Woran Palmzweige uns erinnern

Bei uns finden wir sie selten am Straßenrand. Vielleicht stehen sie dekorativ in Wohnzimmerecken und erinnern uns an Urlaub: Palmen.

Und doch ist der Sonntag vor Ostern nach ihnen benannt. Am Palmsonntag erinnern sich Christen aller Konfessionen an den Tag, an dem Jesus in Jerusalem einzog. Die Menschen begrüßten ihn euphorisch, breiteten ihre Umhänge wie einen roten Teppich vor ihm aus und rissen Zweige von den Palmen. Damit setzten sie ein politisches Zeichen. Palmzweige waren damals ein Siegeszeichen, ein Symbol für die Befreiung von den Unterdrückern. „Rette uns doch! Hosianna!“, riefen daher auch die Leute. „Du bist unser König!“

Sprechchöre wie im Fußballstadion, Euphorie, die große Masse in Verzückung. Und wie reagiert Jesus? Er setzt ein Zeichen, ein Zeichen der Sanftmut. Er setzt sich auf einen jungen Esel. Damit knüpft er an eine Weissagung an: „Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm und reitet auf einem Esel.“

Ob die Leute das verstanden haben? Ein Herrscher, der auf Kriegsgerät und Streitrösser verzichtet. Wann setzen die Herrschenden unserer Zeit Friedenszeichen? Oder ist es an uns, wieder Palmzweige als Siegeszeichen zu schwenken? Schließlich glauben wir daran, dass Gewalt und Hass nicht das letzte Wort haben. Wir glauben, dass Gottes Liebe den Tod überwindet. Ihren Sieg feiern wir eine Woche später an Ostern.
Adelheid Neserke, Pfarrerin