Wo Sechsjährige in Witten Französisch lernen

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Was wir bereits wissen
In einer AG an der Hüllberg-Grundschule macht Pascale Blömeke schon die ganz Kleinen mit der fremden Sprache vertraut. Warum viele von ihnen auch in der weiterführenden Schule beim Französischen bleiben

Witten..  Steckt das Französische in der Malaise? Alle Wittener Schüler lernen ab dem 1. Schuljahr Englisch. Am Gymnasium folgen Latein oder Französisch, mitunter auch Spanisch. Wenn es nach Pascale Blömeke geht, sagen viel zu viele Schüler „Non“ zu der schönen Sprache mit der schwierigen Aussprache. An der Hüllberg-Grundschule gibt sie deswegen seit neun Jahren eine Französisch-AG. Gestern wurde es besonders lebendig – da kam ein echter Franzose in seinem „France-Mobil“ vorbei.

Lehrerin stammt aus Saintes

Wie heißt so einer wohl? Der 24-Jährige mit dem Kapuzenpulli lässt die 15 Hüllbergschüler erst einmal raten. Pierre? Lucien? Maxime? Nein, er heißt Morgan Ringot. Morgan? Da wäre nicht mal AG-Leiterin Pascale Blömeke drauf gekommen! Die 52-Jährige stammt aus Saintes und kam der Liebe wegen nach Witten. Mit ihren drei Kindern spricht sie sowieso Französisch. Als die Erzieherin dann in der Offenen Ganztags-Betreuung an der Annener Grundschule anfing, lag es nahe, dort auch eine AG anzubieten.

Was macht sie da so? „Wir lernen die Zahlen, die Farben, malen oder singen Lieder.“ Bleibt denn auch was hängen? „Aber sicher“, sagt die zierliche Frau mit den dunklen Locken. Wie geht es, wie alt bin ich, sowas könnten die Schüler sagen. Sie antworten auch mit „Oui“, „Non“ oder „Bof“ – so lala. Ganz spielerisch geht das, und ganz viele machen mit: Mittlerweile unterrichtet sie einmal in der sechsten Stunde und einmal nachmittags für die Betreuungskinder. „Ich mache mit, weil meine Mutter auch mal Französischunterricht hatte“, erzählt Amelie (7). Iris (8) macht mit ihrer Familie manchmal Urlaub am Meer. Und Julia (7) hat sogar eine französische Oma.

„France-Mobil“ mit Muttersprachler

„Viele Kinder, die hier anfangen, wählen nachher auch Französisch an einer weiterführenden Schule“, sagt Petra Offermann, die für die Awo die Angebote in den Schulbetreuungen organisiert. Einen Kurs wie an der Hüllbergschule würde sie gern auch an anderen Grundschulen anbieten.

Weil das Projekt an der Hüllberg-Schule so gut läuft, schicken die Französische Botschaft und die Robert-Bosch-Stiftung einmal im Jahr das „France Mobil“ vorbei: das ist ein Peugeot mit einem Muttersprachler darin, der einen Tag lang in der Fremdsprache unterrichtet. Morgan Ringot studiert und unterrichtet seit vier Jahren in Deutschland und erhielt nun das einjährige Stipendium. Im Wechsel mit seiner kanadischen Kollegin geht er auf Reisen, die Warteliste ist lang. „Wir fahren überall hin, vom Kindergarten bis zum Berufskolleg“, sagt er.

Alles andere als „bof“

Vor Ort spricht er ausschließlich Französisch. Wie gut das klappt! „A toi“, sagt er, und gibt einem Mädchen einen Farbenwürfel. Sie würfelt orange. „On mange“, reimt Monsieur Ringot. Jaune. „On téléphone!“ Rouge. „On bouge!“ (Orange – wir essen, gelb – wir telefonieren, rot – wir wackeln.) „Macht Spaß“, sagt Amelie. Französisch ist eben alles andere als bof.