Wittener warten lange beim Arzt

Bitte warten: am FReitag in der Notfallambulanz des Marien-Hospitals.
Bitte warten: am FReitag in der Notfallambulanz des Marien-Hospitals.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Den Patienten standen zwischen den Jahren und am Freitag knapp 20 Praxen offen – plus Notfallambulanz des Marien-Hospitals. Es war voll.

Witten..  Die Zeit der Notdienste ist erst einmal vorbei. Am Montag starten die meisten Ärzte wieder zu gewohnten Öffnungszeiten ins neue Quartal. Knapp 20 Arztpraxen waren in Witten zwischen den Jahren und am Freitag (2. Januar) besetzt. „Das sind rund ein Viertel der etwa 100 Ärzte im Stadtgebiet“, erklärt Dr. Klaus-Peter Tillmann, der die Notbesetzung regelte. Außerdem konnten Patienten die Notfallambulanz im Marien-Hospital aufsuchen – und dort standen sie Schlange.

Freitagmittag jedenfalls sind alle Plätze besetzt und einige Menschen warten noch an der Anmeldung: fast alle schniefend, hustend und mit bleichen Mienen. Gerade ist Lars Schiebold an der Reihe. Der 34-Jährige kämpft schon seit sechs Wochen mit einer Bronchitis und pfeift buchstäblich aus dem letzten Loch. Zum dritten Mal sucht er Hilfe beim Arzt. Daniel Pötter untersucht den Patienten. Solche wie Schiebold hat er in den letzten drei Arbeitstagen, die er in der Notfall-Ambulanz des Krankenhauses verbrachte, oft zu Gesicht bekommen.

Erkältungen grassieren

„Erkältungen“, sagt er, die grassierten derzeit. Montag nach Weihnachten sei es „extrem voll“ gewesen, „da gab’s auch schon mal längere Wartezeiten“. Zwischen 250 und 270 Menschen wären zur Untersuchung gekommen, der jüngste elf, der älteste 98 Jahre alt. „Richtige Notfälle waren aber nicht dabei.“ Die ungewöhnlichste Diagnose: „Wurmbefall des Darms“, sagt Daniel Pötter.

Auch die Praxen waren Montag und Freitag gut gefüllt, nur Dienstag sei es etwas ruhiger gewesen, so Hals-Nasen-Ohren-Arzt Dr. Tillmann. „Es hat alles gut geklappt“, zieht er eine Bilanz der Notdienstbesetzung: Die Öffnungszeiten seien ausreichend und die Patienten gut informiert gewesen. „Und sie hatten Verständnis, wenn sie auch schon mal zwei, drei Stunden warten mussten. Die meisten waren froh, dass sie überhaupt behandelt wurden.“

„Bei uns war’s ruhig“, beurteilt Allgemeinmedizinerin Dr. Kerstin Rickels die letzten Arbeitstage – jedenfalls im Vergleich zu anderen Jahren, als Patienten auch mal bis auf die Straße standen. Lang anhaltende Infekte, die sich schon den ganzen Dezember hinziehen, bereiteten den Bürgern derzeit die meisten Probleme. Sie gehen einher mit starken Beschwerden wie Abgeschlagenheit und Husten.

Den Wittenern standen Allgemeinmediziner, HNO-, Frauen- und Kinderärzte sowie ein Dermatologe, Internist, Orthopäde und Urologe zur Verfügung. „Es wäre schön“, sagt ein Kollege, „wenn von jeder Fachrichtung ein Arzt in dieser Zeit geöffnet hätte“. Er habe verzweifelt einen Neurologen und Chirurgen gesucht und die Patienten dann nach Herdecke und Langendreer geschickt. „Das kann nicht sein.“