Wittener Stadtgeschichte(n) aus dem Dorf

Noch nie gezeigtes Panoramabild von Annen und Rüdinghausen.
Noch nie gezeigtes Panoramabild von Annen und Rüdinghausen.
Foto: FUNKE Foto Service
Was wir bereits wissen
Heimatvereine erinnern im Märkischen Museum an Vergangenheit und Bedeutung der Vororte Wittens. Nie gezeigte Exponate sind dabei zu sehen.

Witten..  „Willkommen in Witten“ steht auf der Titelseite der Zeitung, die seit gestern im Märkischen Museum zu sehen ist. Das Blatt begrüßte damit am 1. August 1929 die neuen Dörfer: Stockum, Düren, Rüdinghausen, Annen und Bommern, dazu Sonnenschein und Krone – sie alle wurden vor 85 Jahren eingemeindet. Längst sind sie ein selbstverständlicher Teil der Stadt geworden. Ihre Vergangenheit wollen die Dörfer dennoch nicht vergessen: Für die Jubiläums-Ausstellung „800 Jahre Witten“ im Märkischen Museum haben die Heimatvereine daher einen eigenen Raum gestaltet und dafür manch alten Hingucker ans Tageslicht geholt.

Lange haben die Mitglieder der sechs Vereine – Stockum, Annen, Bommern, Heven, Herbede und Rüdinghausen – in ihren Archiven gegraben, um die spannendsten und schönsten Exponate für die Schau zu finden. Am Ende waren es viel zu viele – und die Auswahl viel zu schwer. Aber sie ist gelungen: Panorama-Fotos, die noch nie gezeigt wurden, Glasplatten-Negative, Feldpostbriefe, ein Schatzbuch, eine handgezeichnete Flurkarte von Adolf Manns, die als Grundlage für die Straßennamen in Rüdinghausen genommen wurde, dazu Bilder, Bilder, Bilder: „Die Leute, die schon hier waren, sind begeistert“, sagt Karoline Robbert. „Denn sie finden sich alle wieder, erkennen dies und jenes, was sie früher mal gesehen haben.“

Junge Leute haben kein Interesse

Und genau das ist es ja, was die Vereine bewirken wollen: Die Geschichte der Dörfer lebendig halten. „Die Leute, die noch etwas von früher wissen, sterben uns weg“, klagt Friedhelm Specht. „Und die Jungen interessieren sich nicht – noch nicht.“ Umso wichtiger sei es, Altes zu sammeln und weiterzugeben. Manch altes Schätzchen schlummere noch in den Kellern. „Aber viele haben Angst, etwas aus den Händen zu geben.“ Zu Unrecht: Nur so könne es erhalten werden. „Und oft reicht uns schon eine digitale Kopie.“

Freude bereitet hat den Vereinen die Zusammenarbeit – und neuen Schwung gegeben: „Wir wollen in den Vororten wieder mehr Geschichte zeigen“, sagt Dr. Marc Junge aus Rüdinghausen. „Das haben wir zuletzt vernachlässigt.“ Dabei sei der Blick in die Vergangenheit wichtig: „Nur damit kann man die Gegenwart richtig beurteilen.“

Heimatstübchen wiederbelebt

Im Günnemann-Kotten in Rüdinghausen könnte nach der Restaurierung vielleicht eine Ausstellung etabliert werden, für Grundschüler etwa. In Stockum soll das Heimatstübchen wiederbelebt werden, als Anlaufpunkt für die Bürger. Und auch das Stadtmarketing steigt in diesem Jahr wieder in Führungen im Vorort ein – nicht nur in Herbede und Annen. Ob es bald erneut eine gemeinsame Aktion der Heimatvereine geben wird? Wolfgang Lippert spricht stellvertretend für die anderen: „Gern, aber das hängt von der Zukunft des Museums ab.“