Wittenerin hilft Frauen weltweit bei der Geburt

Annika Bombeck im Süd-Sudan.
Annika Bombeck im Süd-Sudan.
Was wir bereits wissen
Annika Bombeck (33) wurde von einer Elternzeitschrift zur Hebamme des Jahres 2014 gekürt. Die Wittenerin arbeitet in Wuppertal und im Ausland.

Witten..  Der Dezember bescherte Annika Bombeck – unabhängig vom Weihnachtsfest – noch eine besondere Überraschung in beruflicher Hinsicht. Denn die 33-jährige gebürtige Wittenerin wurde zur „Hebamme des Jahres 2014“ gekürt. „Für die Arbeit verändert das nichts, aber es hat mich schon gefreut und stolz gemacht“, sagt sie.

Die Zeitschrift „Leben & erziehen“, die sich an werdende Eltern und Familien mit kleinen Kindern richtet, hat ihre Leser dazu aufgerufen, Kandidatinnen zu benennen. „Eine Frau, die ich mal betreut habe, hat mich vorgeschlagen“, hat Annika Bombeck hinterher erfahren. 200 Vorschläge wurden eingereicht, sechs Hebammen machten das Rennen, zwei arbeiten in NRW: Eine Kollegin kommt aus Lippstadt, weiß die Wittenerin inzwischen.

Als Begründung für ihre Nominierung habe die Frau angegeben, Annika Bombeck habe stets den Überblick behalten, Vertrauen vermittelt und sei eben einfach von Anfang bis Ende „ihren Weg gegangen“. Viele andere Mütter, die sie während der Schwangerschaft betreute, hätten sich jetzt gemeldet. Und über diese nachträgliche Anerkennung freue sie sich sehr.

Annika Bombeck wurde in Witten geboren. Damals lebte die Familie am Wartenberg in Annen. Sollte Ihnen der Nachname irgendwie bekannt vorkommen: Ja, die Bombecks betrieben bis vor einigen Jahren eine Metzgerei an der Heilen-straße in der Innenstadt, allerdings nicht Annikas Eltern, sondern ihr Opa und ihr Onkel. Jetzt stehen die Räume leer, das habe sie neulich noch im Vorbeigehen gesehen. Denn die junge Frau wohnt zwar nicht mehr in Witten, kommt aber mindestens einmal pro Woche vorbei, um ihre Freundinnen aus alten Zeiten zu besuchen: „Sonntags gucken wir immer zusammen Tatort.“

Als Annika sechs Jahre alt war, zog die Familie mit ihr und dem großen Bruder nach Wetter. Trotzdem machte sie ihr Abi am Ruhr-Gymnasium und zog dann in einen WG am Bebbelsdorf in Stockum. „Ich habe ein bisschen ‘rumstudiert“, sagt sie über die drei Semester Medizin, an die sie etwas „blauäugig“ ‘rangegangen sei. „Mir war nicht wirklich klar, wie lange das dauert. Außerdem wollte ich näher am Menschen arbeiten.“ Als sie an der Uni einen Vortrag über „Ärzte ohne Grenzen“ hörte, fiel die Entscheidung. Denn sie erfuhr: Die Organisation hat auch Hebammen im Team.

Die beste Entscheidung ihres Lebens

„Ich bekam sofort einen Platz an der Akademie für Gesundheitsberufe in Wuppertal.“ Von 2003 bis 2006 machte sie dort ihre Ausbildung zur Hebamme. „Das war die beste Entscheidung meines Lebens. Dieser Beruf ist meins“, sagt sie aus tiefstem Herzen. Denn jede Schwangerschaft verlaufe anders, weil jede Frau und jedes Kind anders seien. Inzwischen hat sie mehrere Hundert Babys ans Licht der Welt gebracht.

Seit 2008 arbeitet sie am Geburtshaus in Wuppertal. Seitdem müssen ihre Wittener Freundinnen viel aushalten, denn wenn Annika Bombeck Dauerbereitschaft hat, muss sie oft Verabredungen absagen. Und manchmal ist sie überhaupt nicht im Lande. Dann hilft die Hebamme bei „Ärzte ohne Grenzen“. Neun Monate dauerte ihr Einsatz in Pakistan, ein halbes Jahr der Aufenthalt im Süd-Sudan letztes Jahr. „Das war extrem, aber toll“, sagt sie. Seitdem wisse sie zu schätzen, „wie sicher wir hier leben“.

Zum Schluss die übliche Frage: Eigene Kinder? „Ich hätte schon mehrere.“ Annika Bombeck grinst: „Ich habe nur den richtigen Mann noch nicht gefunden.“ Aber natürlich möchte sie irgendwann wissen, wie sich anfühlt, wobei sie so oft hilft. Schließlich sei eine Geburt stets ein „kleines Wunder“. Immerhin ist sie Tante. Und ihr dreijähriger Neffe, „der ist der Beste“.