Wittenerin schreibt Geschichte einer dramatischen Flucht

Die Wittenerin Petra Liermann hat einen Roman über ihr Leben in Ägypten geschrieben.
Die Wittenerin Petra Liermann hat einen Roman über ihr Leben in Ägypten geschrieben.
Foto: Funke Foto Services
Petra Liermann hat zehn Jahre in Ägypten gelebt, musste dann mit ihrer Tochter fliehen.Aus ihren Erlebnissen hat sie nun einen Roman gemacht.

Witten..  Die Landschaft. Das Meer. Die Menschen: Ägypten ist für Petra Liermann ein absolutes Traumland. Hier will sie leben, hier will sie bleiben. Eigentlich. Doch ihre Ehe endet in einer Katastrophe, die Wittenerin muss mit ihrer kleinen Tochter fliehen. Aus ihrer abenteuerlichen Reise hat die 43-Jährige jetzt ein Buch gemacht. Der autobiographische Roman „Sand in ihren Schuhen“ erscheint am 2. März.

Ein guter Job, Beamtin auf Lebenszeit: Petra Liermann hat schon einiges erreicht, als sie 2002 beschließt, nach Ägypten zu gehen. „Ich dachte, immer nur arbeiten – das kann doch nicht alles sein.“ Sie nimmt ein halbes Jahr unbezahlten Urlaub, heuert in dem Hotel als Gästebetreuerin an, in dem sie zuletzt Urlaub gemacht hatte. Bald verliebt sie sich Hals über Kopf in einen Ägypter, heiratet, bekommt eine Tochter, kauft eine schöne Wohnung mit Meerblick. Als Ehemann Sayed dann noch einen neuen Job beim Schweizer Kinderhilfswerk annimmt, scheint das Glück perfekt. Doch ausgerechnet dieser Job bedeutet den Anfang vom Ende. Sayed kümmert sich intensiv um Halbwaisen. Zu intensiv, wie sich dann herausstellt.

Plötzlich nur noch Zweitfrau

Dass er sich sehr um eine 16-Jährige kümmert, belastet die junge Ehe schon eine Weile, bis der Ägypter zugibt, mit ihr geschlafen zu haben. „Und das heißt in Ägypten: Du musst das Mädchen heiraten“, erklärt Liermann. Für sie bricht eine Welt zusammen: Sayed nimmt sich eine Zweitfrau. „Doch selbst da hab ich immer noch gedacht, das geht vorbei, wir kriegen das irgendwie hin – so bin ich eben erzogen.“

Es geht nicht vorbei, es wird schlimmer. Als Sayed Petra Liermann schließlich im Jahr 2011 einschließt und schlägt, weiß sie, dass sie fliehen muss. Es gelingt ihr – mit ganz viel Planung, Hilfe, Glück – und dank der Tatsache, dass die Computer am Flughafen beim Einchecken ausgefallen sind: Petra Liermann und ihre Tochter Mariam stehen auf keiner Datenliste, können der quasi lückenlosen Überwachung so entgehen.

Kein Job, keine Wohnung

Zurück in Witten steht Petra Liermann vor dem Nichts. Kein Job, keine Wohnung, Drohanrufe – und dazu das traumatisierte Kind, das viel zu viel miterlebt und gesehen hat. Doch sie steckt den Kopf nicht in den Sand: Besorgt sich einen Kredit, um die Scheidung bezahlen zu können, fängt an zu schreiben und bildet sich gleichzeitig in der Kunst des Reiki – Energieübertragung durch Handauflegen – weiter. Im Sommer 2014 erscheint ihr Buch im Selbstverlag, sorgt bereits für Aufsehen. Jetzt wird es im Franzius-Verlag auf den Markt kommen. „Lustig, spannend, ein echtes Drama – aber auch die Geschichte einer Selbstfindung“, so beschreibt die Autorin ihr Werk. Das ist ihr wichtig: „Auch wenn die äußeren Umstände noch schwierig sind – innerlich sind wir jetzt glücklich hier.“ Und sie hofft, dass ihre Erfahrungen nun auch anderen helfen können.

Info: Sand in ihren Schuhen. Franzius-Verlag, 406 Seiten. Preis noch nicht bekannt.