Wittener wurde nach Verrat Opfer der Nazi-Justiz

Friedrich Wilhelm Espenhahn in einem Foto von 1940.
Friedrich Wilhelm Espenhahn in einem Foto von 1940.
Foto: Repro: Jörg Fruck
Was wir bereits wissen
Der Küster und Organist Friedrich Wilhelm Espenhahn wurde nach Kritik am Nazi-Regime angeschwärzt und verhaftet. Er erhängte sich im Gefängnis.

Witten.. Das Schicksal des Küsters und Organisten Friedrich Wilhelm Espenhahn ist ein Beispiel für die Willkürherrschaft und grausame Justiz während der Nazizeit. Kritik am Regime wurde nicht geduldet und hart bestraft.

F. W. Espenhahn wurde wegen kritischer Äußerungen gegenüber der NSDAP und ihrer Regierungsführung am 28.11.1941 denunziert. Er hatte in einer Gastwirtschaft in der Herbeder Straße einem Bekannten gegenüber die Bemerkung gemacht, der Unfalltod des bekannten Jagdfliegers Mölders, der bei Hitler in Ungnade gefallen war, solle von der Nazi-Seite aus arrangiert worden sein.

Dies hatte wohl ein Gast am Nachbartisch gehört und Friedrich Wilhelm Espenhahn denunziert. Dieser wurde gemeinsam mit seiner Frau von der Gestapo verhaftet, die jedoch wieder frei gelassen wurde. Ihr Mann kam zunächst nach Bochum in Untersuchungshaft. Einer seiner beiden Söhne konnte Friedrich Wilhelm Espenhahn mit Hilfe eines Gefängnisbeamten zweimal besuchen. Dabei erwähnte dieser, die Urteile der Sondergerichte kämen im allgemeinen vorbereitet von „Berlin“ und die Verhandlungen seien meist nur eine Farce. Außerdem müsse man damit rechnen, nach Verbüßung der Gefängnisstrafe in ein Konzentrationslager abgeschoben zu werden.

Später als religiös Verfolgte anerkannt

Am 1.3.1942 verurteilte ihn das „Sondergericht Dortmund in Bochum“ nach dem „Heimtückegesetz“ (Gesetz vom 20.12.1934. Nach ihm konnte jeder, der dem Regime nicht genehm war oder Kritik an Politik oder Partei äußerte, kriminalisiert werden) zu zwei Jahren Gefängnis. Kurz darauf erhielt seine Familie die Nachricht, er habe sich am 4.3.1942 in seiner Bochumer Gefängniszelle erhängt.

Friedrich Wilhelm Espenhahn wurde am 18. Februar 1888 in Vevey/Schweiz im Kanton Waadt geboren. Am 14.12.1912 heiratete er in München Franziska Löffler. Der evangelische F. W. Espenhahn trat hier zum Katholizismus über. In München arbeitete er in seinem erlernten Beruf als Klempner- und Installateurmeister. Nach dem Umzug der Familie von München über Sandersleben bekleidete er in Witten eine Stelle als Küster und Organist in der St. Josephs-Gemeinde – heute St. Franziskus. Im nahen Haus Herbeder Str. 14 fand die Familie eine Wohnung. Hausarzt war der jüdische Arzt Dr. Schlösser, dessen Praxis gegenüber der Kirche lag. Friedrich Wilhelm Espenhahn war vor 1933 wohl Mitglied in der katholischen Zentrumspartei gewesen.

Nach dem Tod ihres Mannes beschäftigte die Kirchengemeinde, deren Pfarrer Rechmann stets zur Familie Espenhahn gestanden hat, Frau Espenhahn als Küsterin. Sie konnte so für sich und die beiden Söhne sorgen, die 1919 und 1932 geboren wurden.

1948 wurde das Ehepaar von der Stadt Witten als religiös Verfolgte anerkannt. Als Wiedergutmachung für das erlittene Unrecht erhielten die Hinterbliebenen im September 1957 450 DM.