Wo Künstlerherzen höher schlagen
23.08.2011 | 17:19 Uhr 2011-08-23T17:19:36+0200
Witten.Ran an die Pinsel oder Zeichenstifte und flugs ein pfiffiges Motiv auf die Leinwand oder zu Papier gebracht! Diese Anregung sollten jetzt Profi-Künstler beherzigen. Denn die Firma Boesner, Europas Marktführer in Sachen Künstlerbedarf mit Hauptsitz im Herbeder Gewerbegebiet Westerweide, ruft einen neuen Kunstpreis ins Leben.
Bewerbungen für den „Boesner Art Award 2012“ sind vom 1. September bis 30. November möglich (Näheres siehe Infokasten). Und für die ersten drei Plätze winken Preisgelder von 10 000, 5000 und 2500 Euro.
Aber der neue Kunstpreis ist nur eine von vielen zündenden Ideen, durch die das Unternehmen in fast 30 Jahren zu seiner heutigen Stärke heranreifte. Neben dem Direktverkauf und europaweiten Vesandhandel von fast 30 000 verschiedenen Artikeln des Kunstbedarfs zählen auch ein Rahmungsservice, integrierte Cafés oder Künstlerkurse dazu.
Aktuell beschäftigt die Boesner-Gruppe rund 700 Mitarbeiter in 37 Niederlassungen. Außer in Deutschland (unter anderem in Berlin und München) finden sich inzwischen Filialen in Österreich, der Schweiz und Frankreich. Die neueste entstand im Januar dieses Jahres in Paris. „Und 2012 soll die Expansion in Europa weitergehen“, sagt Frank Mirko Meurer (44), der seit Anfang 2011 Geschäftsführer der Boesner Holding ist. Diese steuert von Witten aus die Unternehmensgruppe. Sie zählt inzwischen rund eine Million registrierter Kunden.
Viele davon seien dem Haus „seit vielen Jahren verbunden“, so Meurer. Wohl auch, weil das Unternehmen dem Gründergeist von Wolfgang Boesner (60), „ganz nah am Künstler“ zu sein, treu geblieben wäre, meint der Holding-Chef.
Läden boten nur dürre Auswahl
Schließlich hatte der gelernte Kaufmann Wolfgang Boesner - der sich, ebenso wie sein Bruder Klaus (55), inzwischen aus dem operativen Geschäft zurückgezogen hat - selbst mit heißem Herzen in den 80er Jahren in die Maler- und Bildhauertätigkeit gestürzt, als er in Bochum ein Atelier eröffnete. Auch aus Ärger darüber, dass die umliegenden Läden nur eine dürre Auswahl an Künstlerbedarf für ihn bereit hielten, gründete er dann sein eigenes Unternehmen.
Und beim Gang durch die Verkaufsräume an der Gewerkenstraße dürfte jetzt so manches Künstlerherz höher schlagen: Da finden sich etwa reine Pigmente zum selber Anmischen oder fertige Farben aller Arten und Abstufungen. Da erstreckt sich ein Sortiment an Pinseln gleich über eine ganze Wand: Vom kleinen-feinen, dessen Haare sich fast einzeln abzählen lassen, bis zum halbmeterlangen, der fast schon wie ein Degen über die Leinwand zu führen ist.
Im Wittener Großhandel ist die künstlerische oder gewerbliche Tätigkeit Voraussetzung, um Kunde zu sein. In anderen Filialen, etwa am Prenzlauer Berg in Berlin, kann jeder kaufen. In der „weiten Boesner-Welt“, so Meurer, werde das unterschiedlich gehandhabt.
Auch prominente Künstler wurden regelmäßig in den verschiedenen Filialen gesichtet: von Jonathan Meese über Emil Schumacher und Kuno Gonschior. „Künstler lieben es, ihre Farben selber zu mischen, weil sie wissen, dass dann nichts drin ist außer Pigment und Binder“, erzählt Verkaufsleiterin Anke Schürmann (44), die seit 25 Jahren im Unternehmen ist.
Und welche Farbe ist besonders beliebt? Schürmann antwortet lachend: „Blau geht immer!“
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