Wittener zieht es nicht nur Weihnachten in die Kirche

Gut besucht war die 11.30-Uhr-Messe am Sonntag (4.1.) in der Marienkirche. In dem Gottesdienst wurden die Sternsinger ausgesendet.
Gut besucht war die 11.30-Uhr-Messe am Sonntag (4.1.) in der Marienkirche. In dem Gottesdienst wurden die Sternsinger ausgesendet.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Vielleicht war es wegen Taufe und Sternsingern kein ganz alltäglicher Sonntag. Dennoch überrascht die Zahl der Gottesdienstbesucher nach Weihnachen.

Witten..  Spätestens ab heute ist alles vorbei: Weihnachten, die schöne freie Zeit zwischen den Jahren, Silvester... Auch die Kirchen hat der Alltag wieder. Herrscht auf den frommen Bänken, wo sich nur Heiligabend die Massen drängen, nun wieder gähndende Leere? Die Redaktion wollte es genauer wissen – und erlebte eine Überrraschung, als sie gestern in der Innenstadt die Marien- und Johanniskirche besuchte.

Ausgewählt haben wir den Zehn-Uhr-Gottesdienst in der ev. Johannisgemeinde und die Halb-zwölf-Messe in St. Marien. Und siehe da: Beide Kirchen sind gut besucht. Das Gotteshaus von Johannis steht ganz im Zeichen einer Taufe. Dort haben sich um die 100 Gläubige versammelt, um mit Sophia Noack ein neues Mitglied in der Gemeinschaft der Christen willkommen zu heißen.

Johanniskirche stand im Zeichen einer Taufe

„Ich werde einen Engel schicken, der dir vorausgeht“ lautet der Taufspruch der kleinen Sophia. Pfarrerin Julia Holtz verknüpft ihre Predigt mit dem Lukas-Evangelium, als der zwölfjährige Jesus von seinen Eltern vermisst wurde. „Jesus tickt anders“, betont die Geistliche in zeitgemäßer Sprache.

Wir treffen den früheren Stadtsprecher Jochen Kompernaß, der erst vor sieben Jahren zum regelmäßigen Kirchgänger wurde. „Es gibt mir ungeheuer viel, wenn ich mir am Sonntag diese eine Stunde Zeit nehme.“ Der Presbyter findet, dass die Zahl der Gottesdienstbesucher tendenziell ansteigt. Mit dem Klingelbeutel steht er am Eingang und sammelt die Kollekte. Die ist heute ür die Flüchtlingsarbeit in Westfalen bestimmt.

Was man von Kirche lernen kann

Nils Erfkamp ist Konfirmand und damit verpflichtet, am Gottesdienst teilzunehmen. Es sei schade, dass oft nur die Älteren zur Kirche gehen, meint er. „Dabei kann man hier doch ein Menge lernen. Ich habe mir früher nie Gedanken darüber gemacht, dass man auch an andere Menschen denken soll.“ Für Ursula und Dieter Bergmann gehört der Kirchgang zum Sonntag dazu, für sie ist er eine kleine Atempause in der Hektik des Alltags.

Auf dem Marienplatz herrscht vor der Messe Hochbetrieb. Aufgeregt warten rund 30 bunt gekleidete Sternsinger auf ihren großen Auftritt beim Aussendegottesdienst. Die Kirche ist mit etwa 400 Gläubigen gut besucht. Eilig streben Christiane (47) und Thomas Weischer (50) auf das Hauptportal zu. Als „liebgewordene Tradition“ bezeichnen sie den Besuch der sonntäglichen Messe. Heute sind ihre Kinder bei den Sternsingern, sonst sind sie Messdiener.

In Polen wird der Sonntag groß gefeiert

Auch für Krystyna Schubert (51) gehört der Gottesdienst wie selbstverständlich zum Sonntag dazu. Sie versäumt den Kirchgang nur, wenn sie arbeiten muss. Seit drei Jahren wohnt die Polin erst in Witten. In ihrer katholischen Heimat werde der Sonntag oft ganz groß gefeiert. Für Agnes (74) und Hermann (75) Hanke ist die Kirche fester Bestandteil ihres Lebens. „Ein Sonntag ohne Messe – da hätten wir aber ein schlechtes Gewissen.“

Kritische Stimmen hört man an diesem Sonntag nicht. Jene, die nur Weihnachten kommen, sitzen vielleicht noch am Frühstückstisch.