Wittener Werksmauer leuchtet jetzt bunt

Szene an der besprühten Mauer an der Westfalenstraße.
Szene an der besprühten Mauer an der Westfalenstraße.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
An der Westfalenstraße verwandelten Kreative die ehemals graue Wand hinter Böhmer in ein Kunstwerk. Es ist Teil des Projekts „Witten wird bunt“.

Witten..  Die Bewohner des Mehrfamilienhauses an der Westfalenstraße gleich neben dem Wullenstadion freuen sich schon: Sie schauen nicht mehr länger auf die hässliche graue Mauer gegenüber, die zum Eisenwerk Böhmer gehört, sondern auf ein Kunstwerk. Es ist Teil des Projekts „Witten wird bunt“ (Wiwibu) und zeigt Szenen, die sich in den großen Gebäuden dahinter tatsächlich abspielen. Junge Leute haben sie auf den groben Putz gesprüht.

Vivien Knoth und Stephan Klippert stehen an diesem Dienstagvormittag gerade davor und legen mit Mundschutz und Spraydose letzte Hand an. Die 43-Jährige ist eigentlich Raumgestalterin mit einem Studio an der Bonhoefferstraße, der Schwerpunkt des 38-Jährigen liegt im Bereich Airbrush-Design. Beide sind über den Künstlerpool von Wiwibu auf die Aktion gestoßen, die die erste richtig große ist, seit Jonas Heinevetter vom Atelier „Himmelstropfen“ das Projekt mit der Stadt aus der Taufe gehoben hat. Heinevetter macht natürlich auch mit, außerdem die Graffitikünstler Patrick Brehmer und Choko sowie Hylüa Özkan und die beiden Jugendlichen Niklas und Lotti.

Schon länger war die Mauer, die meterlang die Westfalenstraße säumt, Werks-Chef Erik Böhmer ein Dorn im Auge: „Dass vor zwei Jahren die hohen Pappeln dort entfernt werden mussten, hat der Optik nicht gerade gut getan.“ Graffiti-Künstler müssten da mal ran, habe er oft gedacht und dann von Wiwibu in der Zeitung gelesen. Bald einigte man sich darauf, den Produktionsprozess auf der Wand zu verewigen.

Bei einer Werksbesichtigung entstanden Fotos, nach denen die Künstler Skizzen anfertigten. Neun fortlaufende Bilder zeigen nun die einzelnen Arbeitsschritte von der Schrottanlieferung bis zum fertigen Produkt. Zu sehen sind nicht nur Maschinen, sondern auch Arbeiter, die das Material schmelzen, formen und vergießen. Kräftige Farben dominieren. Die Wand leuchtet jetzt rostrot, goldgelb und azurblau. „Die haben das richtig gut gemacht“, lobt Böhmer.

An die 100 Dosen Farbe haben die Künstler verbraucht und vor allem am letzten Wochenende stundenlang gearbeitet. „Bei dem schönen Wetter konnten wir gut Gas geben“, sagt Klippert. Es sei eine sehr kommunikative Arbeit gewesen, lächelt Vivien Knoth. Denn nicht nur hätten die Nachbarn von gegenüber sie mit Kaffee und Leckereien versorgt. Wer vorbeikommt, zeigt meist reges Interesse. Wie Bernd Wasserfuhr, Handwerksmeister und Mitglied im Fotoclub ObjektivArt.

Sofort zückte er die Kamera, froh über jedes neue Motiv in der Stadt. Auch der Frau, die hier regelmäßig mit den Hunden spazierengeht, gefällt das Bild. „Hoffentlich“, sagt sie, „bleibt das so schön“.