Zahl der Verkehrstoten ist sprunghaft gestiegen

Frontalunfall auf der Wettertraße im April 2014: Eine Beifahrerin (73) starb an den Unfallfolgen.Foto:Polizei
Frontalunfall auf der Wettertraße im April 2014: Eine Beifahrerin (73) starb an den Unfallfolgen.Foto:Polizei
Was wir bereits wissen
In Polizeibezirk Bochum waren 2014 zwölf Unfallopfer zu beklagen – nach vier Toten im Vorjahr. In Witten starben zwei Menschen auf der Straße.

Witten..  „Zwei Herzen schlagen in meiner Brust“, sagte Polizeipräsidentin Diana Ewert am Montag in Bochum mit Blick auf die Unfallbilanz 2014. Seit Jahren rühmt sich ihr Bezirk, eine der sichersten Regionen in NRW zu sein. Gemessen an der Bevölkerungszahl ist das Risiko, bei einem Unfall verletzt zu werden, in keinem anderen der 46 Polizeibezirke so gering wie in Bochum, Witten und Herne. 2014 zählte man hier 1264 Unfälle mit Personenschaden, 2010 waren es noch 1439.

Dann kam Ewert zu der „bitteren Entwicklung“: Bei den Verkehrstoten gebe es leider erstmals seit 2007 wieder eine „zweistellige Zahl“. Zwölf Menschen ließen 2014 auf den Straßen der drei Städte ihr Leben. Dabei hatte das Präsidium im Vorjahr noch einen Tiefststand von vier Toten (2013) melden können.

Für die tödlichen Unfälle 2014 ist kein festes Muster erkennbar. „Es handelt sich um eine Häufung tragischer Einzelfälle“, so Ewert. Trotzdem kann man aus jedem eine Lehre ziehen – jeweils eine andere. Witten ist mit zwei Toten an dieser traurigen Statistik beteiligt. Im April 2014 geriet ein 77-Jähriger auf der Wetterstraße hinter der S-Kurve in den Gegenverkehr. Seine Ehefrau (73) erlag den Folgen des Frontalunfalls. Der entgegenkommende Fahrer (23) wurde schwer verletzt. Der 77-Jährige selbst starb später im Krankenhaus – aber nicht an den Unfallverletzungen. Er hatte direkt vor dem Unfall eine spontane Beeinträchtigung erlitten – vermutlich einen Schlaganfall. Die Polizei ist weit davon entfernt, Senioren generell zum Führescheinverzicht zu raten. Die über 65-Jährigen stellen im Bezirk 21,6 Prozent der Bevölkerung, aber nur 13,5 Prozent der Unfallverursacher. Doch: Nur wer sich wirklich fit fühle, solle sich ans Steuer setzen. Außerdem müsse man geeignete Hilfsmittel – Hörgerät und passende Brille – auch tatsächlich in Anspruch nehmen.

Der zweite Wittener Unfalltote ist der 62-jährige, der im November laut Polizei mit 2,01 Promille bei Dunkelheit, ohne auf den Verkehr zu achten, über die Ardeystraße (Nähe Boni) gehen wollte. Er wurde vom Pkw eines 26-Jährigen erfasst, starb später im Krankenhaus.

Eine Wittenerin (46) war laut Polizei zudem Verursacherin des Unfalls mit zwei Toten in Langendreer im März 2014. Sie geriet angeblich, weil sie sich von einer SMS ablenken ließ, auf die falsche Seite, wurde beim Frontalunfall selbst schwer verletzt, im anderen Auto starben zwei Bochumer (77 und 86 Jahre). Sie machte bisher keine Angaben, steht im März vor Gericht. Für Franz Koriath, Leiter der Direktion Verkehr im Präsidium, ist dieser Unfall „ein krasses Beispiel dafür, dass Ablenkung tödlich sein kann“.