Wittener Uni verteidigt Einladung an umstrittenen Gastredner

„Die Universität ist ein Ort der Erkenntnissuche, kein Ort des Dogmas“: Das entgegnen Wissenschaftler der Uni Witten/Herdecke den Kritikern, die die Ausladung von Dr. Daniele Ganser als Gastredner fordern.
„Die Universität ist ein Ort der Erkenntnissuche, kein Ort des Dogmas“: Das entgegnen Wissenschaftler der Uni Witten/Herdecke den Kritikern, die die Ausladung von Dr. Daniele Ganser als Gastredner fordern.
Foto: Uni Witten/Herdecke
Was wir bereits wissen
Die Uni steht zu ihrer Entscheidung, den Schweizer Dr. Daniele Ganser als Gastredner einzuladen. Sie reagierte jetzt auf den Wittener Protestbrief.

Witten..  Die Uni hält ausdrücklich an der Einladung des umstrittenen Gastredners Dr. Daniele Ganser fest. Ein Bündnis aus Parteien wie SPD, Grünen und Piraten sowie linken Initiativen hatte die Ausladung des Schweizers gefordert, weil er ein Verschwörungstheoretiker sei und Rechtspopulisten nahe stehe.

In einem Antwortschreiben aufeinen Offenen Brief hebt die Hochschule ihre Bedeutung als „Ort der lebendigen Auseinandersetzung auch mit abweichenden Meinungen“ hervor. „Genau das heißt Forschung und Lehre. Es gäbe keine wissenschaftlichen Entdeckungen, wenn Wissenschaftler nicht gegen die herrschende Meinung auf ungewöhnliche Phänomene, Erklärungslücken, methodische Fehler und sogenannte Anomalien in Theorien aufmerksam machen würden“, schreiben der Dekan der Fakulät für Kulturreflexion, Prof. Dr. Dirk Baecker, und Seminarleiter Dr. David Hornemann-von Laer. Und: „Die Universität ist ein Ort der Erkenntnissuche und kein Ort des Dogmas.“

„Wie mache ich mir selbst ein Bild?“

Die Studierenden selbst seien es gewesen, die die Einladung angeregt hätten, heißt es. In ihrem Seminar sei es um die Frage gegangen, wie man mit Bildern Wahrheitseffekte erzielen könne. Ganser habe sich darauf spezialisiert, als Zeithistoriker „den offenen Fragen der Interpretation der Ereignisse vom 11. September 2001 nachzugehen“ und dabei vor allem die Rolle der Bildproduzenten, also der Massenmedien, zu untersuchen.

Laut Uni fragt der Schweizer in seinem Vortrag danach, wer die vierte Gewalt, also die Medien, kontrolliert. „Sind wir es, die Mediennutzer an den Displays unserer Computer? Wie machen wir unsere Bilder?“ Ganser spricht am Donnerstag (30.10.) ab 18 Uhr öffentlich zum Thema „Fakten, Meinungen, Propaganda: Wie mache ich mir selbst ein Bild?“