Wittener Wiesenviertel putzt sich heraus

Frühjahrsputz im Wiesenviertel, auch Blumen gießen gehört dazu.
Frühjahrsputz im Wiesenviertel, auch Blumen gießen gehört dazu.
Foto: Barbara Zabka
Was wir bereits wissen
Viele Bürger packten bei der großen Aktion am Samstag mit an. Sie fegten die Straßen, pflanzten Blumen – und entspannten dann im Biergarten.

Witten..  Kleine Kinder buddeln neue Kräuter im Stadtgarten ein. Im neuen Biergarten von „Raum“ und Knuts werden Burger gebraten. In der Körnerstraße setzen die Anwohner bunte Blumen in die Erde. Beim „Frühling im Viertel“ wuseln im Wiesenviertel am Samstag Anwohner, Geschäftsleute und Freunde wild durcheinander. Überall gibt es etwas zu tun, alle packen mit an.

„Dieses Gemeinschaftsgefühl im Wiesenviertel ist einfach toll“, sagt Stefani Klabunde-Berg begeistert. Ihrem Mann gehört eine Praxis im Viertel, das Knuts sei die Stammkneipe – Grund genug um mitzuhelfen. Mit einem Schäufelchen wühlt sie im Beet herum. „Man wundert sich, was man hier alles heraus holt“, sagt die 47-Jährige. Es fängt an zu regnen. „Mama, können wir ins Knuts?“ , fragt Sohn Lukas (6). Doch erst müssen Scherben, Kippen und Kronkorken aus dem Beet, bunte Blümchen kommen hinein. Und wer pflegt die Pflanzen im öffentlichen Raum? „Darum werde ich mich kümmern“, tönt es aus der zweiten Reihe. Gerda Holtz (75) hat das Beet vor der eigenen Tür gerade erst entdeckt. Gießen und sauberhalten – für die Wittenerin Ehrensache.

Neue Kräuter für den Stadtgarten

Zwanzig Meter weiter erneuern fleißige Helfer den Stadtgarten: dreizehn Holzbeete am Brunnenplatz in der Casinostraße. Studenten der Uni Witten/Herdecke bauten den Garten vor zwei Jahren zum ersten Mal auf. „Mittlerweile ist es ein öffentlicher Ort zum Genießen geworden“, sagt Frederike Ronnefeldt (23). Salbei, Oregano, Lavendel – die Gärtner setzen an diesem Samstag viele neue Kräuter ein. „Es soll schön sommerlich sein und gut duften“, sagt die junge Studentin aus Witten. Einige Anwohner malen mit ihren Kindern Schilder: „Bienenschmaus“ oder „Schmetterlingswiese“ steht dort – und das mitten in der Stadt. Jetzt ganz neu: Zwei Beete ohne Blumen, wo Urlauber ihre Pflanzen bis zur Rückkehr unterbringen können. „Hier werden sie dann von dem gegossen, der vorbeikommt“, erklärt Ronnefeldt das System.

In der Körnerstraße ist Podologin Britta Boueke (45) mit Nachbarn aktiv. Sie hatte die Saubermach-Aktion im Rahmen des „Frühling im Viertel“ angestoßen. „Der Dreck hat mich immer geärgert, wenn ich zur Arbeit kam“, sagt sie. Gefegt ist schon, nun müssen nur noch die Glockenblumen, Ranunkeln und Margeriten in den Boden. Zehn Anwohner helfen beim Pflanzen – nicht alle, die dort leben, aber immerhin.

Wer Lust hat, geht nach getaner Arbeit noch in das Arbeitscafé Raum und das Knuts in der Wiesenstraße. Im Hinterhof wird an diesem Vormittag der gemeinsame Biergarten eröffnet. Zu Musik gibt es Burger, „Pulled Pork“ (besonders zartes Schweinefleisch) und „Nudeln“ aus Zucchini oder Kohlrabi. Zwei Nachbargastronomen mit einem Biergarten – kann das gehen? „Das ist auch für uns eine Probe“, räumt Raum-Mitarbeiter Frederik Bury (28) ein. Doch er ist optimistisch, man habe schließlich ein Ziel: „Das Viertel beleben!“