Wittenerin kehrt nach 53 Jahren zurück in die Heimat

Isolde Sültemeyer (68) besucht ihre ehemalige Wirkungsstätte, das Schiller-Gymnasium.
Isolde Sültemeyer (68) besucht ihre ehemalige Wirkungsstätte, das Schiller-Gymnasium.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Als 16-Jährige verließ Isolde Sültemeyer (68) die Ruhrstadt in Richtung Australien. Was außer Freundinnen und Erinnerungen bleibt

Witten..  Es ist 18 Uhr, die Glocken der Johanniskirche läuten. Auf dem Rathausplatz bleibt Isolde Sültemeyer (68) stehen und lauscht. „Hach! Das ist Heimat. Sowas vermisse ich in Australien immer wieder“, sagt sie entzückt.

Die gebürtige Wittenerin verließ die Ruhrstadt schon 1962 in Richtung Sydney. „Meine Mutter und ich folgten damals meinem Bruder“, erinnert sie sich. Bruder Manfred Mey lebt mittlerweile schon seit vielen Jahren in Hamburg. Zum Besuch der Schwester ist der 78-Jährige aber auch noch mal zurück ins Ruhrgebiet gekommen.

Sechs Wochen auf dem Meer

Gemeinsam sitzen die Geschwister in einem Café vor dem Rathaus und erinnern sich: „Ich wollte damals Englisch lernen und fragte einen Freund aus Großbritannien um Rat“, erzählt Mey. Australien warb um Einwanderer. „Für nur 150 Mark konnte man nach Down Under“, erzählt er. Doch es gab zwei Haken: Man musste sich für zwei Jahre verpflichten, und die Reise ging mit dem Schiff – das dauerte sechs Wochen. Jung und mutig ging Mey in Cuxhaven 1961 an Bord.

Den Seeweg nahm auch Isolde Sültemeyer mit ihrer Mutter. „Ich weiß noch, wie unser Schiff in Sydney einfuhr: Die Harbour Bridge vor uns, das bekannte Opernhaus gerade im Bau“, blickt sie zurück. Als 16-Jährige hatte sie ihre Heimatstadt hinter sich gelassen; und die Mädchen-Schule, das Schiller-Gymnasium. „Wir haben die Schule überhaupt nicht gemocht“, sagt sie lachend – darüber sei sie sich auch heute noch mit ihren alten Schulfreundinnen einig. Diese treffen sich noch immer regelmäßig, jetzt gehört auch Sültemeyer wieder zu dem Damenkreis.

Studium mit Blick aufs Opernhaus

Denn während der Bruder über Indien und Kanada wieder zurück nach Deutschland einwanderte, blieb seine jüngere Halbschwester vorerst in Sydney. Sültemeyer studierte an der Musik-Universität im Botanischen Garten der größten Stadt Australiens („Mit Blick auf das Opernhaus!“) und kehrte dann für ein weiteres Studium nach Köln zurück, wo sie später als Lehrerin unterrichtete. Bis sie vor sieben Jahren früh verrentet wurde und zurück auf den roten Kontinent zog. „Dass ich das Visum noch mal bekommen habe – das war ein Wunder“, so die fröhliche Frau.

Seit ihrem Weggang 1962 war Sültemeyer zwar noch einige Male in Witten zu Besuch, aber ihre alte Schule, das Schiller-Gymnasium hatte sie nie wieder gesehen – bis heute. Sie steht auf dem Schulhof und schaut sich den Neubau an. „Früher war hier eine Weitsprunggrube“, erinnert sie sich, dreht sich um und zeigt auf den Altbau-Eingang. „Und dort mussten wir uns morgens in Reihen aufstellen. Ins Gebäude durften wir dann nur klassenweise.“

Werkraum hat sich kaum verändert

Praktiken, die es am Schiller längst nicht mehr gibt. Bei der Führung durch das Gebäude interessiert die Wahl-Australierin besonders der alte Werkraum. „Sieht fast aus wie früher“, lacht sie.