Wittener verarbeitet Erinnerungen seiner Oma in einem Buch

Jörg Krämer mit seinem neuesten Werk.
Jörg Krämer mit seinem neuesten Werk.
Foto: Stephan Schütze
Was wir bereits wissen
Jörg Krämer hat wieder ein Buch geschrieben – nicht über Bärenhunde, sondern über seine Oma: Erinnerungen an ein das Leben einer Bergarbeiterfamilie.

Witten..  Er schreibt Fantasy-Geschichten. Und hat ein Buch über germanische Bärenhunde veröffentlicht (wir berichteten). Jetzt hat der Wittener Jörg Krämer die Erinnerungen seiner Oma Hilde Niggetiet verarbeitet. Das Werk trägt den Titel: „Im Schatten von Schlägel und Eisen“.

Als seine Großmutter 2002 im Alter von 92 Jahren starb, kam der Enkel in den Besitz ihrer Aufzeichnungen: Auf vielen handgeschriebenen Seiten hatte Oma Hilde die Geschichte ihrer Familie festgehalten. „Am Anfang habe ich mit dem Gedanken gespielt, das einfach abzutippen“, sagt Krämer. Doch das Material sei zu umfangreich gewesen, denn seine Großmutter habe nicht nur aufgeschrieben, was sie selbst erlebte, sondern auch sämtliche Erinnerungen ihrer Eltern und Großeltern festgehalten. So schuf sie eine Familienchronik, die schon im Jahre 1865 beginnt.

Im Mittelpunkt steht dabei Wilhelmine Biel, die mit Ehemann und Kindern in Dortmund-Kley lebte. Ihr Mann und später auch die Söhne arbeiteten auf der Zeche Neu Iserlohn in Lütgendortmund.

„Das Haus meiner Vorfahren gibt es nicht mehr. Von der Zeche sind noch ein paar Gebäude am Hellweg zu sehen.“ Jeden Tag fällt sein Blick darauf, denn – Ironie des Schicksals – der gelernte Kommunikationselektroniker arbeitet in der Justizvollzugsanstalt Langendreer, die heute genau dort steht, wo seine Familie einst schuftete. Die Arbeit an dem Buch habe sich schnell zu einer ziemlich emotionalen Sache entwickelt: „Ich bin beim Sichten des Materials regelrecht in die Vergangenheit eingetaucht.“

So entstand das Zeugnis einer einfachen Bergarbeiterfamilie, die es verstand, den harten Alltag während der Industrialisierung trotz aller Strapazen lebenswert zu gestalten. Der Leser erlebt die kleinen Freuden mit, die Weihnachtstage, aber auch Schicksalsschläge: Ein Familienmitglied wurde von einem Zug erfasst, ein anderes starb unter Tage. Es sind Erinnerungen, die sonst nur mündlich überliefert werden.