Wittener will kranken Kindern mit seinem Kunstwerk helfen

Ist gerne kreativ tätig: Egon Goltz hat aus Recycling-Material eine brasilianische Favela nachgebaut.
Ist gerne kreativ tätig: Egon Goltz hat aus Recycling-Material eine brasilianische Favela nachgebaut.
Foto: WAZ
Was wir bereits wissen
Egon Goltz hat eine Favela, ein Armenviertel, aus Blechdosen gebaut. Er will es nun für einen guten Zweck versteigern lassen - sein zweiter Versuch.

Witten..  Wer bei Egon Goltz zu Besuch ist, der denkt im ersten Moment wohl, er sei bei einem Künstler gelandet. Überall hängen selbstgemalte Bilder oder Brandmalereien. Doch der Rentner ist eigentlich gelernter Bäcker. Seit dem Ruhestand „brauche ich aber ein Hobby. Man muss sich ja irgendwie beschäftigen“, findet der 84-Jährige. Also fing er vor etwa zehn Jahren an, zu malen und Krippen zu bauen.

Und mit seiner kreativen Leidenschaft will er auch noch Gutes tun. 2012 fertigte er eine Favela, ein südamerikanisches Armenviertel, aus Blechdosen an. Dieses wollte er versteigern lassen. Der Erlös sollte kranken Kindern im Kinderhospiz in Herbede zugute kommen.

Anstoß kam durch Fußball-WM

Doch es lief anders als geplant. „Ich wandte mich damals an die Stadt. Man garantierte mir dort Hilfe. Doch darauf warte ich bis heute vergebens!“, so Goltz. Nun will er es noch einmal versuchen und sein Kunstwerk versteigern lassen. „Ich wollte nie etwas geschenkt haben, sondern ich wollte nur etwas für kranke Kinder tun!“

Auf die Idee zum Favela-Bau kam er durch die Fußball-Weltmeisterschaft. Als feststand, dass die WM 2014 in Brasilien stattfinden soll, hat er sich mit dem Gastgeberland und dessen armen Verhältnissen auseinandergesetzt, erzählt er. Schließlich sind er und seine Frau Anneliese (85) früher viel gereist und haben sich schon immer für andere Länder begeistert: Unter anderem waren sie neun Mal in Miami, außerdem in der Türkei, in Spanien, im Skiurlaub in Österreich und haben „einiges von der Welt gesehen“, so Anneliese Goltz. Nur in Brasilien waren die beiden noch nicht, die südamerikanische Kultur „hat mich aber schon immer interessiert“, sagt Egon Goltz.

Pause wegen Schicksalsschlägen

Kurzerhand suchte er etwa 20 alte Blechdosen zusammen, Figuren von seinen Reisen nach Neapel, altes Holz und Palmenreste und baute eine 80 mal 80 Zentimeter große Favela. Etwa zehn Monate dauerte es, bis das Werk vollendet war. „Die armen Menschen in Brasilien sind sehr gottesfürchtig.“ Deshalb schrieb er auf die Fassade: „Jesus Christus ist überall.“

Und warum hat es zwei Jahre gedauert, bis er einen erneuten Anlauf zur Versteigerung genommen hat? „2013 gab es zwei Schicksalsschläge auf einmal, da kamen wir zu nichts“, erläutert Anneliese Goltz. Innerhalb von acht Tagen seien die beiden Söhne des Ehepaares verstorben, erzählt die Rentnerin und muss sich ihre Tränen verkneifen.

Auch in Zukunft könne Egon Goltz erst einmal nicht mehr künstlerisch tätig werden, da er gerade erst an der Hand operiert worden ist. Solange muss seine Frau alleine die kreative Arbeit übernehmen: Sie verziert Kerzen und Vasen und findet: „Wir machen viel Kitsch und Krempel – muss einfach sein!“