Wittener Stadttauben ziehen um in den Rathausturm

Stefanie Neto-Mendonca von "Steffi.hilft.org“ kümmert sich um die Wittener Innenstadttauben.
Stefanie Neto-Mendonca von "Steffi.hilft.org“ kümmert sich um die Wittener Innenstadttauben.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Die Organisation „Steffi hilft“ wird sich im Auftrag der Jägerschaft um 50 Paare kümmern, die bald in einem Zimmer hinter der Turmuhr leben.

Witten.. Nach vielen Jahren ist endlich eine Lösung für die sich stets munter vermehrenden Stadttauben in Sicht: In zwei Wochen etwa beginnt die Einrichtung eines „Taubenzimmers“ im Rathausturm, hinter der Uhr. 50 Paare sollen dort nisten, um die sich die Wittenerin Stefanie Neto-Mendonca kümmert. 40 Paare betreut bereits Lilo Ellis im Taubenturm im Lutherpark.

Vorangetrieben hat die Maßnahme Sabine Schmelzer, einst Rektorin der Bruchschule, nun Vorsitzende des Bürgerforums und der Wittener Jägerschaft. In dieser Doppelfunktion konnte sie das in der Öffentlichkeit ungeliebte Projekt durchsetzen: Zwar war das „Betreute Wohnen“ für Tauben bereits 2011 vom Rat beschlossen worden. Doch fehlte bislang ein Verein, der für den Schlag Sorge trägt. Erst vor kurzem entstand der Vertrag zwischen Stadtverwaltung und dem Träger, der Jägerschaft. „Selbst die Brieftaubenvereinigung hatte abgewunken“, sagt Schmelzer.

Dabei sind die Stadttauben keine Wildvögel, sondern ausgewilderte Brieftauben – die nicht in ihren Schlag zurückkehren oder von ihren Besitzern nicht wieder abgeholt werden. „Diese Vögel sind auf den Menschen angewiesen.“

Seit sieben Jahren kümmert sich um sie ehrenamtlich Steffi Neto-Mendonca. Die 42-Jährige gründete die Organisation „Steffi-hilft.org“. Steffis Nummer ist inzwischen bekannt – die Frau holt verletzte Vögel ab und tauscht regelmäßig Eier aus. Parkhäuser, Spielhallen, vor allem der Südhof des Rathauses sind bekannte Reviere. Gefüttert werden die Vögel übrigens von Passanten – zum Beispiel bei Wursthaus König oder Döner-Imbissen.

Der Südhof des Rathauses, in dem etwa 60 Tiere brüten, sieht schlimm aus. Erst im letzten Jahr hatten Helfer von „Steffi-hilft.org“ Wände, Böden, Treppen gereinigt. Längst liegen überall wieder Kot – und seit kurzem auch Kadaver. Ein Sperber-Paar, das vermutlich am Helenenturm haust, hat es auf junge und alte Tauben abgesehen. „Das ist Natur“, sagt Sabine Schmelzer. „Aber dass keiner die Kadaver wegräumt, ist ein Unding“, findet Steffi Neto-Mendonca. „Das zieht die Ratten an.“

Mehr über das Leben und Leiden der Tauben soll also das künftige Taubenzimmer den Wittenern verraten. Städte wie Aachen, Würzburg oder Wuppertal hätten gute Erfahrungen mit Schlägen in hoch gelegenen Stadthäusern gemacht. Dort werden die Tauben regelmäßig gefüttert. Auch landet hier der meiste Kot – und nicht an den Häuserwänden. Weil die Eier gegen Gipseier ausgetauscht werden, bleibt die Population stabil. Kranke Tiere könnten herausgenommen werden. Die Wittener Tauben würden auch beringt. „Wir wollen das wissenschaftlich angehen“, sagt Sabine Schmelzer. Allein um zu sehen, ob die Zahl der Tauben abnimmt.

Nun soll ein Teil des Turmzimmers abgetrennt werden. Ein Schreiner zimmert die Nistplätze. Ein Vorraum dient dem Personal, das den Taubenraum nur mit Schutzkleidung und Mundschutz betreten kann. Durch eine „Polizeiglasscheibe“ können Schulkinder die Tauben beobachten. Schmelzer ist überzeugt: „Das sind Tiere, die haben keine Lobby. Vielleicht ändert sich so in der Bevölkerung die Einstellung zu den Tieren.“