappella-Band versuchte am Samstagabend ihre Wittener Zuhörer mit witzigen Moderationen zu amüsieren. Das wirkte manchmal etwas gewollt, aber schließlich waren die Fans ja auch nicht wegen der Ansprachen hier. Im Saalbau, der weniger gefüllt war als erwartet, stellten die Musiker ihr neues und siebentes Album „Domino“ vor.

Technisch zeigten sich die fünf dabei sehr begabt: Die Kölner erzeugen verschiedenste Rhythmen nur mit Hilfe ihrer Stimmen. Instrumente? Brauchen die Herren nicht. Was sie dabei mit ihren Mündern, Rachen und Zwerchfellen so anstellen, ist geradezu Stimmenakrobatik. Mindestens einer von ihnen begleitet dieses „Beatboxing“ jeweils gesanglich. Ihre Texte schreiben die Musiker selbst und stets auf Deutsch.

Gondoliere muss dran glauben

Unter ihre oft sehr zarten Töne und seichten Melodien mischen Basta, die bereits beim ZDF-Fernsehgarten und bei Carmen Nebel aufgetreten sind, mitunter sehr makabere Zeilen. In einem Lied über einen lästigen Gondoliere in Venedig legen die Sänger ihm nahe, sich „zu verpissen“ und lassen ihn schließlich im Wasser ertrinken. Erst als die fünf am Ende sein Röcheln nachahmen, sind Sound und Inhalt wieder eins. Basta erntet einige derbe Lacher dafür, andere klatschen eher nur mau.

In dem Lied „Vorband“ zeigt sich die Gruppe, die sich im Jahr 2000 gegründet hat, selbstironisch. Die meisten Pointen der Texte gehen aber auf Kosten anderer: Mal wird der Liedermacher Reinhard Mey karikiert, mal landet der Drink eines anderen im Dekolleté der Frau, die ein Bandmitglied hat abblitzen lassen.

Liebe kommt schlecht weg

Überhaupt kommt die Liebe nicht so gut weg bei den fünf jungen Männern: „Von der Mosel bis zur Neiße – die Liebe ist scheiße“, heißt es in einem Song. Den Humor der Lieder muss man allerdings mögen. Großzügig bedienen sich die Sänger gängiger Klischees und raten schon mal, man(n) solle zu seiner Frau, um Beziehungsproblemen vorzubeugen, einfach immer sagen „Ich hab Unrecht, Du hast Recht.“

Sie wollen weder kompliziert sein, noch große Kunst machen und singen: „Tut etwas sehr bedeutungsvoll, ist es nicht automatisch toll.“ Auf der anderen Seite ist etwas aber auch nicht notwendigerweise gut, nur weil es seicht ist. Und so bleibt Bastas Musik ihrem Anspruch „Es ist nur A-cappella“ gerecht. Schade eigentlich.

Ein bisschen Tiefgang könnte das Genre vielleicht mal aus seiner Abseitsposition befreien. Großen Applaus gab es für die Band im Saalbau dennoch.

Cindy Riechau

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2016-02-14 18:06
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