Wittenerinnen tanzen gegen Gewalt an Frauen an

Beim Aktionstag gegen Gewalt an Frauen auf dem Berliner Platz in Aktion: das Tanztheater Abrakadabra.
Beim Aktionstag gegen Gewalt an Frauen auf dem Berliner Platz in Aktion: das Tanztheater Abrakadabra.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
„One Billion Rising“: Der weltweite Aktionstag gegen Gewalt an Frauen lockte viele Wittenerinnen auf den Berliner Platz.

Witten..  Die Trommeln sind schon von weitem zu hören. Nähert man sich dem Berliner Platz, fällt sofort die große Menschentraube rund um den aufgebauten Pavillon auf – manche tanzen oder trommeln, viele reden, einige tragen gelbe Warnwesten. Passanten bleiben stehen – Ziel erreicht.

Mit der Straßenaktion bringen der Soroptimist Club Witten Ruhr und die Gleichstellungsstelle der Stadt ein Tabuthema an die Öffentlichkeit: Gewalt gegen Frauen. Dass man sich diesem ernsten Thema nicht nur mit Vorträgen und Infoflyern nähern kann, zeigt die Aktion „One Billion Rising“ („Eine Milliarde erhebt sich“). Es ist eine inzwischen weltweite Kampagne, die in den USA begann. Das Besondere: Frauen in vielen Städten sind eingeladen, an diesem Tag raus zu gehen und zu tanzen.

Auch auf dem Berliner Platz drehen sie sich im Takt der Musik. Viele von ihnen gehören zu den Wittener Soroptimistinnen. Diese setzen sich für die Rechte der Frauen ein, natürlich nicht nur heute, sondern ganzjährig. Trotzdem ist der jährlich stattfindende Aktionstag „One Billion Rising“ ein wichtiger Termin, wie Soroptimistin Edeltraud Priddat erklärt: „Der Tag wurde bewusst auf den 14. Februar, also den Valentinstag, gesetzt. Denn das ist der Tag der Liebenden.“ Damit meint sie nicht nur Verliebte, sondern alle Menschen. „Und da passt Gewalt einfach nicht rein.“

Statt roter Rosen gibt es am Samstag also Tänze als Zeichen gegen Gewalt. Dafür hat die Tanzgruppe „Abrakadabra“ eine Choreographie zur diesjährigen „One Billion Rising“-Hymne eingeübt. Kraftvoll stampft sie zum Refrain des Liedes „Spreng die Ketten“ mit den Füßen auf – mit einer Energie, die ansteckt.

Auch Cornelia Prill, die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt, steht am Rand und klatscht mit. Sie weiß, wie schwer es betroffenen Frauen fällt, aus dem verborgenen Kreislauf der Gewalt auszubrechen, aber „wenn wir nur eine Frau pro Aktion erreichen, so dass sie den Schritt aus der Anonymität wagt, haben wir viel erreicht.“

Vor der eigenen Haustür anfangen

Weltweit werde jede dritte Frau im Laufe ihres Lebens geschlagen, bedroht oder vergewaltigt. Da fängt man mit dem Kampf gegen Gewalt am Besten vor der eigenen Haustür an. „Meine Utopie ist es, die Gewalt an Frauen und Mädchen konkret hier in Witten zu reduzieren. Und unsere Botschaft dann natürlich auch in die Welt hinauszutragen“, sagt Edeltraud Priddat. Mit der Aktion „One Billion Rising“ stoßen die Soroptimistinnen jedenfalls auf offene Ohren. Die Stimmen der Umstehenden sind durchweg positiv. Christina Otto (43) schaut ihrer 17-jährigen Tochter Aileen beim Tanzen zu. „Die Aktion setzt wirklich ein großes Zeichen. Es ist gerade auch für die jungen Mädchen wichtig, einen offenen Umgang mit diesem Tabuthema zu pflegen.“

Auch Bettina Hackrodt (45) ist samt Freund und Sohn auf den Berliner Platz gekommen. Sie las von der Aktion „One Billon Rising“ im Internet und ist begeistert: „Ich finde es toll, dass sich hier Männer und Frauen gegen Gewalt auflehnen. Und dass das auch noch mit Musik und Tanz funktioniert ist stark!“