Wittens Große Koalition wünscht sich Kormarkt aus einem Guß

Siegerentwurf aus dem Gestaltungswettbewerb für den Kormarkt: Vorschlag des Kallsler Planungsbüros Baufrösche. Dieser bakam bei der Bürgerbefragung 622 Stimmen (38 %). Die Politik schloss sich der Bürgermeinung an.
Siegerentwurf aus dem Gestaltungswettbewerb für den Kormarkt: Vorschlag des Kallsler Planungsbüros Baufrösche. Dieser bakam bei der Bürgerbefragung 622 Stimmen (38 %). Die Politik schloss sich der Bürgermeinung an.
Foto: Fremdbild
Was wir bereits wissen
Auch deshalb verzögert sich Neugestaltung. Gebäudeinvestor soll Platz mitplanen, eventuell auch bauen.

Witten..  Schon seit 2012 – dem Wegzug des Busbahnhofs – wird der Kornmarkt als Parkplatz genutzt. Bürger fragen immer wieder: Wie lange noch? Die europaweite Ausschreibung für eine Neugestaltung der Filetfläche in der City lässt auf sich warten.

Vor knapp zwei Jahren lag das Ergebnis einer Online-Bürgerbefragung vor: 38 Prozent gaben dem Entwurf der Kasseler Baufrösche den Vorzug. Frühestens 2017 könnten die beiden privaten Gebäude stehen, der Bau des öffentlichen Platzes dann beginnen, lautete die letzte Prognose. Auch die dürfte zu optimistisch ausgefallen sein.

Dass sich das Projekt in die Länge entzieht, löst weder bei SPD noch CDU Empörung aus. „Zwei bis drei Jahre Planung für ein solches Vorhaben, das läuft doch bisher gut“, sagt SPD-Fraktionsvize Uwe Rath, Vorsitzender des Stadtentwicklungsausschusses. Stadtplanung und Wirtschaftsförderung müssten unter einen Hut gebracht werden. Zweimal hat die Politik selbst in den städtischen Fahrplan eingegriffen.

Die Stadt wollte vor einer Ausschreibung zuerst den Baufrösche-Entwurf weiter ausarbeiten lassen. Die Anordnung der Baukörper, ihre markante Löcherfassade, Dachneigung, Sichtachsen, das angeschrägte Grün und der Sackträger sind gesetzt. Aber der Plan lässt viele Fragen offen: Wie sieht die Tiefgarage aus, ihre Zufahrt, der Platz selbst, wo halten die Busse? Bis zur möglicherweise wieder hochsensiblen Frage eines Haltestellendaches . . .

„Je mehr man aber draufsattelt, desto dünner wird die Luft, einen Investor zu finden“, meint Uwe Rath. Deshalb beauftragte die Politik die Stadt im November 2013, die Kornmarktbebauung – veräußert werden nur die Grundstücke für die beiden Gebäude – ohne diese weiteren Vorplanungen auszuschreiben.

Dann sattelte die Große Koalition im November 2014 noch etwas drauf: Der Investor soll nicht nur die beiden Neubauten planen und bauen, er soll auch den öffentlichen Platz mindestens planen, also orientiert am Baufrösche-Entwurf ein detailliertes Gestaltungskonzept vorlegen. Und: Ein zweites Kaufpreisangebot sollen alle Bewerber für den Fall vorlegen, dass sie zusätzlich den Bau des Platzes übernehmen. Die Große Koalition wünscht sich einen Kornmarkt aus einem Guss. Und die Stadt hat in den nächsten Jahren möglicherweise kein Geld, den Platz selbst zu bauen.

An den Feinheiten der Doppel-Ausschreibung arbeitet die Stadt. Im Frühjahr will damit in die Politik gehen. Die Ausschreibung muss EU-Recht entsprechen. Man ahnt: Bis zur Realisierung parken noch viele Autos auf dem Kornmarkt.