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Wittener Tafel kann Bedarf nicht mehr decken

12.01.2016 | 18:16 Uhr
Wittener Tafel kann Bedarf nicht mehr decken
Nur vier Personen dürfen in den Verkaufsraum der Wittener Tafel. Draußen bilden sich oft Schlangen.Foto: Thomas Nitsche

Witten.   Pro Woche kommen 70 Neukunden, Flüchtlinge zumeist. Die Angst geht um, dass nicht mehr jeder kriegt, was er gern hätte. Es mangelt an Obst und Gemüse.

Vor allem freitags und montags stehen die Menschen Schlange, um im Lädchen der Tafel an der Herbeder Straße günstiges Obst und Gemüse – und was es sonst gerade gibt – zu ergattern. Doch auch an diesem Dienstagmittag herrscht reges Kommen und Gehen. „Die Situation hat sich verschärft. Der Bedarf an Lebensmitteln ist deutlich höher als noch vor ein paar Wochen“, sagt Jürgen Golnik, der die Arbeit bei der Tafel koordiniert. „Täglich kommen etwa 25 Leute mehr als früher – damit sind wir am Limit.“

Lange Schlangen vor dem Eingang

Im Durchschnitt seien in den letzten drei bis vier Monaten pro Woche rund 70 Anträge von Neukunden gestellt worden, so Golnik. Denn wer hier einkaufen will, müsse seine Bedürftigkeit nachweisen und erhalte dann eine Kundenkarte. Insgesamt bezogen bis zu diesem sprunghaften Anstieg 700 Menschen regelmäßig ihre Lebensmittel vom Tafel-Laden. Doch die langen Schlangen vor dem Eingang schrecken inzwischen manchen Stammkunden ab.

Jürgen Golnik hält nicht damit hinterm Berg, dass sich das Klientel verändert hat, dass jetzt vor allem viele Flüchtlinge kommen. Das Problem: „Die wollen hauptsächlich Obst und Gemüse und davon kriegen wir im Winter weniger, so dass wir den Bedarf nicht mehr decken können.“ Das schüre Konflikte: „Die Angst geht um, dass nicht jeder kriegt, was er gern hätte.“ Deshalb teilen die Mitarbeiter die Ware inzwischen ein. Golnik: „Wenn wir nur 20 Kilo Tomaten haben, kann natürlich nicht einer allein fünf Kilo mitnehmen.“

Sechs Euro für zwei volle Tüten

Eine ältere Frau mit Kopftuch verlässt gerade den Laden, zwei prall gefüllte Plastiktüten in den Händen. Möhren, Rosenkohl, ein paar Stangen Porree, aber auch jede Menge Joghurtbecher befinden sich darin. Sechs Euro hat sie dafür bezahlt. Und doch ist die Mutter von fünf Kindern unzufrieden. In gebrochenem Deutsch verweist sie auf das Haltbarkeitsdatum, das in wenigen Tagen abläuft. Zeigt eine etwas fleckige und weiche Grapefruit, eine angeschnittene Gurke. In Tafelläden anderer Städte sei so etwas billiger.

Für zehn Euro hat der 51-jährige Wittener eingekauft, der gerade Käse, Brot und Milchprodukte in einen Rucksack packt. „Das ist okay“, sagt der gelernte Koch, der ein Praktikum im Bistro der Boecker-Stiftung macht. „Ich lasse mich immer von den Angeboten überraschen und zaubere dann etwas daraus.“ Heute und die nächsten Tage wird es Grünkohl-Eintopf geben. Seit drei Jahren kommt er einmal pro Woche her und bestätigt: „Es ist wesentlich voller geworden.“ Trotzdem habe er immer genug gefunden.

„Wir verteilen und verkaufen so viel und so schnell wir können“, sagt Jürgen Golnik. Mehr ginge nicht. Momentan sehe er noch keinen konkreten Handlungsbedarf. „Wir müssen aber schon schauen, wie sich die Situation entwickelt.“

Hier können Bedürftige kostenlos oder günstig essen:

Die Wittener Tafel bietet an Werktagen nicht nur Lebensmittel im Laden (9 bis 13 Uhr) an, sondern auch kostenlos ein Frühstück (8.30 bis 11.30 Uhr) und ein Mittagessen (14 bis 15 Uhr). 60 bis 70 Menschen nehmen das pro Tag in Anspruch, sagt Mitarbeiter Jürgen Golnik. Am Monatsende könnten es 70 bis 80 werden. Steigende Nachfrage beim kostenlosen Mittagessen für Kinder und Jugendliche vermeldet auch Hans-Peter Skotarzik von den Ruhrtal-Engeln.

In deren Räumen an der Annenstraße seien regelmäßig montags bis freitags zwischen 13 und 14 Uhr 20 bis 25 Kinder zum Essen zu Gast, an der Beethovenstraße, wo es dienstags und donnerstags Mittagessen gibt, 15 bis maximal 20. Kommen unerwartet mal mehr hungrige Mäuler, „dann improvisieren wir“, so Skotarzik.

„Ess-Plan“ listet Angebote auf

Und es gibt in Witten noch mehr „Wege zum gedeckten Tisch“. Aufgelistet sind die Angebote im „Ess-Plan Witten“, den die Ruhrtal-Engel erstellt haben.

Danach bietet die Kreuzgemeinde an der Lutherstraße 6-10 jeden ersten Sonntag im Monat ab 17 Uhr ein Essen. Die Wohnungslosenhilfe der Diakonie, Röhrchenstraße 10, bietet montags bis freitags von 8.30 bis 12 Uhr ein Frühstück. Beim Wegteam im Martin-Luther-Zentrum an der Ardeystraße 138 gibt es donnerstags ab 17 Uhr etwas zu essen, bei den Freien Ev. Baptisten im Pfarrheim St. Joseph an der Stockumer Straße 13 mittwochs von 12.30 bis 14 Uhr. Das Haus im Park an der Lutherstraße 20a verkauft Brötchen und Mittagessen für kleines Geld (Mo, Di, Do von 9.30 bis 15 Uhr, Mi und Fr von 9.30 bis 14 Uhr)

Annette Kreikenbohm

Kommentare
14.01.2016
10:15
#5 Mein Gott
von p.s.a | #6

was stellen Sie sich denn vor wie die Spenden zur Tafel kommen. Dazu braucht man nun mal Lieferwagen. Autos die von der örtlichen Wirtschaft gespendet...
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2016-01-12 18:16
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